Winnenden

Das ändert sich ab dem 1. August

Fahrplan auf sieben Linien verbessert_0
Reinhard Molt (Remshalden), Hartmut Holzwarth (Winnenden), Gerhard Häuser (Schwaikheim), Jochen Müller (Korb), Maximilian Friedrich (Berglen), Markus Dannenmann, Betriebsleiter Markus Dezius, Landrat-Stellvertreter Dr. Peter Zaar, VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger, Jörg Walter vom Landratsamt und die Winnender Ordnungsamtsleiterin Beatrice Hertel (von links). © Benjamin Beytekin

Winnenden. So läuft’s selten: Es gibt ab 1. August mehr Busverbindungen – aber der Zuschuss dafür sinkt. Winnenden zahlt nach der Neu-Vergabe etlicher Buslinien deutlich weniger als die 180 000 Euro im Jahr, die seit Start des neuen Buskonzepts fällig sind. Mehr noch: Je mehr die Bürger Bus fahren, desto mehr entlasten sie den Zuschussbetrieb Öffentlicher Personennahverkehr.

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth nannte Verbesserungs-Beispiele für Winnenden:

  • Die Linie 340, die Zusatzfahrten, aber eben auch Umwege für Passagiere aus Birkmannsweiler, Höfen, Baach geboten hat, entfällt. Stattdessen fahren die Buslinien 336 und 337 öfter. Montags bis freitags in der Hauptverkehrszeit im 15-Minuten-Takt, ansonsten im 30-Minuten-Takt.
  • Für die Schüler, die mit der 340 vom Friedhof zu den Bildungszentren gebracht wurden, gibt es Fahrten der Linie 337A und am Nachmittag eine zusätzliche Fahrt der Linie zurück in die Teilorte.
  • Der bisher magere Fahrplan der Linie 331 über Breuningsweiler nach Berglen-Steinach wird auf Ferientage und das Wochenende deutlich ausgeweitet und übersichtlicher. Die Linie 310 verwandelt sich in die Linie 333, bekommt einen geänderten Fahrplan, steuert aber weiterhin im Stundentakt Breuningsweiler an.

Auch Dörfer ab 200 Einwohnern haben ein Recht auf Busanbindung

Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen, Dr. Peter Zaar als Stellvertreter des Landrats sowie Thomas Hachenberger vom Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) haben sich anlässlich der neuen Fahrpläne für sieben Linien getroffen. Vor Jahren begann die Planung dafür. Der neue Nahverkehrsplan berücksichtigt die ländliche Struktur des Kreises – auch Dörfer ab 200 Einwohnern bekommen nun eine Basis-Versorgung.

„Attraktiver ÖPNV ist ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz“

Auch die Kosten werden anders aufgeteilt. Der VVS gibt bei diesem Modell einen Teil seiner Einnahmen an die Kostenträger zurück. Was jede einzelne Kommune und der Landkreis zu bezahlen haben, ist also erst nach Ablauf des Jahres sicher zu sagen. Der Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth könnte sich für seine Stadt vorstellen, dass die bisherigen Kosten am Ende annähernd halbiert sind. „Im Herbst wollen wir im Gemeinderat das von uns geförderte Stadtticket beraten.“ Es könnte den Eigenanteil wieder erhöhen, das Busfahren aber nach der Tarifreform mit günstigeren Preisen (April 2019) noch mal attraktiver machen. Sich dem Modell anzuschließen, dafür warb Holzwarth bei seinen Kollegen. „Ein attraktiver ÖPNV ist ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz.“

Es wird billiger für die Kommunen – das liegt auch daran, dass die nach acht Jahren anstehenden Neuvergaben von 13 Buslinien-Bündeln im Kreis deutlich bessere Preise ergeben haben als früher, da zwischen Kreis, Kommunen und Busunternehmern viele einzelne Verträge geschlossen worden waren. Sie waren sozusagen historisch gewachsen und immer teurer geworden.

Für die sieben Linien ging ein neuer Betreiber, die Firma Dannenmann, aus dem Bieterwettbewerb hervor. „Bis die bestellten Busse da sind, werden wir uns mit relativ jungen Fahrzeugen behelfen, die die Vorgaben der Ausschreibung erfüllen“, sagte Markus Dannenmann. Die Lieferzeit liegt bei knapp einem Jahr. Seine Busse erfüllen die Abgasnorm Euro 6, sind so gut wie barrierefrei (absenkbar) und klimatisiert. „Schauen Sie danach, dass Subunternehmer keine älteren Fahrzeuge fahren“, bat Holzwarth. Genug Fahrer konnte die Firma einstellen, hieß es bei dem Treffen.


Remshalden/Schwaikheim/Korb. Korb und Schwaikheim bekommen eine einheitliche Linienführung und deutlich mehr Wochenendfahrten. Remshalden muss werktags für Buoch Einschränkungen hinnehmen, gewinnt jedoch am Wochenende einen Zwei-Stunden-Takt durch den Ort.

Für die Firma Dannenmann wird der OVR die mit zehn Fahrradträgern innen und außen ausgestattete Buslinie weiter betreiben. „Fahrrad2go“ (310) fährt bisher zwischen Winnenden und Remshalden-Buoch. Viermal sonntags auch zum Grunbacher Bahnhof. Diese Linie verwandelt sich nun generell in die Nummer 333, am Wochenende und an Feiertagen fungiert sie ab Buoch als Remshaldener Ortsbus (217) und fährt somit samstags siebenmal, sonntags sechsmal bis in den Ortsteil Rohrbronn und zurück, vorbei an den Bahnhöfen Grunbach und Geradstetten. In den „Fahrrad2go“-Bussen werden Räder kostenfrei befördert.

Auf die Radmitnahme verzichten müssen die Schwaikheimer ab 1. August – es stehen für die vielen zusätzlichen Fahrten nicht mehr genug Busse mit Radträgern zur Verfügung. Die bisherige Linie 210, die ab nächstem Monat Linie 339 genannt werden wird, fährt dann aber samstags, sonn- und feiertags alle zwei Stunden von Korb über Schwaikheim nach Winnenden (Bahnhof, Kronenplatz, Kelter) bis ans Rems-Murr-Klinikum. Auch montags bis freitags werden zusätzliche Fahrten zwischen Korb und Schwaikheim in den Fahrplan aufgenommen. „Es sind Verbesserungen in die richtige Richtung. Trotzdem ist es für Korber schwierig zu vermitteln, dass sie über den Hanweiler Sattel in der halben Zeit im Klinikum sind“, sagte Bürgermeister Jochen Müller. Wer in Korb am Seeplatz aussteigt, hat Anschluss von und zur Buslinie 209 in Richtung Korber Höhe/Waiblingen. Diese Umsteigeverbindungen sind vor allem für Fahrgäste aus dem Raum Korber Höhe interessant, die zum Rems-Murr-Klinikum fahren möchten.

Schülerbeförderung in Schwaikheim

Ab Schwaikheim wird der Schülerverkehr zur ersten Unterrichtsstunde neu organisiert. Zwei Schulbusse fahren ganzjährig als Gelenkbusse ab der Haltestelle Rathaus, sie starten weiterhin nicht mehr am Café Rommel. Für Schüler im Einzugsbereich des Schwaikheimer Bahnhofs wird aber darüber hinaus ein zusätzlicher Gelenkbus ab der S-Bahn-Station Winnenden-Bahnhof zu den Schulen eingerichtet, so dass diese Schüler die S-Bahn-Abfahrt um 7.06 Uhr ab Schwaikheim nutzen können und bei gleicher Fahrzeit wie bisher zukünftig nicht mehr so früh aufstehen müssen, wie es heute der Fall ist. Insgesamt stehen somit den Schwaikheimer Schülern in den drei Gelenkbussen fast 400 Plätze zur Verfügung.

VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger bat die Bürgermeister, in ihren Kommunen für das erweiterte Angebot unermüdlich zu werben. Auch als Beitrag zu guter Luft. „An den Stickoxid- und Feinstaubemissionen ist der Busverkehr nur mit 2 bis 3 Prozent beteiligt“, sagte er. Und was die Fahrpläne angeht, sieht er immer Luft nach oben: „Weitere Verbesserungswünsche werden wir unaufgeregt angehen.“


Die großen Gewinner der Neuausrichtung dürften die Berglener sein. Für einige Orte werden die täglichen Fahrten mehr als verdoppelt und die Tarifzonenreform wirkt sich enorm positiv aus, statt bisher fünf zahlt man nur noch drei Zonen nach Stuttgart, eine nach Winnenden. „Vielleicht kann so manche Familie nun auf den Zweitwagen verzichten“, hofft Dr. Peter Zaar vom Landratsamt. Bürgermeister Maximilian Friedrich hebt hervor, dass die bisher nur für Schüler eingesetzten Busse nun in einer „vernünftig strukturierten Taktung fahren, so dass sie werktags auch für Berufstätige interessant werden“.

  • Die Hauptbuslinien 336 nach Erlenhof, Hößlinswart und Oppelsbohm sowie 337 nach Rettersburg und Oppelsbohm erhalten in den Hauptverkehrszeiten einen 15-, in den anderen Zeiten einen 30-Minuten-Takt, die Betriebszeiten am Abend und am Wochenende werden verlängert.
  • Die Firma Schweicker aus Wäschenbeuren betreibt die Kleinbuslinie 338, die Ödernhardt, Kottweil und erstmals auch Bretzenacker montags bis freitags an die große Bushaltestelle im Erlenhof und an die Linie 336 nach Winnenden anbindet. Stündlich – bis auf eine dreistündige Betriebspause am Vormittag. An Schultagen gibt es jedoch Zusatzfahrten zur Nachbarschaftsschule.
  • Steinach und Lehnenberg sind über die Linie 331 und ihren rhythmisierten sowie auf Ferientage und das Wochenende ausgeweiteten Fahrplan an Winnenden angebunden.
  • Mit der Ende 2018 eingeführten neuen Linie 330 sind Kaisersbach, Althütte, Rudersberg und Berglen direkt ans Rems-Murr-Klinikum angebunden.

Weiter ausbaubar

Die neuen Fahrpläne auf den Linien 210 (339), 310 (333), 336, 337 und 338 gelten ab Donnerstag, 1. August. An diesem Tag kann man auf diesen Linien kostenlos mitfahren.

„Zwar werden in den Sommerferien etliche Baustellen den Busverkehr behindern, dafür fällt die Schülerbeförderung erst mal weg“, hofft Kreis-Verkehrsdezernent Dr. Peter Zaar auf Verständnis bei der Kundschaft. Die neuen Fahrer müssten die neuen Strecken trainieren. „Wahrscheinlich läuft nicht alles perfekt in den ersten Wochen.“

Was sich im Detail verbessert, kann jeder bisherige und auch neue Busnutzer im Internet unter www.vvs.de oder im Fahrplanheftchen studieren, das am Samstag, 20. Juli, an alle betroffenen Haushalte verteilt wird. Darin ist auch der Fahrplan der S-Bahn S 3, des Regionalexpress R 3 - Züge auf der Murrschiene - und des Busses 330 abgedruckt, der Kaisersbach und den Ebnisee im Welzheimer Wald ans „Wiesel“-Bähnle und bis nach Winnenden ans Rems-Murr-Klinikum sowie den Bahnhof anbindet.

„Dass der Vertrag mit Dannenmann nun bis zum Jahr 2028 gilt, heißt aber nicht, dass es keine Änderungen in der Linienführung oder am Fahrplan mehr geben wird“, sagte Zaar. Entsteht ein neues Baugebiet oder haben Bürger weitere Verbesserungsvorschläge, sei man bemüht, das Konzept auch weiterhin zu optimieren.

In den zurückliegenden vier Jahren hat der Rems-Murr-Kreis die gefahrenen Buskilometer kontinuierlich gesteigert um 1,2 Millionen Kilometer. Zum Vergleich: Im ganzen VVS-Gebiet deckt der ÖPNV fünf Millionen Kilometer mehr ab als 2015.