Winnenden

Der Schulungsstart bei Kärcher gibt einem Winnender Hotelier Hoffnung

Hotel Le Village
Boris Pecirep ist Leiter des Hotels Le Village im Winnender Gewerbegebiet zwischen Bundesstraße und Bahnhof. © ALEXANDRA PALMIZI

Zum Start der Pfingstferien ist der Tourismus sanft aus dem Corona-Dornröschen-Schlaf geweckt worden. Das Winnender Hotel Le Village hat für Geschäftsreisende schon seit Mai wieder offen, aber nicht, weil sich wie im Märchen die Zahl der Zimmerbuchungen rasant nach oben gerankt hätte. Die Auslastung lag bei nur 17 Prozent. „Wir nutzten die Zeit, um Vorlauf zu haben, um uns auf den geänderten Betrieb mit Abstand und Hygienevorgaben genauso vorzubereiten, wie es unser Verband Dehoga empfiehlt“, sagt der Leiter des Hotels Le Village, der 34-jährige Boris Pecirep.

20 der 104 Zimmer sind im Moment belegt. Mit einem plötzlichen Ansturm darf der Winnender auch im Juni nicht rechnen, aber die Nachricht aus der Kärcher-Firmenzentrale, dass es von Anfang Juli an wieder vorsichtig losgehen soll mit Schulungen deutscher Partner, stimmt ihn hoffnungsfroh. „Es ist wichtig, dass die Grenzen bald offen sind, früher sind die Gäste über Kärcher aus Asien, Südamerika und Europa gekommen“, sagt Pecirep. Seine Frau Madlen Pecirep arbeitet an der Rezeption hinter einer Plexiglasscheibe mit Durchreiche, eine der am leichtesten umsetzbaren Vorgaben. „Die finden wir sogar schön, die werden wir behalten, auch wenn sie dann nicht mehr Vorschrift ist“, sagt Boris Pecirep.

Statt Lunchpaketen gibt’s ab Montag Frühstück mit Ampel und Zellophan

„Nächste Woche wollen wir statt der bisherigen Lunchpakete wieder Frühstück anbieten, wollen uns an eine Art Buffet wagen“, erläutert er das Konzept: Wurst und Käse sind auf Tellern unter Zellophanfolie vorbereitet, das Brot wird an den Tisch gebracht. Der Gast muss die Ampel beachten, ob einer der im vorgeschriebenen Abstand aufgestellten Tische frei ist, und sich die Hände desinfizieren, bevor er sich den ersten Kaffee des Tages per Tastendruck aus der Maschine lässt. Auch Besteck, Salz und Pfeffer bringt das Personal an den Tisch, „wir dürfen nicht einmal vorher unsere hübschen Sets darauflegen“, sagt Boris Pecirep über den nun kahl wirkenden hohen Raum, der nur noch die Hälfte der bisherigen Sitzplätze bietet. Wird ein Tisch frei, wird er vor der Neubelegung desinfiziert.

„Auch bei der Zimmerreinigung mussten wir einiges umstellen. Weil aber zum Beispiel eine Fernbedienung nicht ohne weiteres desinfiziert werden kann, haben wir sie eingeschweißt“, erzählt der Hotelleiter.

„Mit weiteren Staatshilfen können wir Hoteliers es schaffen“

Für sein Personal tut es ihm leid, dass es seit 26. März mit Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 beziehungsweise für Eltern 67 Prozent klarkommen muss. Bis 30. April war das Haus komplett geschlossen, seit Mai arbeitet nur eine kleine Mannschaft. Immerhin habe die Politik eine Erhöhung um zehn Prozent ab dem vierten Kurzarbeitsmonat angekündigt und weitere zehn ab dem neunten. „Das ist im Vergleich zu Ländern wie Kroatien sehr gut. Dort sind die Leute sofort ihren Job los gewesen, haben aber zwei, drei Monate aufs Arbeitslosengeld warten müssen“, sagt der gut vernetzte Hotelleiter.

„Wir als Betrieb waren für die Soforthilfe des Staats dankbar, aber 30 000 Euro decken nicht einmal die Miete für drei Monate. Wir haben hier vorher sehr gut gewirtschaftet, aber die Rücklagen für neue Betten und andere Einrichtungsgegenstände mussten wir, wie viele andere Kollegen auch, für Betrieb und Nebenkosten verbrauchen.“ Boris Pecirep macht das traurig, er setzt aber Hoffnung auf spezielle Hilfen in gleicher Höhe für Gastrobetriebe und ein Wiederaufbaugeld in Höhe von 50 000 Euro, das für Ende des Jahres in Aussicht steht. „Auch wenn es nicht komplett aus den Miesen hilft, damit kann man es schaffen.“ Der Winnender rechnet mit einem Normalbetrieb mit 65 bis 70 Prozent Auslastung erst wieder im September oder Oktober. „Den Verlust von 50 bis 70 Prozent, je nachdem, wie sich alles entwickelt, kann ich aber niemals nachholen, weil ich die Zimmer ja nicht doppelt und dreifach belegen kann.“ Auch seien höhere Preise, wie bei manchen Friseuren wegen der Krise angesetzt, in seiner Branche schwieriger vermittelbar.

„Meiner Meinung nach hätte unser Land die Grenzen und Flughäfen früher schließen müssen, dann wären wir womöglich schneller aus dem Lockdown herausgekommen.“ Mit der Arbeit seines Verbands ist er zufrieden, hat aber das Gefühl, dass jener in der Politik noch zu wenig gehört werde.

Zum Start der Pfingstferien ist der Tourismus sanft aus dem Corona-Dornröschen-Schlaf geweckt worden. Das Winnender Hotel Le Village hat für Geschäftsreisende schon seit Mai wieder offen, aber nicht, weil sich wie im Märchen die Zahl der Zimmerbuchungen rasant nach oben gerankt hätte. Die Auslastung lag bei nur 17 Prozent. „Wir nutzten die Zeit, um Vorlauf zu haben, um uns auf den geänderten Betrieb mit Abstand und Hygienevorgaben genauso vorzubereiten, wie es unser Verband Dehoga

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