Winnenden

Dauerkarten-Diskussion um das Wunnebad Winnenden: Rabattkarte für Vielschwimmer?

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Viele Schwimmer wünschen sich Dauerkarten für das Wunnebad zurück. Den Stadtwerken ist das zu unsicher. © Gaby Schneider

In der heißen Phase kurz vor dem Beginn der Umbauarbeiten im Wunnebad müssen sich die Stadtwerke mit der breiten Kritik an ihrer Preispolitik auseinandersetzen. 600 Unterschriften hat eine Online-Petition gesammelt, die fordert, dass wieder Dauerkarten angeboten werden. Jetzt ist klar: Die Stadtwerke werden ihren Kunden diesen Wunsch bis auf weiteres nicht erfüllen – zu viel spricht dagegen, wenn das Wunnebad zur Dauerbaustelle wird. Bäderleiter Sascha Seitz arbeitet jedoch ein Angebot aus, das Vielschwimmer preislich entlasten soll.

Das ist das Ergebnis einer Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke Winnenden, die am Donnerstagabend im Rathaus stattgefunden hat. Demnach soll Ende März eine „Sportlerclubkarte“ beschlossen werden, die den Einzel-Eintrittspreis für Vielschwimmer halbiert oder zumindest deutlich reduziert. Zu welchen Konditionen und mit welchem Rabatt genau, das soll Bäderleiter Sascha Seitz jetzt in Einklang bringen mit dem Wirtschaftsplan der Stadtwerke.

Christoph Mohr hat die Idee zur „Sportlerclubkarte“

Die Idee stammt nicht aus den Reihen des städtischen Eigenbetriebs. Deren Geschäftsführer Jochen Mulfinger hatte im Januar angekündigt, die Stadtwerke würden sich bis zur Sitzung am Donnerstag Gedanken über die Preispolitik machen und gegebenenfalls Vorschläge unterbreiten. Was sein Bäderleiter allerdings ins Gremium mitbrachte, war neben günstigeren Einzel-Eintrittspreisen wegen der Einschränkungen in der Bauphase ab Ende Februar (3,50 Euro statt vier Euro für Erwachsene) lediglich der Vorschlag über eine vierte Wertkarte für 400 Euro. Diese würde dann zu 25 Prozent Rabatt auf den Einzel-Eintrittspreis berechtigen. Solche Karten zu 100, 200 und 300 Euro sind bereits erhältlich. Sie sind für die Vielschwimmer, die ihren Fokus auf den sportlichen Kurzbesuch legen, aber offenbar nicht attraktiv – das zeigt schon die Petition, die im Januar online gegangen ist.

Abgestimmt wurde über diesen Vorschlag deshalb nicht am Donnerstagabend – stattdessen stieß eine Idee von Aufsichtsratmitglied Christoph Mohr im Gremium auf Gegenliebe: die Sportlerclubkarte.

„Ich kenn die Meinung von Vielschwimmern, dass die bisherige Jahreskarte viel zu billig war“, sagte der Vorsitzende der ALi-Gemeinderatsfraktion. Diese treuen Wunnebad-Gäste, die sich oft nicht länger als eine Stunde auf der Anlage aufhielten, seien durchaus bereit, für eine Dauerkarte einen Beitrag zu leisten, der deutlich über 150 Euro liege.

Die Petition als Druckmittel: „600 Unterschriften sind schon ein Wort“

Die Argumente der Stadtwerke, dass ein Dauerkartenangebot in den unsicheren Zeiten der Umbauarbeiten ein zu hohes Risiko berge, sind nachvollziehbar, findet Christoph Mohr. Er halte es aber für möglich, die Unwägbarkeiten der Sanierung in die Karte einzupreisen, zum Beispiel Ersatzansprüche erst ab mehr als 30 Tagen unvorhergesehener Schließzeit festzulegen. So könnte das auch in einer „Sportlerclubkarte“ für Vielschwimmer gehandhabt werden. Diese Karte würde diesen Badegästen, die fast täglich im Sportbecken ihre Bahnen ziehen, einen ordentlichen Rabatt bescheren. SPD-Mann Andreas Herfurth unterstützte diesen Vorschlag, den Vielschwimmern entgegenzukommen, und verwies auf die Online-Petition: „600 Unterschriften sind schon ein Wort. Wir müssen unsere Kunden halten und die Vielschwimmer sind unsere treuesten Kunden.“

Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 31. März wird Bäderleiter Sascha Seitz ein entsprechendes Angebot erstellen. Über die generelle Wiedereinführung von Dauerkarten – ob als Saison- oder Jahreskarte – soll im Jahr 2023 beraten werden. 2024 sollen die großangelegten Umbauarbeiten abgeschlossen werden.

Für Stadtwerke-Chef Jochen Mulfinger steht fest: An den laufenden Kosten im Wunnebad müssen sich alle Nutzer beteiligen, und zwar auch und vor allem über den Eintrittspreis. Schließlich ist das Wunnebad wie die allermeisten Schwimmbäder ein Zuschussbetrieb, es macht im Jahr rund 2,3 Millionen Euro Defizit. Rund 1,35 Millionen Euro schießt die Stadt Winnenden zu, den Rest der Lücke müssen die Stadtwerke schließen.

Erfreuliche Nachrichten: Umbaukosten könnten geringer ausfallen als befürchtet

Die Umbauarbeiten im Wunnebad sollen am 28. Februar beginnen. Nach aktuellem Stand werden sich die Gesamtkosten auf rund 26,15 Millionen Euro belaufen. Das sind rund 607.000 Euro weniger als bei der jüngsten Kostenfortschreibung im November 2021. Stadtwerke-Chef Jochen Mulfinger sagte bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstagabend: „Es tritt eine leichte Entspannung ein. Das kann aber auch nur eine Momentaufnahme sein.“

Der Aufsichtsrat hat in der Sitzung zahlreichen Vergaben von Bauaufträgen zugestimmt, viele Angebote lagen günstiger als gedacht. Ohne Ergebnis ist allerdings die Ausschreibung der Stahlbau- und Zimmermannsarbeiten geblieben. Es besteht allerdings offenbar Kontakt zu interessierten Firmen. Jochen Mulfinger sagte, er sei „nicht hoffnungslos, dass wir etwas Adäquates finden“.

In der heißen Phase kurz vor dem Beginn der Umbauarbeiten im Wunnebad müssen sich die Stadtwerke mit der breiten Kritik an ihrer Preispolitik auseinandersetzen. 600 Unterschriften hat eine Online-Petition gesammelt, die fordert, dass wieder Dauerkarten angeboten werden. Jetzt ist klar: Die Stadtwerke werden ihren Kunden diesen Wunsch bis auf weiteres nicht erfüllen – zu viel spricht dagegen, wenn das Wunnebad zur Dauerbaustelle wird. Bäderleiter Sascha Seitz arbeitet jedoch ein Angebot aus,

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