Winnenden

Die Schokoladenfrau Ulli Maurer ist in der Corona-Krise kreativer als sonst

Maskenrätsel Ulli Maurer
Ulrike Maurer vor ihrer Confiserie an der Marktstraße im Herzen der Stadt. © ALEXANDRA PALMIZI

Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen mit der Maske um? Und was sind ihre Hoffnungen fürs neue Jahr? In Teil 6 der kleinen Serie berichtet Ulrike Maurer. Mehrere Telefonate waren dafür nötig, denn immer wieder kamen Kunden in Ulli’s Confiserie am Marktplatz, die den Rat der Chefin brauchten. Wir sprachen außerdem über die Chancen in der Krise und  ihr Bemühen um Nachhaltigkeit.

„Mit der Maske geht es mir wie so vielen: Meine Brille beschlägt. Aber darüber braucht man nicht jammern“, sagt sie. „Es gibt Leute, die müssen Präzisionsarbeit im Operationssaal leisten mit den Masken im Gesicht“, da käme ihr eine Beschwerde einfach falsch vor. „Ich wechsle ab zwischen Papier- und Stoffmasken, manchmal sind die zum Wegwerfen einfacher zu tragen, manchmal die zum Waschen schöner, eine selbst genähte habe ich sogar geschenkt bekommen.“

Wie wichtig Masken sind, hat Ulli Maurer schon gewusst, bevor eine Mitarbeiterin im Dezember coronapositiv getestet wurde. „Sie war aber schon länger vorher krank und nicht im Laden, von daher ist uns nichts passiert“, sagt die Chefin. Quarantäne im brummenden Weihnachtsgeschäft, das hätte noch gefehlt.

Schoki muss sein: Das Geschäft darf offen haben

„Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich offen haben darf, denn Schokolade, Tee und Kaffee gehören zu den Waren des täglichen Bedarfs.“ Das wurde schon im Frühjahrs-Lockdown rasch geklärt auf landespolitischer Ebene. Zusammen mit dem Zeitungsverlag hat sich Ulli Maurer für die Adventszeit außerdem Weihnachtsmarkt-Pakete ausgedacht, „auch die galt es nebenher noch zu schnüren, und da weitere Mitarbeiterinnen krank waren, musste ich auf alle anderen verfügbaren Kräfte zurückgreifen.“ Auch ihr Sohn hilft derzeit aus, er studiert eigentlich in Innsbruck und steht kurz vor dem Masterabschluss.

In der gläsernen Produktion kann sie sich entspannen

Während des Gesprächs, Ulli Maurer hat jetzt das Handy in der Hosentasche und die Kopfhörer im Ohr, rührt sie die Füllung für ihre frisch gebackenen Macarons, grün, weil mit Pistazie. „Ich bin hier in meiner kleinen gläsernen Manufaktur. Ich habe sie oben auf der Galerie eingerichtet. Die Kunden können mir bei der Produktion zuschauen und sich ein wenig mit mir durch die Scheibe unterhalten“, berichtet sie von einer Idee, die sie im Frühjahr umgesetzt hat. Die Konditormeisterin und studierte Betriebswirtin hat 1993 ihr auf Schokolade und Pralinen spezialisiertes Geschäft am Marktplatz im Wieland-Haus eröffnet. 2007 zog sie ins Finck-Haus. „Ich habe Lust, immer wieder etwas zu verändern“, sagt sie. Der kleine „Showroom“ war ein vergleichsweise großer Schritt. „Hier Schokolade zu gießen, entspannt mich, holt mich runter. Mein Beruf macht mir Spaß“, sagt sie froh. Eine schöne Erkenntnis in diesem schwierigen Corona-Jahr.

„Die Krise hat für mich Möglichkeiten eröffnet, denn unter Druck war ich kreativer als sonst. Wenn dir der Kittel brennt, schiebst du deine Ideen nicht auf die lange Bank, sondern nimmst sie gleich in Angriff.“ Ähnliches beobachtet sie auch bei ihren Einzelhandelskollegen, die derzeit nicht öffnen dürfen: „Die Textiler bringen den Kunden fünf Hosen zur Auswahl nach Hause.“ Was nicht passt oder gefällt, holen sie am nächsten Tag wieder ab.

Sie macht eigenes Marzipan und verkauft bald vegane Schokolade

Obwohl sie offen hat, bestellen auch bei Ulli's inzwischen viele Leute übers Internet. „Da ist Bewegung drin“, sagt sie, darauf stellt sie sich mit den mittlerweile 14 Mitarbeitern – Lehrlingen, Teilzeitkräften und Aushilfen – ein. Neu in der Confiserie gibt es jetzt auch selbst gemachtes Marzipan. „Ich kann das industriell Hergestellte dann weglassen. Da alles immer billiger werden muss, ist dessen Qualität nicht mehr so wie vor 20 Jahren.“

Von Anfang an stellt sie auch selber Schokolade her, sie entwickelt ihre Kompositionen auch immer weiter, wandelt ab, experimentiert. Zuletzt zufriedenstellend mit einem Fruchtpulver. „Ich will den Leuten einfach zeigen, was gute Schokolade ist.“

Ihr Lieferant sitzt in der Schweiz und „guckt, dass er direkt und fair mit den Kakaobauern handelt.“ Das ist ihr lieber als ein Etikett, das vielleicht nur verliehen wurde, weil ein Drittel der Zutaten in der Schokolade fair gehandelt ist. „Im Lauf des Jahres wird es bei mir auf jeden Fall auch noch eine vegane Schokolade geben, die komplett in Madagaskar hergestellt wird.“

Nachhaltig will sie „einen Schritt nach dem anderen“ auch in Sachen Pralinenverpackung gehen. „Es gibt eine aus Papier auf Gras-Basis, und eine mit Kaffeeanteilen“, erzählt sie. „Für Kunststoff gibt es allerdings noch nicht die richtige Alternative – er hält dicht und schützt die Lebensmittel vor Feuchtigkeit und Aromaverlust.“

Impfen – na klar: „Auch vor Reisen habe ich das nie hinterfragt“

Wie steht Ulrike Maurer den neuen Impfstoffen gegen Corona gegenüber, die nun nach und nach auf den Markt kommen? Würde sie sich impfen lassen? „Bei jeder Reise in ferne Länder habe ich das gemacht, Malaria, Pocken, nie habe ich gefragt, wann der Stoff gefunden wurde und wie er wirkt. Ich hab’s einfach gemacht.“ Masern und Mumps musste sie als Kind durchmachen, sie hätte sich’s gern durch eine Impfung erspart. Für ihre Mitarbeiterin, die Corona hinter sich hat, ist die Welt noch nicht in Ordnung, sie kommt schnell außer Atem. Darum: „Wenn ich dran bin, lasse ich mich impfen. Ich will, dass wir schnell durch diese Pandemie kommen.“ Ulli Maurers Wunsch für 2021 ist denn auch, „dass wir unsere sozialen Kontakte wieder aufleben lassen können.“ Vielen fehlen die Treffen, das gemeinsame Ausgehen, die Gespräche von Angesicht zu Angesicht, sie merkt’s manchen Kunden direkt an.

Aber hoppla, jetzt muss Ulli Maurer das Gespräch beenden. Der Kunde, der schon einmal ohne Maske in den Laden wollte und standhaft von der Auszubildenden weggeschickt wurde, ist wieder da. Er behauptete, ein Attest zu haben, das er aber nicht vorzeigen wollte. Jetzt ist die Chefin gefragt, freundlich, aber resolut. „Ich weiß, alle sind am Anschlag. Aber da müssen wir jetzt alle miteinander durch. Mit Maske.“

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„Mit der Maske geht es mir wie so vielen: Meine Brille beschlägt. Aber darüber braucht

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