Winnenden

Die Häuser mit günstigen Mietwohnungen in Höfen gefallen nicht allen im Gemeinderat

Ortsmitte Höfen
Das Baugrundstück Ecke Unterweiler und Winnender Straße in Höfen, an dem der Nachbar, Korbmacher Ivan, seine Waren ausstellt. © Gabriel Habermann

Auf einem Grundstück der Stadt Winnenden an der Winnender Straße im Teilort Höfen werden vom nächsten Frühjahr an 16 neue Mietwohnungen gebaut, deren Mietpreise 33 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Die Stadträte im Technischen Ausschuss des Gemeinderats erteilten für die Baupläne das erforderliche Einvernehmen – doch der Zuspruch für das Projekt der Kreisbaugesellschaft war nicht einhellig. Zwei Stadträte enthielten sich der Stimme, eine Stadträtin stimmte mit Nein. Was ist da los, wie muss man das einordnen?

Der Leiter des Stadtentwicklungsamts, Markus Schlecht, berichtet auf Nachfrage unserer Zeitung aus der Diskussion: „Die Objektplanung für zwei Mehrfamilienhäuser hat nicht alle Gemeinderäte restlos überzeugt.“ Einzelne kritisierten die Größe der beiden Baukörper, die sie für eine dörfliche Ortsmitte wie in Höfen für „nicht passend dimensioniert“ halten, schreibt Schlecht in einer E-Mail. Auch die schlichte Fassade mit „kleinen, stehenden Fensterformaten“ entspreche nicht der erwarteten „ortsbildtypischen Ansicht“.

Fassade und Fenster zu schlicht

Gegen das Bauvorhaben wandte sich fast niemand, aber die Sprecher hätten sich doch gewünscht, dass ein bisschen mehr Wert auf Architektur- und Formensprache gelegt worden wäre. So entstehe nun eine für den sozialen Wohnungsbau typische minimalistische Fassade.

Für das 1400 Quadratmeter große Grundstück, das aus vielen einzelnen Haus- und Grundstückskäufen durch die Stadt über Jahre entstanden ist, sucht die Verwaltung zunächst einen Käufer, der darauf 75 Prozent der Wohnungen als Sozialwohnungen erstellt, die die Stadt mit Mietern belegen darf, die einen reduzierten Mietpreis bezahlen. Auf dieses Modell stieg niemand ein.

Dass das Tochterunternehmen der Stadt, die Stadtbau, hier selbst tätig wird, wurde aber auch nicht weiter in Erwägung gezogen.

Vor über einem Jahr dann erhielt die Kreisbaugesellschaft von der Stadt den Zuschlag für diese Variante: Die Kreisbau erhält das Grundstück 50 Jahre lang im Erbbaurecht, zahlt dafür weder Kaufpreis noch Pacht. „Die Stadt hat ein Belegungsrecht für alle 16 Wohnungen für die ersten 30 Jahre. Damit kann sie im Einvernehmen mit der Vermieterin die Mieter für die jeweils freie Wohnung vorschlagen“, so Schlecht. Das vor Jahren eingeschlagene Ziel „mehr bezahlbare Wohnungen in Winnenden“ wird also endlich greifbar, und auch, wenn die Kreisbau fürs Grundstück nichts bezahlt. Sie investiert mit 4,8 Millionen Euro Baukosten ein ordentliches Sümmchen. Schließlich befindet sich unter den beiden Häusern eine Tiefgarage mit 16 Stellplätzen, die oberirdisch Platz spart für Grünflächen und sogar einen kleinen Kinderspielplatz, aber vergleichsweise viel teurer ist als oberirdische Stellplätze. Gleichwohl werden Landeszuschüsse für die günstigen Wohnungen die Kreisbau-Kosten letztlich mindern.

Was ist eine günstige Wohnung?

Als „bezahlbar“ gelten Wohnungen übrigens, wenn Mieter nicht mehr als ein Drittel ihres Haushaltseinkommens fürs Wohnen ausgeben müssen. Derzeit muss man für Neubauten 10 bis 12 Euro für den Quadratmeter rechnen, für die geförderten Wohnungen sollten also nur 6 bis 8 Euro für den Quadratmeter anfallen.

Apropos Tiefgarage, auch die Zufahrt von der Winnender Straße aus war nicht unumstritten im Technischen Ausschuss. Markus Schlecht erklärt den Vorteil: Damit sind Steigung und Länge der Zufahrtsrampe minimal. „Die Autofahrer müssen sich, wie bei jeder Ausfahrt, auf die öffentliche Verkehrsfläche vortasten.“ Die Alternative, eine Zu- und Abfahrt in der Unterweiler Straße zur Tiefgarage, sei mit einer entsprechend längeren Rampe verbunden und müsste an der seitlichen Grundstücksgrenze geführt werden, was der Bauherrin ungünstig erscheint. Also bleibt's beim geplanten Vorschlag.

Die Kreisbau hat zwei rechteckige Mehrfamilienhäuser versetzt zueinander geplant. Jedes Haus enthält acht Wohnungen, deren Größen von einem bis vier Zimmer variieren.

Wann werden die Häuser fertig?

Da für das Grundstück kein Bebauungsplan vorliegt, hatte das Baurechtsamt die Pläne lediglich danach zu beurteilen, ob sich das Vorhaben in die nähere Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. Dies ist aus Sicht der Stadtplanung gegeben, es sei im Rahmen dessen, was in der direkten und sogar der weiteren Umgebung zu finden sei. Auch die gesetzlichen Abstandsflächen werden allesamt eingehalten, und zwar auf dem eigenen Grundstück.

Die direkten Nachbarn hat das Baurechtsamt begonnen anzuhören, Einwendungen liegen bislang nicht vor.

Die Kreisbaugesellschaft kann auf Nachfrage unserer Zeitung nicht genau sagen, wann sie mit dem Bau beginnen kann, da der Bauantrag eingereicht ist, die Baugenehmigung jedoch noch nicht vorliegt. „Wir planen mit Baubeginn im Frühjahr 2021“, heißt es. Frühestens anderthalb Jahre später, im Herbst 2022, könnten dann wohl die ersten Mieter einziehen.

Die Stadt hat noch ein weiteres Instrument geschaffen, damit bei größeren Neubauten auch ein Anteil Sozialwohnungen entsteht - oder die Stadt Geld für deren Bau erhält. Das Handlungskonzept Soziales Wohnen. Lesen Sie mehr:

Auf einem Grundstück der Stadt Winnenden an der Winnender Straße im Teilort Höfen werden vom nächsten Frühjahr an 16 neue Mietwohnungen gebaut, deren Mietpreise 33 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Die Stadträte im Technischen Ausschuss des Gemeinderats erteilten für die Baupläne das erforderliche Einvernehmen – doch der Zuspruch für das Projekt der Kreisbaugesellschaft war nicht einhellig. Zwei Stadträte enthielten sich der Stimme, eine Stadträtin stimmte mit Nein. Was

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