Winnenden

Die überdimensionalen gelben Mohnblumen von Kärcher werden Ballettkulisse

Minkov  Kärcher
„Wir werden beim Wasser tanzen, wir werden um die Mohnblumen tanzen“ verspricht Kathrin Minkov (rechts), und Kärcher-Event-Managerin Tessa Werthwein organisiert Licht, Strom, Corona-Abstände und mehr drum herum. © Gabriel Habermann

Corona ist die härteste Schule, durch die junge Künstler gehen müssen. Musiker, Schauspieler nutzen jede kleine Chance für einen Auftritt irgendwo vor einer Handvoll Publikum. Sie entwickeln Ideen, verwerfen sie und machen wieder was anderes. Was macht zum Beispiel eine Balletttruppe, wenn die Säle gesperrt sind? Seit Anfang des Jahres stehen die Tänzerinnen und Tänzer der Akademie Minkov vor dieser Frage. Kathrin Minkov, die Managerin der Akademie, machte aus dem Problem eine Prüfungsaufgabe für ihre Studenten, die ja in vielen Fällen später eine eigene Ballettschule leiten, also Unternehmerinnen werden: Alle Eleven mussten für die Abschlussprüfung Vorschläge einbringen, wo die Truppe trotz Corona tanzen könnte. Zum Schluss wurde aus den Vorschlägen ein kreatives Projekt, das die Irene-Kärcher-Plaza in die Choreografie einbezieht und von Kärcher mit großer Managementleistung unterstützt wird.

Eine Waldlichtung? Ein Park? Ein Neckarweg? Oder Kärcher?

Die Studentinnen und Studenten schlugen vor: eine Waldlichtung, eine Uferpromenade am Neckar, einen Park in Stuttgart, den Schlosspark des Zentrums für Psychiatrie, oder den großen Platz vor dem Kärcher-Auditorium. Kathrin Minkov überlegte zusammen mit den Tänzern und machte ihnen klar: „Uns ist der Lokalbezug wichtig. Wenn es irgend geht, möchten wir gerne in Winnenden was machen.“ Schlosspark oder Kärcher? Beides war gut. Sie fragte an bei Kärcher und dort leitete man die Idee weiter an Eventmanagerin Tessa Werthwein. „Wir leiteten die Anfrage weiter an Herrn Jenner“, sagt Werthwein. Die Idee der Tänzer hatte etwas: Sie wollen die Irene-Kärcher-Plaza einbeziehen in ihre Choreografien. Der Vorstandsvorsitzende Hartmut Jenner ist einverstanden. Es geht um Nachwuchsförderung, und es ist ein Winnender Projekt.

Ist der Boden zu heiß für die barfuß Tanzenden?

Ganz konkret wussten die Beteiligten nicht, was wird aus der Idee. Eventmanagerin Werthwein bekam auf einmal Fragen, die sonst nie aus einer Kärcher-Abteilung gestellt werden: Aus welchem Material ist der Fußboden? Wird der Boden in der Sonne heiß? „Das weiß ich nicht. Wir haben immer Schuhe an“, musste Werthwein zugeben. Ist das Licht in den überdimensionalen Mohnblumen dimmbar? Wie schaltet man die Wasserfontänen ein und aus? Dürfen wir den Platz tanzend ausprobieren?

Virtuelle Platzbegehung für die Choreografen

Das, zum Beispiel, ging nicht. Denn die Coronaregeln sind auch auf einem Werksgelände streng. Werthwein fand eine Lösung. Der Visitor-Manager von Kärcher ging mit einer Videokamera auf den Platz und filmte im Gespräch via Internet mit Tänzern den Platz und erklärt, was wie liegt und beschaffen ist. Die Tänzer stellten die Plätze in der Tanzakademie nach und entwickelten Choreografien unter dem Thema „Explore Space“ („Erkunde den Raum“). Die Pläne sind schon weit. „Wir werden zwischen den Mohnblumen tanzen, auf dem Wasser, hinter Fensterscheiben vielleicht“, sagt Kathrin Minkov. Die Brücke über die Bahnschienen könnte einbezogen werden. Es ist noch einiges im Fluss und wird abgewogen. Ist es machbar? Ist es coronakonform? Einer der Studenten, so viel lässt sich verraten, ist inspiriert vom Namen Irene-Kärcher-Plaza. Er hat nachgelesen über Irene Kärcher und entwickelt nun eine Choreografie für eine starke Frau.

Die Mohnblumen müssen hinterher genau gleich aussehen wie vorher

Kathrin Minkov ist glücklich, dass sie Kärcher als Partner gewonnen hat, und merkt, welchen Einsatz die Firma fürs Kulturprojekt bringt. Einmal wollte sie hilfsbereit sein und sagte: „Wir desinfizieren alles, was wir berühren, auch die Mohnblumen. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.“ Da hat sie keine Chance. So etwas macht der Reinigungsspezialist Kärcher selber, und zwar so, dass die Oberfläche der Mohnblumen hinterher haargenau so aussieht wie vorher.

Ganz groß kann das Publikum auch im Freien nicht werden

Inzwischen hat Eventmanagerin Werthwein die Coronaregeln kärcherintern abgestimmt, hat herausgeholt, was möglich ist, und hat eingeschränkt, was nötig ist. Es wird keine Massenveranstaltung. Es wird nicht einmal Plätze für die Winnender Minkov-Fans geben. Aber immerhin: 18 Haushalte mit je drei Personen dürfen die Aufführungen sehen. Die Tänzer haben Publikum.

Und die Winnender? Die gehen nicht vollkommen leer aus. Videoaufnahmen sind geplant, und sie sollen ungefähr Mitte Juli ins Internet gestellt werden. Die Abschluss-Aufführung 2021 ist gerettet. Aufführende sind: Antoaneta Bork, Céline Gallée, Fabio Kikaj, Hanna Mayer, Jonas Nothof, Hannah Störzer.

Corona ist die härteste Schule, durch die junge Künstler gehen müssen. Musiker, Schauspieler nutzen jede kleine Chance für einen Auftritt irgendwo vor einer Handvoll Publikum. Sie entwickeln Ideen, verwerfen sie und machen wieder was anderes. Was macht zum Beispiel eine Balletttruppe, wenn die Säle gesperrt sind? Seit Anfang des Jahres stehen die Tänzerinnen und Tänzer der Akademie Minkov vor dieser Frage. Kathrin Minkov, die Managerin der Akademie, machte aus dem Problem eine

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