Winnenden

Die Freundschaft nach der Flut: Wie ein Winnender Ehepaar im Ahrtal hilft

Marienthal Ahrtal
Eine Häusergruppe südöstlich von Marienthal nach der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021. © euroluftbild.de/Klaus Göhring

Wassermassen, Schuttberge, zerstörte Existenzen: Als Petra und Bernd Pfeiffer aus Höfen im Juli des vergangenen Jahres ihren Fernseher einschalten, wird ihnen bewusst, welche Katastrophe im Ahrtal geschehen ist. „Es lief das Morgenmagazin und wir haben die schlimmen Bilder gesehen“, erinnert sich Bernd Pfeiffer. Sofort sagt er zu seiner Frau Petra: „Wir müssen etwas tun.“

Über ein Jahr nach der Flut haben die Pfeiffers noch immer Kontakt zu Betroffenen und fahren in Kürze wieder in das Gebiet. Sogar Freundschaften sind entstanden.

Zur Weinlese ins Ahrtal

Nachdem Bernd und Petra Pfeiffer die Bilder rund um das Weingut Klosterhof Gilles in Marienthal (Landkreis Ahrweiler) im vergangenen Jahr gesehen haben, nehmen sie umgehend Kontakt auf. „Wir haben mit Benno Gilles telefoniert. Er meinte damals allerdings, dass sich schon sehr viele Helfer gemeldet haben, vorerst kein Bedarf besteht“, so Bernd Pfeiffer. Aber: Da die Pfeiffers sich im Weinbau auskennen, bieten die Winnender auch hier Hilfe an.

Tatsächlich kommt wenig später die Nachricht aus Marienthal, dass man gerne auf die Unterstützung zurückgreifen würde. Also fahren die Pfeiffers vor circa einem Jahr zur Weinlese ins Ahrtal. „Wir haben uns unter anderem um die Vorlese gekümmert, also dass es die Weinleser später einfacher haben“, erzählt Bernd Pfeiffer.

Vor Weihnachten über 100 Tüten gepackt

Auch einen Transporter haben sie gepackt und Hilfsgüter ins Ahrtal gefahren, unter anderem Trocknungsgeräte. Statt einen Tag, wie damals die meisten Helfer, bleiben die Winnender eine Woche vor Ort.

Auch nach dem Einsatz steht das Ehepaar mit den Flutgeschädigten in Kontakt. Ende des vergangenen Jahres erreicht sie ein Anruf von Dorothea Gilles: Das Haus der Familie ist nicht mehr zu retten. „Sie war in einem richtigen Tief. Wir haben überlegt, wie wir sie ein wenig aufmuntern können“, erzählt Petra Pfeiffer.

Schließlich packt sie gemeinsam mit Freunden über 100 Weihnachtstüten. Inhalt: Schokolade, Plätzchen, Orangen und Co. Auch Geld sammeln sie. Zahlreiche Winnender Firmen und auch Privatpersonen haben sie dabei unterstützt. Die Pfeiffers bezeichnen die Solidarität der Winnender als „überwältigend“ und „grandios“. Von der Familie Gilles bekommen Bernd und Petra Pfeiffer die Info, wo die Not am größten ist, können gezielt unterstützen.

Als das Ehepaar die Tüten schließlich verteilt, ist die Freude bei den Flutgeschädigten riesig. „Gerade auch bei älteren Menschen“, hat Petra Pfeiffer festgestellt.

Zerstörung, Tränen, Dankbarkeit

Generell seien die Eindrücke der Hilfseinsätze unvorstellbar: Von all der Zerstörung, dem Tod, Menschen, die erzählen, wie sie über Stunden in Bäumen ausharrten, bis hin zu Bundespolizisten, die beim Anblick der Hilfsgüter in Tränen ausbrechen.

„Dass aus unserer Unterstützung eine Freundschaft zur Familie Gilles entsteht, damit hätten wir vor einem Jahr niemals gerechnet“, sagt Petra Pfeiffer. Beim Besuch der Zeitung wählt sie die Nummer von Dorothea Gilles. „Wir geben Gas und machen Fortschritte“, erzählt diese am Telefon. Das sei allerdings längst nicht überall so. Sie berichtet von einer Person, bei der nach wie vor die Fenster am Haus fehlen. Die Frau aus dem Landkreis Ahrweiler erzählt außerdem, dass die Familie sich neulich frisch mit Besteck ausgestattet habe, etwa mit großen Löffeln für Salate, die seit der Flut gefehlt hatten.

Die Winnender haben zudem erfahren, dass das Haus der Familie momentan an Fernwärme angeschlossen wird, ein Blockheizkraftwerk entsteht. Aber: Bis alles wieder aufgebaut ist, werden noch Jahre vergehen. „Wenn man mit offenen Augen durch das Gebiet fährt, dann sieht man trotz der Aufbauarbeiten an vielen Stellen das Ausmaß der Flut. Es ist unvorstellbar“, erzählt Bernd Pfeiffer.

Mitte des Monats wird das Ehepaar aus Winnenden wieder für einige Tage nach Marienthal fahren, der Familie Gilles bei der Weinlese helfen und dort anpacken, wo es sonst noch nötig ist. Die Winnender sind dann zum vierten Mal vor Ort. Bernd Pfeiffer ist fasziniert vom Willen der Familie Gilles, die ihr Weingut nicht aufgeben will. Ebenso will auch das Ehepaar aus Höfen weiter unterstützen. „Wir helfen so lange, bis uns jemand sagt, dass niemand mehr gebraucht wird“, versichert Petra Pfeiffer.

Spendenmöglichkeit

Am Telefon erzählt Dorothea Gilles, dass keine Sachspenden mehr vor Ort benötigt werden. Es gehe nun eher darum, spezifischer und individueller auf die Bedürfnisse der Geschädigten einzugehen. Daher helfen den Betroffenen Geldspenden. Das Ehepaar Pfeiffer hat bereits im vergangenen Jahr ein Spendenkonto eingerichtet: „Initiative Marienthal-Dernau“, IBAN: DE05 6025 0010 1200 9018 74 (Kreissparkasse Waiblingen).

Wassermassen, Schuttberge, zerstörte Existenzen: Als Petra und Bernd Pfeiffer aus Höfen im Juli des vergangenen Jahres ihren Fernseher einschalten, wird ihnen bewusst, welche Katastrophe im Ahrtal geschehen ist. „Es lief das Morgenmagazin und wir haben die schlimmen Bilder gesehen“, erinnert sich Bernd Pfeiffer. Sofort sagt er zu seiner Frau Petra: „Wir müssen etwas tun.“

Über ein Jahr nach der Flut haben die Pfeiffers noch immer Kontakt zu Betroffenen und fahren in Kürze wieder in

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