Winnenden

Die Bahn schreddert ihr altes Betondach in Winnenden: Was kommt danach?

Bahnhof Winnenden
Der letzte Tag des Bahnhofsdachs: Am Donnerstag knackten Baggerbrechzangen den Beton. © Benjamin Büttner

Alle waren vorgewarnt. Die Bahn hatte eine Pressemitteilung geschickt, die von der Winnender Zeitung auch weiterverbreitet wurde. Trotzdem: Dass es am Donnerstagmorgen so ruinenartig aussehen würde am Haupteingang des Winnender Bahnhofs, hatte man nicht erwartet. Rostiger Betonstahl biegt aus der angenagten Betondecke. Eisenstäbe stehen quer und verbogen von der restlichen Decke ab. Vor dem Bahnhof rattert ein dicker Abrissbagger und von den Gleisen her kommen zwei weitere mit Brechzangen an den Baggerarmen. Das ist nicht nur eine Sanierung, wie sie gerade am Parkhaus Wiesenstraße läuft. Das ist ein Abbruch. So, wie die Bauarbeiter am Donnerstag rangingen, wird bis Ende nächster Woche nichts mehr übrig sein von dem vertrauten Flachdach aus Beton, unter dem jahrzehntelang täglich einige Hundert Winnender durchgingen, um zur S-Bahn zu gelangen oder um nach Hause zu gehen.

Stabiler Beton: Der Abbruchbagger hat es schwer

Das Dach ist nichts Besonderes: Eine Betonplatte, die zwischen dem historischen Bahnhof und dem Zeitungskiosk vor Jahrzehnten eingezogen wurde, um den Zugang zur Unterführung und zum Gleis 1 abzudecken. Stabil haben die Baufachleute damals gebaut. Eine dicke Betonschicht über starken Stahlstäben und in der Mitte ein paar Pfeiler, die die schwere Platte stützen. Am Donnerstagvormittag sind die Abbrucharbeiter von beiden Seiten etwa einen Meter vorgerückt am Dach. Alleine der Abbruch wird also vermutlich Tage dauern.

Leichtes Dach: Die neue Konstruktion

Wenn alles abgerissen ist über dem Eingang zur Unterführung, wird ein neues Dach aufgebaut – so viel war am Donnerstag schon zu erfahren. Im direkten Gespräch mit Bauarbeitern kam heraus, dass es ein leichtes Dach aus Aluminium-Sandwichplatten werden soll. Weitere Informationen sind bei der Bahn-Pressestelle angefragt und sollen nächste Woche an unsere Zeitung gehen.

Keine Schönheit: Das alte Bahnsteigdach

Das Eingangsdach ist eines der Abrissprojekte. Das nächste ist das Dach am Bahnsteig für Gleis 1. Es ist bereits weg. Falls sich noch jemand an das Dächle erinnert: Eine Schönheit war es nicht. Als Träger dienten an der Wand befestigte Stahlgerippe, und das eigentliche Dach bestand aus gewellten Faserzementplatten. Wir wissen im Augenblick nicht, was die Bahn als Ersatz dafür vorgesehen hat, sind aber ziemlich sicher, dass es nur schöner werden kann. Gleis 1 wird selten angefahren, deshalb fällt diese Dacherneuerung dort nicht so sehr auf wie der große Abbruch bei der Fußgängerunterführung. Auffällig ist aber der Bagger, mit dem die Firma das Dach langsam abbaut: Er fährt mit Schienenrädern auf Gleis 1 hin und her, damit er mit seinem Baggerarm an alle Teile gelangt.

Aufzug steht: Ist eine Mäusefamilie schuld?

Der klassische Bahnfahrer, der morgens zu seiner S-Bahn möchte, wird jetzt umgeleitet und von der Unterführung weggeschickt zum Aufzug und zur Fußgängerbrücke, die zwischen Bahnhof und Feuerwehrmuseum über die Bahngleise führt. Diese Umleitung funktioniert ganz passabel, solange man keine schweren Koffer, keinen Kinderwagen, keinen Rollator und keinen Rollstuhl hat. Dafür bräuchte man dringend den Aufzug. Aber der war am Donnerstagmittag zumindest immer noch kaputt, was schon seit etlichen Tagen bekannt ist. Es gibt allerdings Hoffnung: Am Donnerstag haben mehrere Monteure der Aufzugsfirma den Schaltkasten gründlich untersucht und eine Hauptfehlerquelle entdeckt: Eine Mäusefamilie, die irgendeinen Zugang in den Stromkasten gefunden oder freigebissen und sich dort eingenistet hat. Was die Mäuse alles angerichtet haben, lässt sich schwer sagen. Die Techniker fanden auf jeden Fall heraus, dass die Notstromakkus im Aufzugschaltkasten keinen Strom mehr liefern und dass es dadurch zu Störungen kommt. Die Techniker waren am Donnerstag zuversichtlich, dass sie alle Fehlerquellen finden und der Aufzug bald, vielleicht schon am Freitag, wieder laufen wird, so dass der Umweg über die Brücke wieder barrierefrei würde. Die Unterführung soll noch bis Mitte März gesperrt bleiben. Zurzeit renoviert die Bahn gerade die Dächer der Bahnhöfe von Waiblingen (bereits fertig), Neustadt-Hohenacker und Winnenden, und sie rechnet mit Gesamtausgaben von 6 Millionen Euro.

Alle waren vorgewarnt. Die Bahn hatte eine Pressemitteilung geschickt, die von der Winnender Zeitung auch weiterverbreitet wurde. Trotzdem: Dass es am Donnerstagmorgen so ruinenartig aussehen würde am Haupteingang des Winnender Bahnhofs, hatte man nicht erwartet. Rostiger Betonstahl biegt aus der angenagten Betondecke. Eisenstäbe stehen quer und verbogen von der restlichen Decke ab. Vor dem Bahnhof rattert ein dicker Abrissbagger und von den Gleisen her kommen zwei weitere mit Brechzangen an

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper