Winnenden

Der Weltmarktführer in Sachen Klang

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Qualität und Kontrolle werden großgeschrieben. © Palmizi / ZVW

Backnang. Die d&b Audiotechnik ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen; seit 2011 hat das Unternehmen zweimal den Besitzer gewechselt. Geblieben sind aus den Zeiten der Garage in Korb die Grundsätze der beiden Gründer, sagt Geschäftsführer Amnon Harman: kompromisslose Qualität, Leidenschaft und das „Wir-Gefühl“. Bei professionellen Audiosystemen sind die Backnanger Weltmarktführer.

Video: Interview mit Amnon Harman, Chef von d&b Audiotechnik in Backnang

Harman? Amnon Harman weiß, dass der Name bei Musikenthusiasten Assoziationen weckt. Doch mit dem amerikanischen Audio-Zubehör-Hersteller, HiFi-Spezialisten und Elektronikausstatter hat der Geschäftsführer der d&b Audiotechnik außer dem Namen nichts zu tun. Als Harman 2014 in Backnang als Chef angetreten ist, habe er auch bei den Mitarbeitern den nahe liegenden Irrtum „Harman übernimmt d&b“ ausräumen müssen, erzählt Harman.

Jürgen Daubert und Rolf Belz gaben mit ihren Inititialen dem Unternehmen nicht nur den Namen d&b, sondern sie haben auch den Spirit hinterlassen, der auf dem einstigen Spinnerei-Gelände in Backnang noch heute zu spüren ist. Das Du ist der normale Umgangston unter den mittlerweile 350 Mitarbeitern. Doch trotz des lockeren Dus stehen Qualität und Kontrolle an oberster Stelle. „Checkpoint Charly“ steht über einer Kontrollstelle in der Lautsprecherproduktion und erinnert an den Mitarbeiter, der dort nach der Lackierung die Gehäuse prüfte.

Jürgen Daubert und Rolf Belz hatten sich in den 1980er Jahren ans Werk gemacht, die Akustik bei Veranstaltungen zu verbessern. Eine Stadthalle konnte noch so neu und noch so schön sein, die Ansprache des Bürgermeisters war dennoch oft kaum zu verstehen. Daubert und Belz bastelten an der Optimierung von Lautsprechersystemen. Sie meldeten im Jahr 1981 die d&b Audiotechnik als Firma an, und bereits 1982 kamen d&b-Systeme zu ihren ersten Theatereinsätzen und kleinen Tourneen, heißt es in der Firmenchronik.

„Schreinerei klingt nach Handwerk. Es ist aber High Tech!“

Bis heute ist „Made in Germany“ bei d&b keine Marketingmasche, sondern eine Tatsache. Das zeigt ein Rundgang über das inzwischen 20 000 Quadratmeter große Gelände der einstigen Spinnerei Eugen Adolff. Produziert wird mit einer sehr großen Fertigungstiefe. Ein Großteil der Gehäuse kommt noch immer aus der hauseigenen Tischlerei, und selbst Beschichtungs- und Lackierarbeiten werden nicht fremdvergeben. Entwicklung und Montage sämtlicher d&b-Lautsprecher, Controller und Verstärker sollen auch künftig im eigenen Haus verbleiben. „Schreinerei klingt nach Handwerk“, sagt Harman, „es ist aber High Tech!“ Das Naturprodukt Holz werde mit einer Toleranz von einem zehntel Millimeter verarbeitet. Für Lautsprecher gilt Holz nach wie vor als der beste Klangkörper und ist Voraussetzung für einen vernünftigen Klang.

Der Sound bei Konzerten kommt heute aus immer kleineren Gehäusen. „Miniaturisierung ist im Trend“, sagt Harman. Je weniger Gewicht für denselben Schalldruck nötig ist, desto besser. Und die Veranstalter haben weniger zu transportieren und zu tragen. d&b entwickelt und produziert eigenen Angaben zufolge hochwertige Beschallungssysteme für mobile und fest installierte Anwendungen. Das Spektrum der Veranstaltungsorte reiche von großen Stadien und Konzerthallen über Theater- und Opernhäuser bis hin zu Konferenzzentren und Kreuzfahrtschiffen. Die Alleinstellungsmerkmale seien ein konsequenter Systemansatz, basierend auf dem Zusammenwirken von Verstärker, Lautsprecher, Zubehör und vernetzenden Softwarelösungen, sowie ein weltweit verfügbarer Service und Schulungs- und Supportfunktionen.

Die Zeichen stehen auf Wachstum

Der Umsatz ist in der Vergangenheit Jahr für Jahr gut zweistellig gestiegen. 2015 erreichte er ein Volumen von 94 Millionen Euro. Auch 2016 erwartet Harman, dass d&b wächst. Im ersten Halbjahr um 25 Prozent. Doch dies sei vor allem den guten Geschäften in den ersten beiden Quartalen zu verdanken, in denen die Konzerttourneen festgelegt werden und die Verleihfirmen ihr Equipment ordern. Das zweite Halbjahr verlaufe in der Regel ruhiger.

85 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet d&b mittlerweile im Ausland, davon rund die Hälfte in Europa, 30 Prozent in Amerika und 20 Prozent in Asien. d&b hat sieben Tochtergesellschaften und Niederlassungen in 70 Ländern. Nicht nur beim Umsatz, sondern auch bei der Zahl der Mitarbeiter stehen die Zeichen auf Wachstum. Nachdem im vergangenen Jahr 50 Beschäftigte eingestellt wurden, sollen es in diesem Jahr weitere 70 Mitarbeiter sein.

Das Wir-Gefühl entscheidet

Probleme, Personal zu finden und nach Backnang zu locken, habe das Unternehmen nicht. In der Branche habe d&b einen „ikonenhaften Status“, sagt Harman. Backnang sei als Arbeits- wie auch als Wohnort attraktiv und zudem gut an Stuttgart angebunden ist. Junge Ingenieure könnten sich im Großraum Stuttgart durchaus wohlfühlen. Harman räumt jedoch ein, dass d&b das Personalmarketing in der eigenen näheren Umgebung etwas vernachlässigt hat und deswegen nicht so bekannt sei, eben ein typischer „hidden champion“, wie es so viele in Baden-Württemberg gibt.

Für typisch schwäbisch hält Harman den Qualitätsgedanken. In Sachen Qualität gebe es bei den Mitarbeitern „keine Kompromisse“. Hinzu komme die Leidenschaft, mit der die Mitarbeiter ihren Job ausfüllen, und das „Wir-Gefühl“, von dem sich Harman in den vergangenen beiden Jahren anstecken ließ. Selbst bei den ausländischen Töchtern hieße es auf Deutsch „Wir-Gefühl“. Dieses Wir umfasse aber nicht nur die 400 Mitarbeiter, sondern auch die Geschäftspartner und Kunden. „Dieses Konzept hat sich seit der Gründerzeit nicht geändert.“

d&b Audiotechnik

Die d&b Audiotechnik ist 1981 von Jürgen Daubert und Rolf Belz in Korb gegründet worden. Bereits 1982 kamen d&b-Systeme zu ihren ersten Theatereinsätzen und kleinen Tourneen. Ihre ersten Serienprodukte präsentierten die Firmengründer bei der AES-Convention 1985, dem Treffen des internationalen Verbands für Toningenieure „Audio Engineering Society“. 1989 zog d&b in das Spinnerei-Areal in Backnang um und übernahm Gebäude für Gebäude.

2011 übernahmen die Investoren Odewald & Compagnie und Cobepa die d&b Audiotechnik. Der Umsatz betrug 44 Millionen, beschäftigt wurden 200 Mitarbeiter. Im März 2016 wechselte d&b erneut die Besitzer: Ardian, eine der führenden unabhängigen Investmentgesellschaften, hat im März dieses Jahres gemeinsam mit dem bestehenden Management die d&b audiotechnik GmbH übernommen. Die Beteiligung an d&b sei bereits das 13. Investment aus dem mit 2,8 Milliarden Euro ausgestatteten Ardian LBO Fund V.

Fabian Wagener, Director bei Ardian, erklärte laut Pressemitteilung: „d&b hat sich in den zurückliegenden drei Jahrzehnten zu einer globalen Premiummarke im professionellen Audiotechnik-Umfeld entwickelt und in den vergangenen Jahren überragendes organisches Wachstum gezeigt. Das Unternehmen hat uns mit seiner Innovationsstärke, seinem umsetzungsstarken Management-Team, seinen engagierten Mitarbeitern und den sich daraus ergebenden Wachstumsperspektiven überzeugt.“

Amnon Harman, CEO von d&b, sagte: „Alles bei d&b dreht sich um den bestmöglichen Sound. Wir sind hervorragend positioniert, um von den weltweit steigenden Ansprüchen an eine professionelle Audiotechnik bei Events, Konzerten und Großveranstaltungen zu profitieren.“ Harman ist seit 2014 Sprecher der Geschäftsführung und für Strategieentwicklung und -umsetzung verantwortlich. Harman ist Dipl.-Ing. (FH) für Luftfahrzeugtechnik und Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH) und verfügt über 25 Jahre Erfahrung in den Bereichen Software, Elektronik und Consulting. Vor seinem Wechsel zu d&b war Harman in leitenden Positionen bei Auguista Technologie AG, Novell, Suse Linux, der Deutschen Bank und Arthur D. Little.