Winnenden

Drogengeschäft scheitert am Startkapital

amtsgericht Waiblingen
Im Amtsgericht. © ZVW/Benjamin Büttner

Er kämpfe jeden Tag darum, sein Leben in den Griff zu bekommen und gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin in geordnete Bahnen zufinden, führte der Angeklagte im Waiblinger Amtsgericht in seinem Schlusswort aus. Heraus aus der Drogenszene, in der er sich zwanzig Jahre lang bewegt habe.

Der entscheidende Anstoß, eine Familie zu gründen und sich eine geregelte Arbeit zu suchen, sei von einer fünfjährigen Haftstrafe ausgegangen, wegen der er nach wie vor unter Führungsaufsicht stehe. „Aber manchmal denkt man nicht groß darüber nach, was man tut, sondern handelt automatisch …“

Warenmuster bereits erhalten

Dieses „Automatisch handeln“ bezog sich auf drei voneinander unabhängige Taten des unerlaubten Erwerbs von verbotenen Betäubungsmitteln und drei des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln. Während der Erwerb von Kokain der Eigenversorgung diente, ging es in einem Fall um die beachtliche Menge von 100 Gramm Amphetamin, die der Angeklagte im Januar zusammen mit einem Mittäter beschaffen und dann weiterverkaufen wollte. Ein Warenmuster hatten sie bereits erhalten. Auch wenn diese geplante Transaktion letztendlich daran scheiterte, dass die beiden nicht das notwendige Startkapital zusammenbrachten, so war es vor allem diese Tat, die das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Steffen Kärcher dazu bewog, eine Gesamtstrafe von einem Jahr und fünf Monaten Freiheitsentzug zu verhängen.

Das Gericht sehe sich leider außerstande, so Kärcher in seiner mündlichen Urteilsbegründung, für den Angeklagten eine günstige Sozialprognose zu erstellen und somit die Haft zur Bewährung auszusetzen, obwohl ihm zugute gehalten werden müsse, dass er zu seiner Sucht stehe und sich auch einer Substitutionsmaßnahme unterzogen habe. Er habe aber den Schritt weg von der Drogenszene bis heute nicht geschafft, sondern halte den Kontakt zu ihr. Er bewege sich nach wie vor in ihr und nutze sie für den Erwerb von Marihuana und Kokain für seinen eigenen Bedarf.

Therapie könnte Haft aufschieben

Sein Leben drehe sich leider nach wie vor um die Drogen, und auch sein 450-Euro-Arbeitsplatz werde ihn wohl nicht davon abhalten, damit weiterzumachen. Aber bis zu einer möglichen Berufungsverhandlung vor dem Stuttgarter Landgericht, öffnete der Richter eine Tür, habe der Angeklagte Zeit gewonnen, um ein überzeugendes Konzept vorzulegen, wie es mit ihm weitergehen solle. Eine zweite Option eröffne sich ihm dadurch, dass er eine therapeutische Maßnahme in Anspruch nimmt und für deren Dauer beantragt, die Haft aufschieben zu lassen.

Ins Netz der Verfolgungsbehörden geraten war der Angeklagte durch seinen Lieferanten, der wohl einen regen Lieferservice in der näheren Umgebung unterhalten hatte. Als dieser aufgeflogen war, fanden sich in seinem Handy sauber aufgelistet die Kunden.

Eine Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten brachte als Ergebnis eine kleinere Menge Marihuana, diverses Verpackungsmaterial und Werkzeug sowie wiederum ein Handy, das sich für die Kriminalpolizei als ergiebige Quelle erwies und bereits in mehrere Strafverfahren mündete.

Der 38-jährige, in Backnang geborene Angeklagte begann bereits als Schüler Heroin und Kokain zu konsumieren. Eine Berufsausbildung scheiterte, ebenso mehrere Therapien und Substitutionsprogramme. Nachdem er eine Zeit lang in Nordrhein-Westfalen gelebt hatte, in der Hoffnung, allein durch die räumliche Distanz den Ausstieg aus der Szene zu bewältigen, kam er vor zwei Jahren nach Winnenden zurück, um sich um den inzwischen betagten Vater zu kümmern. Seit März hat er einen Arbeitsplatz auf 450-Euro-Basis, seit Juni in Festanstellung.

Er kämpfe jeden Tag darum, sein Leben in den Griff zu bekommen und gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin in geordnete Bahnen zufinden, führte der Angeklagte im Waiblinger Amtsgericht in seinem Schlusswort aus. Heraus aus der Drogenszene, in der er sich zwanzig Jahre lang bewegt habe.

Der entscheidende Anstoß, eine Familie zu gründen und sich eine geregelte Arbeit zu suchen, sei von einer fünfjährigen Haftstrafe ausgegangen, wegen der er nach wie vor unter Führungsaufsicht stehe. „Aber

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