Winnenden

Die wenigen aber hartnäckigen Leerstände

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Zwei Leerstände am Marktplatz: Links das frühere Wollgeschäft, rechts das frühere „La Piazza“, das ebenfalls umgezogen ist. © Habermann/ZVW

Winnenden. In der Fußgängerzone stehen vergleichsweise wenige Geschäfte leer. Umso mehr fallen zugeklebte Schaufenster an der Schlossstraße und zwei direkt am Marktplatz auf. Vor einem Jahr ist das Restaurant La Piazza ins Alte Rathaus gezogen – und seit vier Jahren heißt es gegenüber, dass dort bald Kai Schäftlmeier einen Laden eröffnet.

„Ich bin zuversichtlich, dass es kurzfristig eine Lösung gibt“, sagt Kai Schäftlmeier, der sich am Donnerstagmittag zwischen zwei Kunden in seinem Salon an der Mühltorstraße kurz Zeit nehmen kann. Seitdem er das 350 Jahre alte, denkmalgeschützte Fachwerkhaus direkt am Marktplatz gekauft hat, läuft das Zigaretten- und Zeitschriftenlädchen darin unter seiner Regie weiter. Aber seit Verena Kurz mit ihrem Wollgeschäft umgezogen ist, harrt die zweite kleine Ladeneinheit im Erdgeschoss eines Nachmieters.

„Ich hatte viele Gedanken – und habe sie wieder verworfen“

„Erst wollte ich selbst dort etwas machen. Den Plan hatte ich noch, als Yo! angefragt hat“, sagt Schäftlmeier über das Eisdielen-Bistro, das dann Nachmieter vom Reformhaus Escher und direkter Nachbar des Friseursalons an der Mühltorstraße geworden ist. „Hätte ich gewusst, dass es doch anders kommt, hätte ich nicht ,coming soon’ aufs Schaufenster geschrieben“, sagt der Winnender. „Ich schreibe dafür niemandem die Schuld zu, es liegt allein an mir.“ Er hatte viele Gedanken und diese wieder verworfen. Eine Weile übergab er die Suche einem Makler, „es gab viele Anfragen, aber ich sehe an dem Standort schon eine Verantwortung fürs Stadtbild. Manches will ich da einfach nicht haben.“ Des Weiteren binden die drei Geschäfte in Winnenden, eins in Waiblingen und eins in Stuttgart am Robert-Bosch-Krankenhaus eben viel von seiner Zeit, zumal er „in allen eine hohe Qualität bieten“ will.

Inzwischen sei aber alles im Fachwerkhaus saniert und ein Fernwärmeanschluss installiert worden. „Der Rest geht dann schnell, und ich hoffe, dass die Stadt, von der ich ja weiß, dass sie diese Stelle gern wieder besetzt hätte, kooperativ ist, wenn es zu einer Umnutzung kommt.“

Aus der Eis-Manufaktur im früheren „La Piazza“ wird nichts

„So ein langer Leerstand wertet das ganze Areal ab“, sagt Timm Hettich, Wirtschaftsförderer und Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins „Attraktives Winnenden“. „Allerdings sind bei uns nur ein bis zwei Geschäfte in 1-a-Lage und noch mal zwei in 1-b-Lage frei.“ Das sei dem restriktiven Kurs des Gemeinderats und der Stadtverwaltung zu verdanken, die großen Einzelhandel seit Jahren nicht mehr neu in Gewerbegebieten zulassen und so die Innenstadt schützen. Waren, die es in der Innenstadt gibt, dürfen nicht in Randlagen verkauft werden, was zuletzt ein Sanitätshaus erfahren musste. Die Stadt untersagte einen Umzug an die Ringstraße.

An der Schlossstraße ist Timm Hettich eine Vermittlung bisher nicht gelungen, der neue Besitzer des früheren Bäckerei-Hauses Pflumm wolle wohl keinen Laden im Erdgeschoss, in den oberen Etagen wohnen Bauarbeiter. Das frühere Schmuckatelier daneben steht seit zwei Jahren leer, seine Scheiben sind mit Wochenblattseiten zugeklebt. Möglicherweise wird dahinter für eine Neueröffnung renoviert.

Aus dem ehemaligen „La Piazza“ im „Wieland-Haus“ am Marktplatz wird übrigens nicht das, was Aldo del Negro und seine Partnerin Sanela Kovac zuletzt geplant hatten, eine Eis-Manufaktur mit sichtbarer Produktion. „Unser Mietvertrag im ,Wieland-Haus’ endet Ende Februar 2019“, sagt sie. Der Restaurant-Betrieb ist seit fast einem Jahr im Alten Rathaus der Stadt Winnenden und läuft dort weiter.

Hettich vermittelt Nachfolger

Timm Hettich war am Donnerstagmorgen Gast beim Unternehmerfrühstück des Verbands der Selbstständigen. „Wir haben mehrere Vollsortimenter in der Innenstadt. Das hat fast keine Stadt mehr.“ Der Handelsmix in der unteren Marktstraße sei zwar verbesserungswürdig, Hettich setzt aber auf Impulse durch ein Sportgeschäft am Holzmarkt und die Bebauung des Kronenplatzes.

„Zwar gehen die Anfragen bei mir zurück, es gibt inzwischen nicht mehr so viele, die sich trauen, in die Selbstständigkeit zu gehen“, sagt Hettich. Dennoch ist sein Bestreben, diese wenigen in geeignete Räume zu vermitteln, vielleicht sogar direkt als junge Nachfolger eines inhabergeführten, alteingesessenen Geschäfts. „Eventuell gelingt demnächst hier so ein Musterbeispiel mit fließendem Übergang, bei dem die beiden noch eine Zeit lang zusammenarbeiten und sich austauschen können.“

Für größere Ketten wie H&M oder C&A fehlen in der Innenstadt schlicht die Räume, so Hettich. „Sie ist zu kleinteilig.“