Winnenden

Die Interims-Leiterin der Stadtbücherei

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Mag das Ordnen und Recherchieren: Büchereileiterin Ulrike Höllwarth. © Habermann / ZVW

Winnenden. Die neue Interims-Leiterin der Stadtbücherei heißt Ulrike Höllwarth und ist ein Leutenbach-Winnender Gewächs. Mit einer halben Stelle, Humor und Vertrauen in die Fähigkeiten der anderen sechs Mitarbeiterinnen hat die 30-Jährige Gefallen an der Tätigkeit in einer Publikums-Bibliothek mit 38 000 Büchern gefunden.

Eine Bibliothek mit 8000 Titeln hat Ulrike Höllwarth im Studium aufgebaut, darüber ihre Masterarbeit geschrieben und den Teilzeitjob an der privaten Macromedia-Hochschule danach in eine feste Stelle verwandeln können. „Ich bin in Bad Cannstatt eine One-Person-Library“, verwendet sie lachend den Fachbegriff. Vor einem Jahr bekam sie ihr zweites Kind und ging (wieder) in Elternzeit. Trotzdem arbeitet sie jetzt in Winnenden. „Es war wie Schicksal, dass ich eine Kollegin in der Backnanger Stadtbücherei besuchte und sie mich auf diese Stelle aufmerksam machte.“ Was für andere unattraktiv war, war der 30-Jährigen gerade recht: eine befristete Teilzeitstelle. „Mein Arbeitgeber hat zugestimmt und mein Mann arbeitet auch nur 50 Prozent“, erklärt sie die ungewöhnliche Konstellation, durch die sie Kinder betreuen und zugleich Erfahrung als Büchereileiterin sammeln kann.

Ulrike Höllwarth lebt inzwischen in Schorndorf. Aufgewachsen ist sie als Ulrike Hartung in Leutenbach und Winnenden. Sie besuchte den Kindergarten in Weiler zum Stein, die Grundschule in Nellmersbach, das Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden und das Berufskolleg für Gesundheit und Pflege in Backnang. Eng befreundet war sie mit der Tochter von Roland und Doris Dörr, vom früheren Kulturamtsleiter und der immer noch aktiven Büchereimitarbeiterin. Es scheint, dass hier eine Spur in Winnendens größte Bücher- und Zeitschriftensammlung gelegt wurde.

In der Jugend war sie leidenschaftliche Leichtathletin

Ab ihrem elften Lebensjahr galt die Leidenschaft der Ulrike Hartung jedoch zunächst der Leichtathletik. „Ich war öfter Kreismeisterin und ein paarmal Bezirksmeisterin“, erzählt sie lachend, fast ein wenig widerstrebend. „Ich brüste mich nicht damit, aber 50-Meter-Lauf war meine beste Disziplin, im Kugelstoßen war ich auch nicht schlecht, wahrscheinlich mangels Konkurrenz“, lässt sie sich noch entlocken. Ein Kreuzbandriss, den sie sich beim zusätzlich begonnenen Handballtraining zuzog, beendete ihre Sportkarriere jäh.

„Nach der Schule habe ich nicht gewusst, was ich machen soll, und erst einmal bei H&M gejobbt.“ Kleider verkaufen, zusammenlegen, aufhängen, Käufer beraten – „meine Professoren waren später begeistert, was ich alles an Kundendiskussionen erlebe“, erzählt sie. Während des Studiums des Bibliotheks- und Informationsmanagements an der Stuttgarter Hochschule der Medien arbeitete sie bei H&M weiter, um die damals erhobenen Studiengebühren bezahlen zu können. Auch jobbte sie nach einem Praxissemester im Musik- und Filmarchiv des SWR.

In der Stadtbücherei hat sie mehr Verantwortung

Nicht so sehr die Bücher oder das Lesen lockten sie in die Branche, sondern das Ordnen und Recherchieren, das Durchforsten von Datenbanken. An der Macromedia-Hochschule ist sie zwar ihre eigene Chefin und betreut Professoren und Studenten, sie sei aber eher „ein kleines Rädchen im Getriebe“. In Winnenden schätzt sie es sehr, dass ihre Kundschaft sich vom Kind bis zum Rentner zusammensetzt, sie für die Beschaffung von Romanen und einem Teil der Sachbücher zuständig ist und ansonsten mehr Freiheit hat und auch mehr Verantwortung trägt. Sie setzt den engen Kontakt, der am Adlerplatz 3 zum Lesernachwuchs gepflegt wird, fort, macht Klassenführungen wie schon als Studentin und gestaltet die Bastel- und Lesenachmittage wie schon Karin Binder, die sie während deren Elternzeit bis Ende 2016 vertritt.

Durch die Bücherei soll Kaffeeduft wehen

Die Stadtbücherei am Adlerplatz 3 ist in den Osterferien geöffnet, allerdings nicht an Karsamstag, 26. März.

In den Pfingstferien schließt die Einrichtung die kompletten zwei Wochen (17. Mai bis 28. Mai), ist dafür aber die gesamten Sommerferien geöffnet.

Dem Gemeinderat wird demnächst ein Antrag vorgelegt werden auf Gebührenreduzierung für Studenten und Auszubildende. Die bisher nicht ermäßigte Jahresgebühr beträgt 15 Euro. Für die Ausleihe einer DVD fallen für eine Woche zusätzlich 1 Euro an.

Auf Anregung der Interims-Leiterin Ulrike Höllwarth ist geplant, einen Kaffee- und Teeautomaten in der Bücherei aufzustellen.