Winnenden

Ein Jahr Haft auf Bewährung für Betrügerin

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Symbolbild. © Joachim Mogck

Waiblingen/Winnenden. Eine heute 35-Jährige hat mehrfach auf Internetportalen Kinderwagen verkauft. Sie ließ sich Geld überweisen, lieferte die Ware aber nicht. Die Opfer der einschlägig vorbestraften Betrügerin wohnen auch in Winnenden. Die Frau war wegen neun Fällen nun erneut vor dem Waiblinger Amtsgericht. Sie ist haarscharf an einer Freiheitsstrafe vorbeigekommen.

Die in Weinstadt mit ihrem Mann und vier Kindern lebende Frau ist ohne Anwalt vor Gericht erschienen und hat die Taten unumwunden zugegeben. Sie hat ein und denselben Kinderwagen und eine Babywippe immer wieder über Portale wie Ebay, Quoka und Mamikreisel angeboten, 250 bis 540 Euro von den gutgläubigen Interessenten bekommen, aber die jungen Familien nie beliefert, sondern sie um diese Beträge betrogen.

Eine geläuterte Angeklagte

3500 Euro kamen in den neun Fällen zwischen Juni 2016 und Februar 2017 zusammen, eine so hohe Summe, dass der Amtsanwalt von der Staatsanwaltschaft Stuttgart von gewerbsmäßigem Betrug sprach. „Wie denken Sie heute darüber?“, fragte Richter Dautel. „Ich distanziere mich komplett von solchen Sachen und mache seit einem Jahr eine Therapie in Esslingen.“

Zwar hat sie keiner dieser neun geprellten Familien bisher das Geld zurückgezahlt, aber sie ist insofern geläutert, dass sie die Finger vom Verkaufen im Internet lässt.

Richter und Staatsanwalt hielten ihre Läuterung für glaubwürdig, „vor allem, weil seitdem tatsächlich nichts mehr vorgefallen ist“, sagte Richter Dautel mit Blick auf ihr beträchtliches Vorstrafenregister. Mit 18 wurde die Frau zum ersten Mal verurteilt, 13 Jahre lang passierte danach nichts mehr, bis sie als junge Mutter wieder der Versuchung erlag, das geringe Familieneinkommen auf Kosten anderer und illegal aufzubessern.

Zwischen 2013 und 2017 häuften sich die Betrügereien derart, dass sie fünfmal verurteilt wurde und seit 2016 einen hauptamtlichen Bewährungshelfer zur Seite gestellt bekommen hatte.

1000 Euro Strafe

Ihre früher verhängte Geldstrafe konnte sie nicht zahlen und bat das Gericht, sie in gemeinnützige Arbeit umzuwandeln. Diese konnte sie aus gesundheitlichen Gründen, und weil im Lauf der Jahre weitere Kinder zur Welt kamen, aber doch nicht ableisten.

Und so schlug der Staatsanwalt nun vor, der Frau 1000 Euro Strafe als „spürbare Sanktion“ aufzubrummen, aber zahlbar in für einen einkommensschwachen Haushalt tragbaren Monatsraten von 50 Euro.

Der Richter folgte in seinem Urteil diesem Vorschlag – das Geld geht an den deutschen Kinderschutzbund. Die Bewährungszeit setzte Dautel auf volle drei Jahre fest, unter Aufsicht eines Bewährungshelfers: „Das haben Sie sehr nötig“, konstatierte er.

Sollte sie die Kooperation mit diesem vernachlässigen oder sogar noch einmal jemanden betrügen, setzt sie ihre Freiheit aufs Spiel: Ein Jahr Haft steht dann an, eine Gesamtstrafe, die alle bisher anhängigen Taten von 2016 und 2017 zusammenfasst. „Damals hätte man diese neun Taten eigentlich gleich mitaburteilen können“, sagte Dautel, dann wäre es nicht mehr zu dieser Verhandlung mit zwei Jahren Verspätung gekommen.

Bewährungshelfer wichtig

„Sie haben das ja alles schon oft gesagt bekommen“, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft und redete ihr gleichwohl nochmals ins Gewissen: „Man kann die Kinder zwar mitnehmen ins Frauengefängnis nach Schwäbisch Gmünd.

Aber schön ist es dort nicht“, mahnte er, während die Angeklagte sich die Tränen von den Augen wischte. Er hielt ihr wie der Richter zugute, dass in den letzten zwei Jahren nichts vorgefallen war und sie eine Therapie begonnen hat. Darum plädierte er auf ein Aussetzen der Haftstrafe, damit sie sich weiter bewähren kann.


Geld besser im Griff

In der Hochphase ihrer Betrügereien hat sich die Angeklagte immer wieder andere Namen gegeben. Da das Geld auf ihr Konto überwiesen wurde, fanden die von den geprellten Kunden auf den Plan gerufenen Staatsanwaltschaften jedoch über die Bank irgendwann die Frau in Weinstadt.

„Ich habe nie einen Beleg bekommen, dass sie den Geschädigten das Geld zurücküberwiesen hat“, sagte die damalige Weinstädter Polizeipostenleiterin als Zeugin aus.

„Waren Ihre Motivation für die Betrügereien Geldprobleme?“, fragte der Richter. Die 35-Jährige nickte, beteuerte aber: „Es sieht momentan besser aus, wir bekommen Wohngeld und ich bin sorgenfreier.“ Die Familie zahle Schulden für ein Auto ab.