Winnenden

Das Ende für die Südumfahrung

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Die geplante Südumgehung: Bislang bislang nicht mehr als ein blauer, krummer Strich auf einem Plan. © ZVW

Schwaikheim. Sie lebt noch, auf dem Papier. Ganz kurz hat sie aus der Schublade hervorlugen dürfen, noch einmal die Gemüter im Gemeinderat erregt, ehe sie wieder in ihren Dornröschenschlaf zurücksinken wird: Die Südumfahrung, eine Vision am Ende des vorigen Jahrtausends, die es in den Regionalverkehrsplan, allerdings auch in den deutlich maßgeblicheren Flächennutzungsplan, geschafft hat.

Der Regionalverkehrsplan wird fortgeschrieben, alle Kommunen in der Region nehmen derzeit zu dem, was darin sie betrifft, Stellung. In Schwaikheim sind das zwei Vorhaben. Eines davon ist die sogenannte Südumfahrung, eine Verbindung zwischen der von Remseck herkommenden Landesstraße 1140 und der Kreisstraße 1850 (im Volksmund Avus, also die B-14-Zufahrt).

Eine genaue Trassenführung gibt es bis heute nicht, aber klar ist, dass diese Umgehung den Eckweg und den Dornhau tangieren würde, ein Naherholungsgebiet, dessen Beeinträchtigung in Schwaikheim mit Sicherheit zu einem mittelschweren Volksaufstand führen würde, so wie damals, als massiver Widerstand im Ort den Plan einer Kreismülldeponie im Streuobstwiesengebiet Dornhau begrub.

Ende der 90er wurde auch an künftige Neubaugebiete gedacht

Auf die Idee dieser Umfahrung war man Ende der 90er Jahre bei der Aufstellung eines Verkehrsentwicklungsplans gekommen, der auch die Erschließung künftiger Neubaugebiete in Schwaikheim, also die Fahrten dorthin und von dort heraus, berücksichtigen sollte. Die Umfahrung sollte auch Entlastung bringen, vor allem für die verkehrsgeplagten Anwohner der Durchgangsstraßen. Damals war sogar auch noch von einem Nordbogen, also einem Abzweig von der Landesstraße hoch Richtung Weiler zum Stein, die Rede.

Verwaltung schlug vor: Mit „hohe Dringlichkeit“ versehen

Die beiden Umfahrungen wurden sogar mit Beschluss des Gemeinderats 1999 in den Flächennutzungsplan reingenommen, im Sinne von „eine mögliche Trasse frei halten“, um sich diese Optionen zumindest für die Zukunft nicht zu verbauen. Im Jahre 2000, bei der damaligen Fortschreibung des Regionalverkehrsplans, wurde die Südumfahrung als „höchst dringlich“, also in der obersten von fünf Prioritätskategorien eingestuft, wo sie bis heute steht – und bis heute nicht gebaut ist. Bei der nun anstehenden Fortschreibung soll sie auf „hohe Dringlichkeit“ herabgestuft werden, beziehungsweise nach wie vor aber als „mittel- bis langfristige Option“ im Plan dargestellt werden.

Wenn Gemeinde sie nicht fordert, wird sie erst recht nicht gebaut

Wolfgang Schröder vom Ludwigsburger Fachbüro BS Ingenieure, das derzeit einen neuen Verkehrsentwicklungsplan für Schwaikheim erarbeitet, auch vor allem im Hinblick auf die zusätzliche Belastung durch das geplante Neubaugebiet Heiße Klinge, relativierte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, als es um die Stellungnahme von Schwaikheim zu der Fortschreibung ging, deren Bedeutung.

Der Regionalverkehrsplan sei schon deswegen kein Straßenbauprogramm, weil die Region, deren Verband selbst ja gar nicht baue, also kein Bauherr sei, anders als Kommunen, Landkreise, Land und Bund. „Er beurteilt nur den Nutzen und die Wichtigkeit von vorgesehenen Maßnahmen.“ In der höchsten Dringlichkeitsstufe stünden derzeit mehr als 100, viele davon seit langem, und „hohe Dringlichkeit“, also eine Stufe darunter meine nichts anderes als „soll zumindest in der Diskussion bleiben“ und dass gegebenenfalls weitere Untersuchungen erfolgen sollen, so Schröder. „Es ist aber ganz klar, wenn die betreffenden Kommunen eine solche Straße nicht von sich aus fordern, dann wird sie erst recht nicht realisiert. Es geht, anders gesagt, darum, dass sie nicht vergessen wird.“ Was die Schwaikheimer Umfahrung angehe, sei sie bislang nicht mehr als ein blauer, krummer Strich auf einem Plan.

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