Winnenden

Ein Mini-Wohngebiet an der Straße Burgeräcker im Winnender Schelmenholz löst Argwohn aus

Hochzeitswiese
Die Hochzeitswiese im Schelmenholz bleibt, aber dahinter wird ein neues kleines Wohngebiet geplant. © Gaby Schneider

Der Gemeinderat hat ein neues Mini-Wohngebiet beschlossen. Am Koppelesbach! Das ist der Bach im Schelmenholz, an dem bereits eine geplante neue Kita auf heftige Proteste stieß. Die Kita ist jetzt genehmigt. Gegen sie protestierte letzte Woche niemand mehr. Aber schon die Ausweisung einer Baufläche von popeligen 1000 Quadratmetern löste bei einigen Burgeräcker-Anwohnern heftigen Argwohn aus, der das Gebiet nicht verhinderte, aber einige Stadträte so beeindruckte, dass noch nicht klar ist, ob an dieser Stelle höher als zwei Stockwerke gebaut werden soll.

Ein Anwohner befürchtet Gebäudehöhen von 30 Metern

Das Thema war auf der öffentlich gemachten Tagesordnung des Gemeinderats gestanden, und einige Anwohner nutzten deshalb die Bürgerfragestunde zu einer längeren Stellungnahme. Gegen den Kindergarten habe man nichts, aber er und seine Nachbarn wenden sich gegen eine Bebauung der knapp 1000 Quadratmeter, erklärte Walter Muth aus den Burgeräckern. Er befürchtet ein Gebäude mit acht bis zehn Wohnungen und einer Höhe von 25 bis 30 Metern. „Viergeschossige Häuser wären doppelt so hoch wie die benachbarten Einfamilienhäuser“, monierte eine Anwohnerin, „warum planen Sie gleich so einen Monsterbau?“

OB: „Unsere Aufgabe ist es sicher nicht, für Einfamilienhäuser zu sorgen“

OB Hartmut Holzwarth schloss ein Mehrfamilienhaus nicht aus. Es sei in der Überlegung, „weil wir einen hohen Bedarf an Wohnraum haben. Unsere Aufgabe ist es sicher nicht, für Einfamilienhäuser zu sorgen.“ Früher, in den 70er Jahren, baute man auf 1000 Quadratmetern zwei Einfamilienhäuser. In dem eben beschlossenen Mini-Baugebiet ist noch offen, wie hoch und wie dicht gebaut wird. Die Planer könnten sich an den Mehrfamilienhäusern in der Nachbarschaft orientieren oder an den Einfamilienhäusern oder etwas finden, was zwischendrin liegt. Sie haben auch noch andere Begrenzungen zu beachten. „Uns ist bewusst, das wir dort eine Altlast haben“, erklärte OB Holzwarth. Die Baufläche liege allerdings außerhalb dieser Altlast im Boden. Nahe am Koppelesbach wurden vor Jahrzehnten Industrieabfälle abgelagert, die nicht angerührt werden sollen.

Benz: „Im Schelmenholz wird seit sieben Jahren gebaut, gebaut, gebaut“

Das neue Mini-Wohngebiet ist noch ganz im Anfangsstadium. Beschlossen hat der Gemeinderat nur, dass es in den Flächennutzungsplan als Wohngebiet eingetragen werden soll. Aber schon gegen diesen Einstieg in ein künftiges Bauen wendete sich FDP-Stadtrat Robin Benz. „Im Schelmenholz wird seit sieben Jahren gebaut, gebaut, gebaut.“ Schiefersee-Verdichtung, Flüchtlingsheim beim Friedhof (Benz sagte: „Ein Projekt, das kein Winnender gerne bei sich vor der Tür gehabt hätte“), Forchenwaldstraße, demnächst das große Gebiet Vista (Körnle IV), zählte er auf. „Jetzt ist genug! Das verträgt doch irgendwann ein Stadtteil nicht mehr.“

Mohr: „Auf diesen Zwickel zu verzichten, das ist doch widersinnig“

ALi-Stadtrat Christoph Mohr wollte das nicht so stehenlassen. „Ich könnte eine Ablehnung verstehen, wenn es gegen ein großes Wohngebiet ginge. Aber auf diesen Zwickel hier zu verzichten, das ist doch widersinnig.“

Robin Benz schlug vor, dass die kleine Fläche gleich als Kinderspielplatz ausgewiesen werden sollte, nachdem im Schelmenholz ein Spielplatz von einem Kindergarten überbaut wurde. Holzwarth sicherte zu, dass im Gebiet Körnle-Erweiterung ein großer Spielplatz gebaut werde, im Schiefersee einer geplant sei, und er deutete vorsichtig an: „Übrigens würde ich gerne auch die Anwohner von Burgeräcker hören, was sie zu einem Spielplatz sagen würden.“

Die Gebäudehöhen werden später vom Gemeinderat festgelegt

Gegen Ende der Diskussion erklärte FWV-Stadtrat Hans Ilg etwas, was wie eine Vorgabe für die Bauvorschriften im künftigen Wohngebiet klang: „Ich werde dem Baugebiet zustimmen, aber wenn es zum Bebauungsplan kommt, werden wir eine große Höhe nicht mitmachen.“ Stadtplaner werden planen. Am Ende aber entscheidet der Gemeinderat, und Mehrheiten stehen in diesem Fall nicht fest. Für das Baugebiet stimmten 16 Stadträte. Gegen das Gebiet stimmten sechs, und drei enthielten sich der Stimme. Die protestierenden Anwohner können das Gebiet nicht mehr verhindern, aber bei den Gebäudehöhen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Der Gemeinderat hat ein neues Mini-Wohngebiet beschlossen. Am Koppelesbach! Das ist der Bach im Schelmenholz, an dem bereits eine geplante neue Kita auf heftige Proteste stieß. Die Kita ist jetzt genehmigt. Gegen sie protestierte letzte Woche niemand mehr. Aber schon die Ausweisung einer Baufläche von popeligen 1000 Quadratmetern löste bei einigen Burgeräcker-Anwohnern heftigen Argwohn aus, der das Gebiet nicht verhinderte, aber einige Stadträte so beeindruckte, dass noch nicht klar ist, ob

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