Winnenden

Die Hintergründe zur Polizeimeldung aus Leutenbach

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Leutenbach. Ein 19-Jähriger hat seine vier Jahre jüngere, noch nicht volljährige Freundin in der Nacht auf vergangenen Montag in Leutenbach ans Steuer eines Autos gelassen und fahren lassen.

Gegen 0.30 Uhr fiel das Auto einer Polizeistreife in der Hans-Paul-Kaysser-Straße auf, weil die Nebelschlussleuchte in Betrieb war, obwohl es nicht nebelig war. Die Polizei stoppte das Auto deshalb. „Nach dem Anhalten versuchte die Autofahrerin, sofort mit dem Beifahrer die Sitze zu tauschen“, heißt es im Einsatzbericht. „Bei der Kletteraktion im Auto war jedoch die Handbremse wohl nicht angezogen, weshalb das Auto zurückrollen konnte und den Streifenwagen leicht beschädigte. Die 15-jährige Autofahrerin muss sich nun wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis strafrechtlich verantworten.“

Es kommt auf die richterliche Entscheidung an, wie die Jugendstrafe gegen die 15-Jährige aussehen wird. „Das wird wohl ganz individuell, je nach Hintergrund der Angezeigten festgelegt werden“, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums. Möglich wäre eine Führerscheinsperre. Ob diese, falls ausgesprochen, jedoch bis zum 17. oder gar 18. Lebensjahr der heute 15-Jährigen dauert, ist eher unwahrscheinlich. Sollte sie nicht vorbestraft sein, wird sie wohl glimpflicher davonkommen und ihren Führerschein trotz dieses jugendlichen Fehltritts ab 17 machen dürfen. Aber das sind alles Spekulationen.

Freiheits- oder Geldstrafe

Ermittlungsarbeit kommt auf die Polizei noch bezüglich des 19-jährigen Freundes zu. Denn strafbar macht sich gemäß § 21 (Abs. 1., Satz 2) des Straßenverkehrsgesetzes nämlich „nur“, wer als Fahrzeughalter jemanden ohne Fahrerlaubnis fahren lässt. Im Gesetz sind dafür eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe vorgesehen.

Das Auto ist nach Informationen dieser Zeitung versicherungstechnisch auf die Mutter zugelassen. Ob der 19-Jährige der tatsächliche Fahrzeughalter ist, wird davon abhängen, ob er regelmäßig die Kosten für den Gebrauch (Benzin, Wartung) trägt. Ist die Mutter die tatsächliche Halterin, wird es darauf ankommen, ob sie davon gewusst hat, dass die 15-jährige Freundin ihres Sohnes mit dem Auto fährt, und wenn ja, ob ihr das nachgewiesen werden kann.

Immer wieder illegale private Fahrstunden

Der Schaden am Streifenwagen scheint gering zu sein. „Jedenfalls geringer als an dem Auto“, so ein Polizeisprecher. Es besteht die Möglichkeit, dass die Versicherung nach Zahlung der Schadensbehebung den oder die Fahrzeughalterin in Regress nehmen wird.

Die Polizei erwischt im Rems-Murr-Kreis immer mal wieder junge Leute beim Fahren ohne Fahrerlaubnis. Illegale private Fahrstunden scheinen bei vielen als Kavaliersdelikt verstanden zu werden. „Manche erwischt dann eben die Polizei und sie werden bestraft, manche bauen aber auch schlimme Unfälle und gefährden andere“, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen.