Winnenden

Drei Ausbildungsplätze frei für Menschen mit Handicap

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Patrick Hilpert und Susanne Röder, Ausbilder und Arbeitserzieherin bei Pro Trade Integra Winnenden, bilden Behinderte für den ersten Arbeitsmarkt aus. © Jonas Baumgarten
Winnenden.
Die Firmen Schwaben-Druck und Nixgut-Versand sind gemeinnützige Unternehmen, aber ohne diakonische Einrichtung im Hintergund. Von den 60 Mitarbeitern ist die Hälfte in irgendeiner Weise schwerbehindert. Der Job fordert sie, gleichzeitig gehen die Kollegen stark auf ihre persönlichen Befindlichkeiten ein.


Nach ähnlichem Prinzip bilden die Firmen junge Leute aus, die einen Behindertenausweis oder einen Reha-Status haben. Drei Plätze sind noch frei.

Für Lageristen zwei Plätze frei

Patrick Hilpert ist Ausbilder und Assistent der Geschäftsleitung und würde sich freuen, wenn sich junge Menschen bei der Firma am Steinbeisweg 14 melden. „Meist bieten wir ein Vorpraktikum an, damit sie sicher sind, dass sie die Berufe wirklich lernen wollen.“ Zwei Plätze sind für angehende Fachlageristen frei. Im Lager, schildert der 26-Jährige, „muss man auch mal anpacken können, da wird man auch mal dreckig oder es staubt beim Kleinmachen der Kartonagen“. Schutzkleidung wird gestellt, aber man muss auch körperliche Belastungen aushalten können, das Stehen und Laufen gewöhnt sein. „Sind der Rücken oder die Hände kaputt, geht es nicht.“ Ziel ist, dass die Menschen nach drei Jahren auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Beschäftigung finden, und in der Vergangenheit hat das stets geklappt. „Ein Praktikum in einer anderen Firma gehört zur Ausbildung, wir trainieren Bewerbungen und kümmern uns auch um unsere Ehemaligen, bis sie etwas haben“, sagt Patrick Hilpert.

Die Ausbildung selbst wird rücksichtsvoll gestaltet und unter anderem von Susanne Röder begleitet, der Arbeitserzieherin. Sie unterstützt die Ausbilder, die hier als „Jobtrainer“ spezialisiert und qualifiziert sind. „Wir nehmen uns mehr Zeit und wenden andere Strukturen an. Und wenn etwas nicht klappt, bitten wir Susanne Röder, mit dem Azubi die Aufgabe zu üben und herauszufinden, wo die Blockade sitzt. Dann können wir die Aufgabe leichter oder verständlicher machen“, schildert Patrick Hilpert. Das gleiche mitunter einer „Achterbahnfahrt für beide Seiten“, weil beispielsweise Menschen mit Depressionen zum einen von sich den Eindruck haben, sie schafften eine Aufgabe nicht, zum anderen sich aber doch beweisen wollen, dass sie es können. „Viele lernen bei uns auch erstmals, zu sagen, wenn es ihnen gerade nicht gut geht. Wir können sie dann rausnehmen aus der Aufgabe, holen sie nach ein paar Stunden aber auch wieder zurück.“

Eine Chance für Autisten

Manche Autisten brauchen ein extrem ordentliches Umfeld, es stört sie auf einmal der Staub, den andere gar nicht bemerken, und die Arbeit kann erst weitergehen, wenn der Staub beseitigt ist. Ein solcher Azubi war fachlich und theoretisch jedoch so kompetent, dass er die normale Berufsschule in Stuttgart besucht und mit einer Eins vor dem Komma abgeschlossen hat.

„Am Berufsbildungswerk Waiblingen gibt es für unsere Azubis aber auch geförderten Unterricht, für Menschen mit psychischen Problemen oder Lernschwierigkeiten ... Sie haben weniger Stoff, es geht ums sichere Einüben von Rechnen und Schreiben“, schildert Patrick Hilpert eine Möglichkeit.

Bei vielen Azubis kommt sehr gut an, dass sie sich praktisch bewähren können. „Wir nehmen sie bei kleinen bis großen Projekten an die Hand, sie legen Großkundenaufträge an oder machen was für die Onlineshops. Sie wirken mit und sehen, sie werden gebraucht - auch im Weihnachtsgeschäft, in dem wir 40 000 bis 50 000 Pakete verschicken. Das ist eine ordentliche Leistung.“

Für den Bürokaufmann ist noch ein Ausbildungsplatz frei. „Hier muss man acht Stunden sitzen und konzentriert auf einen Bildschirm schauen können.“ Patrick Hilpert hatte schon Azubis, die mit verkrüppelter Hand und Druck gegen das Gesicht die Computer-Maus bedient haben. „Das geht alles“, sagt er zuversichtlich.

Junger Spanier bei Schwabendruck

Der junge Spanier Ivan fängt am Montag eine Ausbildung als Bürokaufmann bei Schwaben-Druck an. „Wir sind durch unsere Hörbehinderten gewohnt, mit Sprachbarrieren umzugehen“, sagt Patrick Hilpert. „Ich bin gespannt und guter Dinge.“ Dennoch: „Die Berufsschule wird hart mit all ihren wirtschaftlichen Fachbegriffen.“

Von den sechs jungen Spaniern, die Anfang Juli aus der Winnender Partnerstadt gekommen sind, um in Deutschland eine Ausbildung zu beginnen, bleiben nach ihren sechswöchigen Praktika außer Ivan Jessica (Friseurin) und Omar (Winzer). Nach Angaben der betreuenden Paulinenpflege orientiert sich Carlos noch mal um und macht ein Praktikum in der Altenpflege im Haus im Schelmenholz.


Zwei weitere junge Leute, Juan und Anggi, sind wieder nach Spanien zurückgekehrt.