Winnenden

Drei Coronatests sind Pflicht: Überschwemmt eine Papierflut die Kindergärten?

Coronatest Kindergarten
Neue Pflicht: Eltern bestätigen dreimal pro Woche mit ihrer Unterschrift, dass das Kindergartenkind zu Hause negativ aufs Coronavirus getestet wurde. Kitaleiterinnen wie Annette Föhl (Kinderhaus Schafweide, rechts) haben Listen entworfen, um die Papierflut einzudämmen. © Gabriel Habermann

Seit Montag (10.1.) neu ist für Kindergärten und Kindertagespflegestellen, dass das dreimalige Testen der Kinder pro Woche den Eltern als Pflicht auferlegt ist. Vorher waren es zwei freiwillige Tests. Das Land, genauer Sozial- und Kultusministerium, haben die Änderung rechtlich in der Corona-Verordnung verankert. Der Grund ist die Dynamik der Inzidenz, vor allem bei Kita-Kindern, und das rasche Umsichgreifen der schnell ansteckenden Omikron-Variante.

Ist der Test negativ, reicht eine Unterschrift der Eltern und das Kind wird betreut. Ist er positiv, bleibt das Kind zu Hause, die Eltern lassen einen PCR-Test machen, der über alles weitere entscheidet. Lehnen die Eltern einen Test grundsätzlich ab, kann das Kind nicht betreut werden.

Wie genau werden Eltern verpflichtet, ihre Kinder zu testen?

Bereits Anfang Dezember hatten Winnender Eltern von der Stadt drei verbindliche Tests gefordert. Sie stimmte nach einem Eilbeschluss des Gemeinderats einer freiwilligen dreimaligen Testung zu und bezahlte die Zusatz-Tests komplett aus eigener Tasche.

Vor Weihnachten dann informierte die Stadt die Eltern und die Kindergartenleiterinnen über die neue Testpflicht. Wie sieht die genau aus? „Die Eltern bekommen die Tests von uns zur Verfügung gestellt, müssen sie zu Hause durchführen und schriftlich bestätigen beziehungsweise durch ein unterschriebenes Formular nachweisen, dass er negativ ist“, fasst Emely Rehberger zusammen. Da gehört also von Kitaseite her eine gehörige Portion Vertrauen auf Vernunft und Ehrlichkeit der Eltern dazu. Dass die Einrichtung das Testen übernimmt, kommt aufgrund der personellen Kapazitäten nicht infrage, das stellte der zuständige Amtsleiter Thomas Pfeifer in einem Brief an die Eltern klar.

Beispiel Kinderhaus Schafweide: Eltern führen eine Liste und die Kita auch

Gleichwohl heißt die Testpflicht fürs Personal wieder Mehrarbeit. Würde jedes Formular einzeln eingesammelt und aufbewahrt, müsste wohl jeder Kindergarten, zugespitzt gesagt, bald anbauen und noch Bürokräfte einstellen. Bei 20 Kindern pro Gruppe in einem viergruppigen Haus wären das 240 Blätter pro Woche. Weder handelbar noch umweltfreundlich. Um die erwartete Papierflut von vornherein einzudämmen, sind die Kita-Leitungen kreativ geworden, haben das vom Kultusministerium vorgeschlagene Formular umgemodelt in Listen. Diese fassen eine, zwei, oder wie im Fall des Kinderhauses Schafweide sogar fünf Wochen auf einem Blatt zusammen. Montags, mittwochs und freitags zeigen die Eltern bei der Abgabe ihres Kindes die aktualisierte Liste vor und das Kita-Personal macht sich auf seiner Liste einen Vermerk, um auch an den Tagen ohne Testpflicht  oder wenn mal ein Kind eine Weile gefehlt hat, den Überblick zu haben. „Manche Eltern bringen auch den negativen Test direkt mit, dann machen wir auch einen Haken in unserer Liste“, sagt Kinderhaus-Leiterin Annette Föhl. Das Vorgehen hält sie „für nachhaltig und sinnvoll – und es lief wirklich gut an“, berichtet sie zufrieden.

Andere Kitas lassen die Eltern eine Eigenbescheinigung abschneiden, unterschreiben und abgeben, auch das ist laut Emely Rehberger möglich. „Die unterschriebenen Nachweise werden in allen Kindertageseinrichtungen in verschlossenen Schränken aufbewahrt und nach Ablauf der vorgegebenen Aufbewahrungsfrist vernichtet.“ Der Datenschutz, wir haben’s schon länger bemerkt und bisweilen seufzend registriert, soll ja trotz Pandemie zu seinem Recht kommen.

In welchen Fällen keine häuslichen Antigen-Schnelltests verlangt werden

Ausnahmen gibt es übrigens auch. Wer mit seinem Kind einen anlasslosen und dann kostenpflichtigen PCR-Test macht, muss diesen nur zweimal pro Woche vorlegen. Das wird wohl kaum vorkommen. Gültig wäre auch, dreimal die Woche zur Teststation zu fahren, wer sich den Umstand machen will. Kinder unter einem Jahr müssen nicht getestet werden. Auch Kinder nicht, die aufgrund einer Behinderung nicht getestet werden können und dafür eine ärztliche Bescheinigung bekommen. Drittens sind von Covid-19 genesene Kinder von der Testpflicht befreit. Sie dürfen aber weiterhin freiwillig getestet werden, die Eltern bekommen ebenfalls kostenlose Tests.

Gibt es die Ausnahme auch für geimpfte Kindergartenkinder?

Und was ist mit ein- oder zweimal geimpften Kindern? Auch die gibt es bereits in Winnender Kindergärten. „Sie müssen sich, genauso wie zweimal geimpfte Erzieherinnen, testen“, sagt Annette Föhl. Während sich die Erwachsenen inzwischen nach drei Monaten boostern lassen können, ist dies für die Kinder unter fünf Jahren aber noch gar nicht möglich. „Von daher ist es etwas komisch, dass sie nun mit den Ungeimpften gleichgestellt sind.“ Emely Rehberger bestätigt, dass dies so in der Verordnung steht, der Umstand aber bei Eltern von geimpften Kindern für Frust sorgt.

Angewandt werden Lollitests, die auch die Omikron-Variante erkennen

Und mit was wird getestet? Eltern bevorzugen einen Abstrich im Mundbereich beziehungsweise Lollitests für die Kinder. Den Wunsch erfüllt die Stadt schon seit Monaten. „Für unsere Kindergartenkinder haben wir einen Lolli-/Speicheltest im Einsatz, der auch die Omikron-Variante erkennt. Sobald die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach angekündigte Veröffentlichung zu Tests, welche die Omikron-Variante besonders gut erkennen, vorliegt, werden wir diese berücksichtigen“, so Rehberger.

Seit Montag (10.1.) neu ist für Kindergärten und Kindertagespflegestellen, dass das dreimalige Testen der Kinder pro Woche den Eltern als Pflicht auferlegt ist. Vorher waren es zwei freiwillige Tests. Das Land, genauer Sozial- und Kultusministerium, haben die Änderung rechtlich in der Corona-Verordnung verankert. Der Grund ist die Dynamik der Inzidenz, vor allem bei Kita-Kindern, und das rasche Umsichgreifen der schnell ansteckenden Omikron-Variante.

Ist der Test negativ, reicht eine

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