Winnenden

Ein Fest der Winnender Stimmen

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Die Kärcher Singers sind zusammen mit der Liedertafel Mix-Dur und dem Projektorchester der Stadtkapelle Winnenden in der Hermann-Schwab-Halle aufgetreten. © Habermann / ZVW

Winnenden. Ein musikalisches Reise-Projekt als Heimspiel, das bot das große Konzert für „Voices & Brass“ am zweiten Abend der Konzerttage Winnenden. Es machte mit der Fusion der Kärcher-Singers, der Liedertafel Mix-Dur und dem Projektorchester der Stadtkapelle deutlich, wie sehr und auf welch erfreulichem Niveau das Musizieren in dieser Stadt verankert ist – und allemal ein begeistertes Publikum findet!

Was wäre ein so ambitioniertes Projekt wie die Konzerttage Winnenden, wenn es nicht auch auf einen gewachsenen Resonanzboden, nicht nur eines interessierten Publikums, sondern auch auf den Reichtum orts-ansässiger Gruppen, Chöre und Orchester zurückgreifen könnte, die einem derartigen Unternehmen erst die lokale Tiefe und Würze verleihen?

Gemeinsam abheben auf dem exotisch gefärbten Reiseteppich

Hervorragend ist das nun gelungen mit dem Fusions-Projekt „Voices & Brass“, in dem zwei Winnender Chöre und das eigens etablierte Projektorchester der Stadtkapelle ein am Ende bejubeltes, höchst abwechslungsreiches und dabei ambitioniertes Konzert absolvierten! Als fantastische Reise.

Gleich im ersten Stück, „Siyahamba“, breitete das Orchester unter der durchweg differenzierten Leitung von Michael Helminger langsam, zart perkussiv, einen exotisch gefärbten Reiseteppich aus, der dann sachte abhob und die Stimmen beider Chöre ins Weite trug. „We are marching in the Light of God“ sangen die links und rechts platzierten Chöre zu einem sich fröhlich entwickelnden Marsch, um dann sachte, sachte, friedvoll im Rauschen des Nichts, des Unhörbaren zu versinken. Ein meditativ bewegender Auftakt.

Feine Stimmenkultur mit toller Binnenspannung

Die Kärcher-Singers, seit nun schon zehn Jahren geleitet von der so temperamentvollen wie einfühlsamen Brasilianerin Cristina Marques, begannen ihr Set mit einem schön swingenden, leicht hingetupften „Ein Hoch auf uns“ (auf das, was uns vereint) und bewiesen in zwei Gospels ihre feine Stimmenkultur mit toller Binnenspannung. Bei „In your Arms“ schien es, als ob sie den Himmel herabsingen wollten.

Humor bewies dieser lebendige Betriebs-Chor mit der Schwaben-Hymne „Mir im Süden“ von der Band „Füenf“. Verse wie „wir haben nicht so viel Esprit wie die Berliner, dafür sind bei uns die Treppenhäuser cleaner“ wurden begleitet von einem selbsterkennenden Lachen im Publikum, das dann bei Grönemeyers karibisch getöntem „Mambo“ vollends ganz auftaute und die Sängerinnen und Sänger rhythmisch klatschend begleitete.

Conquest of Paradise bringen alle drei gemeinsam auf die Bühne

Der junge Chor der Liedertafel Mix-Dur wurde von Katrin Schwarz mit wiegender Verve durchs Repertoire geführt und konnte die gute Stimmung mühelos aufnehmen. „Wie im Himmel“ fühlte man sich während der gleichnamigen Filmmusik, als die Sänger ein vokales Glockenschwingen grad wie Engelsgeläut erklingen ließen. Bravos gab es für die Solistin von „Lenas Song“ und ihrer innigen Einladung: „Fly with me“.

Soft rockend die Elvis-Nummer „Can’t help falling in Love with you“. Sicher ein anspruchsvoller Höhepunkt des Programms von Mix-Dur war die aufwühlend dramatische Anti-Kriegs-Ballade „Leningrad“ von Billy Joel. Und wie gut alle drei Gruppierungen zusammen klingen, war dann mit langsam und spannungsvoll anschwellendem Groß-Orchester-Chor-Klang noch einmal bei „Conquest of Paradise“ kurz vor der Pause zu vernehmen. Was für ein großer, dichter Sound! Jubel.

Ausgelassen und akzentuiert swingend ging’s mit „Dance Celebration“ in die zweite Halbzeit des Konzerts. Und das Projektorchester spielte groß auf - mit erfrischendem Mut auch zu eher unkonventionellen Klangexplorationen! Vulkanisch brodelnd bei „Goddess of Fire“. Und mit einem elaborierten, facettenreichen Klanggespinst bei „Imagasy“. Großartig dann, wieder vereint mit den beiden Chören, das anspruchsvolle, klangfarbenreiche „Mazama“. Da wurde selbst das tonlose Schnaufen der Bläser zum Ereignis! Chapeau!

Mit einem solchen Anlauf war’s dann eine leichte Übung hinauf zum „Top of the World“. Das ganze Konzert. Ein das Publikum begeisternder Trip mindestens einmal rund um die musikalische Welt.