Winnenden

Dvoraks Cellokonzert ist ihr Traum

cello
Zwei Stunden Üben täglich, mindestens: Anne Hiddeßen am Cello, begleitet von ihrem Vater am Klavier. © ZVW

Schwaikheim. Die Mutter Cellolehrerin, der Vater Musiklehrer: Natürlich ist der Schwaikheimerin Anne Hiddeßen reichlich Talent in die Wiege gelegt worden. Das erspart der Bundespreisträgerin bei „Jugend musiziert“ aber nicht das tägliche Üben, zwei Stunden mindestens sind das Pensum, vor Wettbewerben trainiert sie noch deutlich länger am Violoncello.

In ihrem musikalischen Lebenslauf geht es nur in eine Richtung, bolzengerade nach oben. Anne scheint nur erste Preise zu kennen. Mit noch nicht mal vier Jahren begann 2007 der Unterricht bei der Mutter. Die war eigentlich zunächst dagegen, dass auch die Tochter das Cello wählt, erinnert sich der Vater. Grund: der zu befürchtende Zwiespalt zwischen Mutter- und Lehrerrolle. Aber Anne wollte unbedingt ans Cello und sie setzte ihren Kopf durch.

Auf den Sport, den Fußball übertragen hießen ihrer bisherigen Auszeichnungen Auswahlspielerin in allen Jugendklassen bis hinauf letztlich zur Bundesebene, und Bundesligisten würden ihr längst hinterherrennen. Zu ihrer Vita gehört und das ist wichtig, für sie selbst und die Fachleute, denen der Namen was sagt: Ihr Cellolehrer ist seit drei Jahren Giga Khelaia von der freien Musikschule Engelberg. Anne ging in Schwaikheim auf die Eichendorff-Grundschule, seit 2013 besucht sie das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Fellbach, das natürlich ein Musikprofil hat, und sie spielt in dessen Orchester mit.

Auch die beiden Brüder spielen Instrumente

Der Vater unterrichtet an ihrer Schule, die Mutter an der Fellbacher Musikschule. Der jüngere Bruder übt an der Geige, der ältere an Schlagzeug und Klavier. Aber egal, wie gut die beiden Jungen noch werden: Den ersten Bundespreis in der Familie können sie Anne nicht mehr nehmen. Gewonnen hat sie den übrigens in der Altersgruppe 13- und 14-Jährige, dabei ist sie erst zwölf, „aber ich werd’ ja 13“, fügt sie sofort an.

Der Vater versichert, es gebe keinen Druck auf die Tochter, weder von ihm noch von der Mutter: „Sie darf, sie kann, aber sie muss nicht. Es ist ihre Entscheidung.“ Berufswunsch Musikerin? Ja klar, meint Anne, das wäre cool. Sie traut sich das zu. Der Vater ist sich, noch, nicht sicher, warnt: Was vor 30 Jahren zum Abschluss an der Musikhochschule gelangt habe, das würde heute nicht mehr zur Aufnahme reichen.

Die Belohnung für all die Anstrengungen, das tägliche Üben, stets gerne, auch wenn sie manchmal „nicht unbedingt Lust drauf hat“, seien eigentlich nicht so sehr die Preise, als vielmehr die Konzerte, die Auftritte, die damit einhergehen, so wie bei den Konzerttagen in Winnenden vor 800 Leuten oder beim Förderpreiskonzert der Kreissparkasse im Bürgerzentrum in Waiblingen vor 900. Mittlerweile hat sie fast wöchentlich ein Vorspiel, das Lampenfieber nimmt ab. Der Vater geht davon aus, dass der Bundespreis auch Einladungen zu Meisterkursen nach sich ziehen wird.

Preise reihenweise abgeräumt, was reizt sie noch?

Anne hat auch mal Handball gespielt, aber wegen der Verletzungsgefahr aufgehört, sie trifft sich gern mit Freunden. In der Schule ist sie nicht nur im Fach Musik gut. Preise reihenweise abgeräumt, was reizt sie noch? Irgendwann, wenn sie kann und darf, will sie das Cello-Konzert von Dvorak spielen, das ist, weil so schwer, die Meisterprüfung. Das Schülersinfonieorchester Stuttgart, in dem sie mitspielt, hat immerhin Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ im Repertoire.

Noch mal zurück zur Wahl des Instruments, warum ausgerechnet das Cello? Der Vater zitiert die Mutter: Weil es alles kann, es hat alle Register, es kann die Persönlichkeit sehr gut ausdrücken. Annes Mutter war übrigens eine Studienkollegin von Claudio Bohórquez, der an der Stuttgarter Musikhochschule lehrt und der die Winnender Konzerttage geleitet hat. Bei ihm hat Anne für ihren Preis dort eine Unterrichtsstunde bekommen. Ihr Weg geht weiter.

Schwaikheim. Die Mutter Cellolehrerin, der Vater Musiklehrer: Natürlich ist der Schwaikheimerin Anne Hiddeßen reichlich Talent in die Wiege gelegt worden. Das erspart der Bundespreisträgerin bei „Jugend musiziert“ aber nicht das tägliche Üben, zwei Stunden mindestens sind das Pensum, vor Wettbewerben trainiert sie noch deutlich länger am Violoncello.

In ihrem musikalischen Lebenslauf geht es nur in eine Richtung, bolzengerade nach oben. Anne scheint nur erste Preise

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper