Winnenden

Das Apfel-Sammelprojekt der Bürgerstiftung

1/2
Apfelsammel3
Ein Apfelwickler, der halb in der Frucht steckt, begeistert die Kinder. © Ralph Steinemann
2/2
Apfelsammel1
Schnell füllen die Zweitklässler der Stöckachschule ihre Eimer mit den geschüttelten Äpfeln. Jedes Kind hat sein eigenes System. © Ralph Steinemann

Winnenden. Es ist toll, zu beobachten, wie unterschiedlich Kinder ans Äpfelauflesen herangehen. Das eine trägt den Eimer und sein Blick schweift über die von Obst übersäte Wiese, bis es meint, jetzt lohnt es, sich zu bücken. Das andere stellt den Eimer auf den Boden, geht in die Hocke und klaubt mit beiden Händen Früchte auf. Egal wie, nach 90 Minuten ist der Hänger voll.

Video: Schulklassen aus Winnenden sammeln Äpfel.

Vier Wochen lang schütteln Heinz Reichert (75) und Roland Hilscher (64) für Kinder und Jugendliche aus 36 Klassen und Vereinen Äpfel. Möglichst frisch, denn so ein Meer von knackigen Äpfeln hat schon so manch bequemen Saftliebhaber zum Dieb werden lassen, berichtet Heinz Reichert. Das ist umso gemeiner, da den Kindern Geld für ihre Klassen- oder Vereinskasse entgeht, mit dem sie sich etwas gönnen.

Auch die Zweitklässler von der Stöckachschule wissen genau, warum sie an die neue Kelter auf der anderen Seite des Hügels bestellt worden sind, warum sie ihr warmes Zimmer mit einer vom herbstmorgendlichen Tau kalten und feuchten Wiese getauscht haben. „Das Geld bekommen wir“, sagt ein helles Stimmchen. Wer es war, kann man bei den vielen gebeugten Rücken nicht sagen, aber es klingt motivierend.

„Wir haben einen Wurm!“, freuen sich zwei Mädchen

Nach wenigen Minuten poltern Äpfel auf die Ladefläche des Anhängers. Benni gehört zu den Ersten, die ihren Eimer ausschütten. Ein Mädchen nimmt sich mehr Zeit. Zum einen gefallen ihr offenbar die kleinen Äpfel, zum anderen befürchtet sie, einen faulen Apfel zu erwischen. Dabei hat Heinz Reichert erklärt, dass man die nicht im Saft haben will. Doch was tun, wenn die Frucht nur eine braune Delle hat? Rein damit in den Eimer, sagen Lehrerin und begleitende Mütter nach einem prüfenden Blick.

„Wir haben einen Wurm!“, rufen zwei Mädchen ganz begeistert und halten einen Apfel hoch. Es scheint, dass der Bewohner, aufgeschreckt durch den rüttelnden Reichert-Hurrikan, herausgekrochen und beim Rückweg in Kältestarre verfallen ist.

Mit der Zeit verebben die anfangs begeisterten Rufe „Ich nehm’ den! Ich nehm’ den!“, mit denen die Kinder jeden Zugriff angekündigt haben. Sie sammeln gemeinsam in einen Eimer oder allein, mal eifrig, mal meditativ. „Das sind ganz schön viele“, staunt auch eine Lehrerin über den dichten Apfelteppich. Manche Kinder animieren die rot-grünen Früchte zum Reinbeißen, das hat Heinz Reichert auch ausdrücklich erlaubt. Er hat sie sogar dazu aufgefordert, die Taschen zu füllen.

Reiterverein darf mit mindestens 300 Euro rechnen

So sehr ihm die Arbeit mit den Kindern im Freien Spaß macht, so sehr wünscht er sich inzwischen einen Nachfolger, am besten einen rüstigen Rentner. „Roland Hilscher macht weiter mit, dafür bin ich jetzt schon dankbar, so können wir zwei Gruppen parallel betreuen. Aber er will nicht organisieren.“ Das ist nämlich viel Zeit, die dafür draufgeht: 32 private und vier städtische Wiesen werden unter den Teilnehmern aufgeteilt, die Sammeltermine müssen mit den Schulen und Vereinen, der Einsatzort mit den jeweiligen Lehrern und Betreuern abgestimmt werden. Nicht immer einfach, denn ein Wiesle hat ja keine Adresse, die man ins Navi eingeben kann. Und wenn es stark regnet, muss Reichert einen Ersatztermin finden. Akribisch notiert er außerdem, wie viel jede Gruppe bei Ernteband abliefert. Im Januar bekommt jedes Team entsprechend seinem Sammeleifer das Geld ausbezahlt.

Am Beispiel von 40 Reitern und Voltigierern, die auch mitgemacht haben, sei kurz beschrieben, wie viel beim Streuobstsammelprojekt umgesetzt wird: In zwei Stunden kamen 2500 Kilo Äpfel zusammen. Für 100 Kilo zahlt Ernteband derzeit sieben Euro und fürs soziale Projekt zusätzlich drei Euro. Die Bäckerei Maurer legt zwei Euro drauf. Die Bürgerstiftung rundet auf, so dass die Pferdesportler mindestens 300 Euro für einen neuen Voltigiergurt für die Kinder bekommen werden.

ZVW-Apfelbörse

Der Zeitungsverlag Waiblingen vermittelt wieder Kontakte zwischen Obstbaumwiesenbesitzern und „Wiesenlosen“, die gerne Äpfel, Birnen oder Quitten auflesen würden.

Einfach auf www.zvw.de/apfelboerse gehen, die Angebote anschauen oder eine eigene Suchmeldung hineinschreiben.

Das gesamte Angebot und die Obstabgabe durch Privatleute sind kostenlos.