Winnenden

Die Frage nach dem Glück - Gedanken von Pfarrer Gruhn aus Winnenden

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Symbolbild. © Laura Edenberger
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Pfarrer Gruhn. © privat

Winnenden.
Wie werde ich glücklich – oder zumindest zufrieden? Liebe Leserinnen und Leser, diese Frage nach dem Glück im Leben wird mir bei meiner Arbeit als Psychiatrieseelsorger häufig gestellt. Oft halten die mich ansprechenden Patientinnen oder Patienten im Redefluss kurz inne und verändern die Frage und sagen: „wenigstens Zufriedenheit“.

Nun weiß auch ich keinen Königsweg zum Glück und zur Zufriedenheit. Gleichwohl ist die Frage gut gestellt. Oft findet sie im daraufhin erfolgenden Gespräch eine Antwort. Wiederum auch keine Antwort in der Gestalt wie die anfängliche Frage es vielleicht beabsichtigt hatte. Eine geradlinige Antwort, von der die Fragenden beim Formulieren ihrer Frage schon wissen, dass es eine Antwort darauf so geradlinig gar nicht gibt.

Wenn es auf die Frage nach Glück und Zufriedenheit nicht gerade heraus, sondern über Kurven, Schleifen und Umwege nur Antwort gibt, welcher Art der Antwort ist es dann? Es ist der Umweg über das Kreuz im Leben eines Menschen. Es ist nicht das Kreuz Jesu, dessen die Christenheit am morgigen Karfreitag gedenkt. Doch das Kreuz Jesu erinnert mich, und es kann jeden Menschen daran erinnern, dass Erfahrungen von Konflikten, Gewalt, Unrecht, Verletzungen, Erfahrungen von all dem, was wir Menschen als böse erfahren, dass dieses ebenso ein Teil unseres Lebens ist.

Gespräche mit Patientinnen und Patienten nehmen oft dort eine Wende, wo Menschen diese Kreuzeserfahrungen in ihrem Leben anerkennen können. Viele Menschen bleiben jedoch lieber dem Wunsch treu, ihr Kreuz gäbe es nicht. Wie gut es gelingt, das eigene Kreuz im Leben zu akzeptieren, weil es ja nicht auszuradieren möglich ist, so gut sind die Chancen, einen Weg zum eigenen Glück und zur Zufriedenheit zu finden.

Pfarrer Andreas Gruhn ist in der Evangelischen Klinikseelsorge am Klinikum Schloss Winnenden tätig.