Winnenden

Die Flagge der Heimat

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Die ausländischen Schüler gestalten innerhalb einer Projektwoche Flaggen ihrer Heimatländer. © Leonie Kuhn

Winnenden. Ein beißender Geruch liegt in der Luft. Schon beim Betreten des Schulhofs der Robert-Boehringer-Schule riecht man die Chemie aus den Spraydosen. Die Kinder tragen aus diesem Grund Schutzmasken, während sie völlig in ihre Arbeit vertieft sind. Sie sitzen in der Hocke vor Plakaten und besprühen sie in den buntesten Farben. Ein neues Kunstprojekt hat begonnen.

Video: Die Schüler malten Flaggen in ihrer Projektwoche.

Aber was genau passiert hier? Es entstehen Flaggen. Die Flaggen der Länder, aus denen die Jugendlichen stammen, 14 verschiedene an der Zahl. „Das zeigt, dass ihre Nationalität nicht vergessen und anerkannt wird“, erklärt Monika Veit. Sie ist von der Stadtjugendmusik- und Kunstschule und hat zusammen mit ihrer Kollegin Ursula Mosesku und der Vorbereitungsklasse am Montag ein neues Projekt aufgezogen. Es läuft bis Freitag.

Die ausländischen Kinder und Jugendlichen, die auf deutschen Unterricht gesondert vorbereitet werden, drehen in dieser Woche auch ein Video mit dem Titel: „Wo ist Tamieh?“ Tamieh ist eine fiktive Person, so erklärt die Kunstlehrerin Monika Veit, und nach dem Sprayen der eigenen Flagge denken sich die Jugendlichen eine für das Herkunftsland von Tamieh aus. Ein Junge legt seins zum Trocknen auf eine Bank: ein hellblauer Hintergrund und in der Mitte mit Pfeilen verbundene Herzen.

Die fiktive Person Tamieh wird in ganz Winnenden gesucht

In einer Woche soll Tamieh von den Kindern gefunden werden. Gesucht wird in der Natur, es werden Passanten gefragt, im Krankenhaus, Rathaus und der Bücherei. Die Kinder besuchen eine Moschee, die katholische und evangelische Kirche und prüfen, ob Tamieh irgendwo zu entdecken ist. Sie filmen mit ihren Handys und Lehrerin Mosesku mit einer Kamera. „Ziel dieses besonderen Projekts ist es, dass sich die Kinder an das Gefühl von Heimat herantasten. Für die Schüler der internationalen Klasse ist das Thema Heimat sehr interessant und wichtig“, sagt Monika Veit. „Heimat kann ja so vieles sein. Ein Geruch, eine Erinnerung oder sonst was.“

Die Lehrerinnen freuen sich auf die Woche: „Es ist offen, wie es sich entwickelt, und die Kinder machen alles selber, wir stecken nur das Gerüst ab.“

Am letzten Drehtag sind auch die Eltern eingeladen

Am Freitag gibt es ein Abschlussfest, bei dem das Geheimnis um Tamieh gelüftet wird. Dabei werden die letzten Sequenzen für das Video gefilmt, das in den Weihnachtsferien zusammengeschnitten wird.

„Die Eltern bringen Speisen aus den verschiedenen Nationen mit und können sich austauschen und begegnen“, sagt Monika Veit. Sie wollen auch bei den Eltern ein neues Heimatgefühl wecken. „Heimat ist so viel, aber wir finden sie doch letztendlich in den Menschen“, sagt Veit. Die Flaggen, die die Kinder heute gesprüht haben, werden am Freitag im Raum aufgehängt, damit dieser etwas festlicher und auch international wirkt, erklärt die Kollegin Ursula Mosesku.

Kinder sollen Interesse füreinander entwickeln

Die Idee für das Projekt kam den Kunstlehrerinnen, als ihnen von der Landesstiftung für kulturelle Jugendbildung Fördergelder für Videoprojekte angeboten wurden. „Wir arbeiten ja schon länger mit Vorbereitungsklassen der Stöckachschule zusammen. Und dieses Projekt wollten wir dann mit den Kindern hier machen, auch weil sie ein bisschen älter sind“, erklärt Monika Veit.

Sie hofft, dass die Kinder durch das Projekt Interesse füreinander entwickeln. „Sie sollen bei den Ausflügen neue Ecken kennenlernen. Die wollen wir mit ihnen zusammen entdecken.“

Vorbereitungsklasse

In der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule gibt es zwei Vorbereitungsklassen.

Die ausländischen Kinder und Jugendlichen sind mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen und erhalten anfangs gesonderten Unterricht.