Winnenden

Ein Hund als Therapeut im Schloss Klinikum

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An einer Gruppensitzung, die an diesem Tag stattfindet, nehmen zehn von Sabine Kräkers Patienten teil, die alle an Depressionen leiden. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Therapiehund
„Er darf nur zwei Stunden am Tag aktiv am Patienten arbeiten, den restlichen Tag hat er frei.“ – Sabine Kräker mit Gino. © ALEXANDRA PALMIZI

Winnenden. „Oh wie schön, Gino ist auch dabei.“ So fallen die Reaktionen in den meisten Fällen aus, wenn Therapiehund Gino im Klinikum Schloss Winnenden auf Patienten oder Pfleger trifft. Seit drei Jahren unterstützt der Miniatur Australian Shepherd seine Besitzerin, Ergotherapeutin Sabine Kräker, bei ihrer Arbeit in der Klinik für Alterspsychiatrie.

„Wenn Gino mich begleitet, bekomme ich viel schneller Zugang zu meinen Patienten. Die meisten sind demenzkrank oder depressiv und öffnen sich mir nur sehr selten. Ein Hund kann in solchen Situationen oft ein Türöffner sein“, erzählt Sabine Kräker bei der Vorstellung von Gino im Klinikum Winnenden. Das Therapiebegleithundeteam ist in allen Stationen der Alterspsychiatrie tätig und bietet Gruppenangebote und Einzelsettings an. An einer Gruppensitzung, die an diesem Tag stattfindet, nehmen zehn von Sabine Kräkers Patienten teil, die alle an Depressionen leiden. Zu Anfang darf jeder Patient Gino ein Leckerli geben, um sich mit ihm vertraut zu machen. Im Anschluss hat Sabine Kräker verschiedene leichte Übungen vorbereitet, die ihre Patienten mit Gino durchführen und ihn so besser kennenlernen.

Patienten blühen durch Gino regelrecht auf

Viele blühen durch den Umgang mit Gino regelrecht auf und fangen an, von ihrer Vergangenheit zu erzählen und davon, dass sie früher selbst einen Hund hatten. Patienten, die Gino vor der Therapiesitzung mit Vorsicht begegnet sind und sich nicht getraut haben, ihm ein Leckerli zu geben, trauen sich nach der Sitzung sogar, ihn zum Abschied zu streicheln. Natürlich achtet Sabine Kräker auch streng darauf, dass Gino zu keiner Zeit überfordert ist und genügend Pausen macht. „Er darf nur zwei Stunden am Tag aktiv am Patienten arbeiten, den restlichen Tag hat er frei. Wenn er während einer Gruppensitzung oder eines Einzelsettings gestresst ist, kann er sich jederzeit auf seine Decke zurückziehen, dann darf niemand ihn stören“, erläutert sie.

Nach jeder Sitzung belohnt Sabine Kräker Gino, indem sie mit ihm beispielsweise in den Park Ball spielen geht.

Da Gino der einzige tierische Begleiter im Klinikum Schloss Winnenden ist, kann das Therapiebegleithundeteam der hohen Nachfrage oft nicht nachkommen. „Wir sind nur auf der Station der Alterspsychiatrie tätig, allerdings verlangen immer mehr Patienten von anderen Stationen nach einem Setting mit Gino, das lässt sich aber leider nur schwer ermöglichen“, erläutert Sabine Kräker.

Gino lässt Patienten wieder strahlen

Mit wie viel Liebe und Leidenschaft sie ihrem Job nachgeht, wird deutlich, wenn man ihren Arbeitsraum betritt. Darin befinden sich unzählige Spielzeuge, die Patienten extra für Gino angefertigt haben. An den Wänden hängen Bilder von Ginos erstem Geburtstag, den die Patienten mit viel Mühe organisiert haben.

Auf eine Bilderstrecke ist Sabine Kräker jedoch besonders stolz: Vier Bilder einer strahlenden Patientin, die, mit Gino kuschelnd, auf ihrem Bett sitzt. Sie erzählt die Geschichte, die hinter den Bildern steckt: „Dieser Patientin ging es an Heiligabend letzten Jahres sehr schlecht. Sie warf Gegenstände durch den Raum und wollte sich nicht beruhigen, dann betrat ich mit Gino den Raum. Ich sagte ihr, dass sie sich beruhigen muss, wenn sie möchte, dass Gino bleibt. Da sie Gino so gerne mag und ihn auf keinen Fall verschrecken wollte, ist sie dann tatsächlich ruhiger geworden. Sie wollte dann unbedingt, dass Gino sich auf ihr Bett legt, um zu kuscheln. Plötzlich erstrahlte in ihrem Gesicht ein großes Lächeln. Dann sind diese Bilder entstanden.“

Eine Wirkung, die Gino nicht selten auf die Patienten der Klinik für Alterspsychiatrie hat. Er ist auch eine große Hilfe, wenn es darum geht, depressive Patienten aufzuwecken. Diese wollen ihr Bett morgens sehr oft nicht verlassen. „Meistens genügt es bereits, wenn er am anderen Ende des Raumes, vom Bett aus nicht erreichbar, sitzt. Dann müssen die Patienten aufstehen, wenn sie ihn streicheln möchten. Das klappt in den meisten Fällen“, erzählt Sabine Kräker.

Tiergestützte Therapie

Die tiergestützte Therapie hat in Winnenden schon lange Bestand. Vor Gino hatte Sabine Kräker bereits einen Australian Shepherd, der sie ebenfalls bei ihrer Arbeit begleitet hat. „Diese Rasse eignet sich unglaublich gut für die Ausbildung zum Therapiehund, da die Hunde wirklich arbeiten wollen und zudem sehr zutraulich und dem Menschen zugewandt sind“, erläutert sie.

Grundsätzlich könne man aber mit jedem Hund, jedes Alters, mit einer Ausbildung zum Therapiehund beginnen. Wichtig sei nur, dass der Hund kein Aggressionspotenzial hat und gerne mit Menschen arbeitet.

Sabine Kräker selbst hat eine zertifizierte Ausbildung zum Therapiebegleithundeteam abgelegt und zusätzlich eine Hundetrainerausbildung absolviert. Das empfohlene Alter für eine Ausbildung zum Therapiehund liegt in der Regel bei einem Jahr, sie hat Gino allerdings bereits mit acht Monaten in die Klinik mitgenommen und langsam an die Patienten herangeführt. „Die Klinik ist sein zweites Zuhause, er fühlt sich hier sehr wohl“, sagt sie.