Winnenden

Die größten Probleme bei Kärcher: Fachkräftemangel, Inflation und Corona

Kretschmann Kärcher
Kärcher-Mitarbeiter Dominik Scholl (rechts) erklärt Ministerpräsident Winfried Kretschmann, wie er dafür sorgt, dass der „FC7“, ein Bodenreiniger, nicht zu viel Lärm verursacht. Johannes Kärcher, Norbert Sailer, Hartmut Jenner und Hartmut Holzwarth (von links) lauschen gespannt. © Gabriel Habermann

Der grüne Ministerpräsident fährt in einer schwarzen, schwäbischen Limousine vor, mit E-Kennzeichen natürlich. Winfried Kretschmann (74) hat am Mittwochnachmittag die Firma Kärcher in Winnenden besucht. Er ließ sich vom Vorstandsvorsitzenden Hartmut Jenner das Firmengelände zeigen, fragte diesen nach seinen „drei größten Problemen“ und ließ sich innovative Reinigungsgeräte zeigen. Sein eigenes obligatorisches Mitbringsel, einen „Leitfaden für ein naturnahes Betriebsgelände“, kommentierte der Landesvater angesichts der großen Bemühungen Kärchers um Nachhaltigkeit und Naturschutz mit den Worten: „Da trage ich Eulen nach Athen.“

Aufsichtsratsvorsitzender Johannes Kärcher und CEO Jenner sowie eine Delegation aus dem Winnender Rathaus – Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth und seine beiden Bürgermeister Norbert Sailer und Jürgen Haas – hatten Kretschmann am Mittag auf dem Firmengelände empfangen. Zuvor hatte der Ministerpräsident schon dem Weltunternehmen von nebenan, Stihl in Waiblingen, einen Besuch abgestattet.

Beim Reinigungsriesen war Kretschmann 2003 schon einmal zu Gast gewesen, wie sich Hartmut Jenner erinnerte, vor fast 20 Jahren also, damals noch auf dem alten Gelände. Viel hat sich seither getan: Inzwischen hat Kärcher fast 15.000 Mitarbeiter weltweit und im Jahr 2021 die Umsatzmarke von drei Milliarden Euro geknackt.

Kretschmann will wissen: „Was sind aktuell Ihre drei größten Probleme?“

Wie alle Unternehmen muss auch der Winnender Weltmarktführer turbulente Zeiten überstehen. „Was sind aktuell ihre drei größten Probleme?“, wollte der Ministerpräsident bei seinem Besuch vom Top-Unternehmer wissen. Jenner zählte auf: der Fachkräftemangel, nicht nur in Deutschland, sondern international, zum Beispiel in der IT; die Inflation, gepaart mit Lieferschwierigkeiten beim Material: „Die Preise steigen so kurzfristig, die können Sie nicht an den Markt weitergeben“; hinzu kämen noch die Corona-Krise, in China aktuell wieder mit Lockdowns, und der Krieg in der Ukraine.

Ob Kärcher denn auch von der Gasknappheit betroffen sei, wollte Kretschmann wissen: nur indirekt, weil viele Zulieferer betroffen seien, so Jenner, der Gaseinsatz bei Kärcher selbst sei relativ gering.

Reinigungsroboter, leise Putzgeräte und recycelter Kunststoff

Nach einer Präsentation über die Firmengeschichte und aktuelle Entwicklungen ließ sich Winfried Kretschmann von Hartmut Jenner und Johannes Kärcher durch die Firma führen. Kärcher-Mitarbeiter präsentierten dem Landesvater im „Experience Center“ Innovationen wie die vollautonome Scheuersaugmaschine KIRA B 50. Der Reinigungsroboter ist ausgestattet mit leistungsstarken Sensoren und Laserscannern und navigiert selbstständig zum Beispiel durch Supermarktflure.

Außerdem ließ sich Kretschmann vorführen, wie Ingenieure bei Kärcher mit Hilfe einer akustischen Kamera die Lautstärke eines Bodenreinigungsgeräts optimieren. Daniel Manocchio, der Leiter des Materiallabors bei Kärcher, erklärte dem Ministerpräsidenten, wie das Winnender Unternehmen beim Kunststoff auf Recycling setzt – indem es zum Beispiel Industrieabfälle, unter anderem überschüssiges Airbag-Material, zu Kunststoffgranulat verarbeitet, das sich schließlich in Griffen, Schalen oder Kappen von Hochdruckreinigern und Co. wiederfindet.

Vorschlag Kretschmann: Geräte recyceln

Ob denn nicht die eigenen Produkte irgendwann in diesen Kreislauf zurückgeführt werden könnten, wollte Kretschmann wissen, ob also aus alten Geräten wieder neue entstehen könnten. Einzelne Firmen könnten das nicht leisten, so Hartmut Jenner, dazu brauche es die staatliche Organisation unter dem „Grünen Punkt“.

Was Kärcher alleine schafft: Biotope pflegen. Ein 23.000 Quadratmeter großes befindet sich auf dem Firmengelände. Hier siedeln bedrohte Feuerfalter, Zauneidechsen und Wechselkröten. Bei der Besichtigung gelangte Winfried Kretschmann schließlich zu der eingangs beschriebenen Erkenntnis, mit seinen Tipps für ein „naturnahes Betriebsgelände“ wohl „Eulen nach Athen“ getragen zu haben.

Der grüne Ministerpräsident fährt in einer schwarzen, schwäbischen Limousine vor, mit E-Kennzeichen natürlich. Winfried Kretschmann (74) hat am Mittwochnachmittag die Firma Kärcher in Winnenden besucht. Er ließ sich vom Vorstandsvorsitzenden Hartmut Jenner das Firmengelände zeigen, fragte diesen nach seinen „drei größten Problemen“ und ließ sich innovative Reinigungsgeräte zeigen. Sein eigenes obligatorisches Mitbringsel, einen „Leitfaden für ein naturnahes Betriebsgelände“, kommentierte der

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