Winnenden

Ein neues Festival in der Stadt

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Jens Tichatschke ist Vorsitzender des Festival-Vereins „Winnenden goes Metal“. Foto: Palmizi © Ramona Adolf

Winnenden. Das erste Heavy-Metal-Festival der Stadt steigt am Samstag, 22. September, in der Hermann-Schwab-Halle. Organisator Jens Tichatschke, ein ruhiger, netter Typ, hat schon einige E-Mails besorgter Nachbarn beantwortet. „Ein Nachbar immerhin war begeistert, als wir unseren Plakatturm aufgestellt haben“, sagt der 43-Jährige. Für Fans der Metal-Musik schließt das kleine Festival eine große Angebotslücke.



Die Bands

Sechs Bands werden auf dem Festival in der Winnender Hermann-Schwab-Halle spielen. 

Battle Beast

Die bekannteste Band bei „Winnenden goes Metal“ ist Battle Beast aus Finnland. Sie haben in Wacken den Newcomerwettbewerb gewonnen. Am Mikrofon des klassischen, klischeegeladenen Heavy Metal (Iron Maiden, Judas Priest, Manowar) steht eine Frau.

Winterstorm

Winterstorm bietet ebenfalls melodiösen Powermetal in Verbindung mit Mittelalter- und Folkmetal. Die Bayreuther traten wie Battle Beast auch bereits als Vorband von Genregrößen auf.

Spitefuel

Spitefuel wurde von einem Manager vorgeschlagen, sie gefielen Jens Tichatschke auf Anhieb. „Sie werden vielleicht Newcomer des Jahres“, sagt er über die Band aus Heilbronn.

My Merry Machine

Als Bloodflowerz bekannt wurden einige der Jungs, die sich nun My Merry Machine nennen (Schwäbisch Hall). Am Tag des Festivals erscheint ihr erstes Album, moderner Alternative-Metal.

Dreams of Reality

Aus Siegen kommt Dreams of Reality, die Studenten mischen Gitarren- mit Elektro-Sounds, im Deathmetal-Gesang finden sich Rap-Einlagen und Metalcore.

Blaas of Glory

In Umbaupausen tritt die niederländische Coverband Blaas of Glory auf. Mit szene-untypischen Instrumenten wie Banjo, Tuba und Akkordeon parodieren sie bekannte Rock- und Metalstücke.

Welche Bands zum Festival kommen, erfahren Sie unten im Artikel (mit Hörprobe).


„Die Rockfabrik in Ludwigsburg und das LKA in Stuttgart veranstalten Metal-Konzerte, aber für Festivals muss man nach Ulm, Balingen oder an den Rhein fahren“, sagt Tichatschke. Seit 20 Jahren besucht der gebürtige Zittauer Metal-Festivals, „ob in Wacken, in Rumänien, Russland oder Slowenien, sie verlaufen überall friedlich und entspannt“.

Harte Gitarrensounds, schwere Beats und ins Mark treffender Gesang – die einen halten’s für fürchterlichen Lärm, der noch dazu Horror, Gewalt und dunkle Mächte thematisiert. Andere wiederum lieben diese Musik mit ihren vielen unterschiedlichen Spielarten. Sie sind, wie Jens Tichatschke, auch Winnender Bürger. Und sie bekommen von 15 bis 24 Uhr sechs Bands geboten, deren Mitglieder den Veranstaltern persönlich bekannt sind.

Metaler sind trinkfest: Fünf Liter Bier im Schnitt pro Fan

800 Fans werden in die Hermann-Schwab-Halle eingelassen, im Stadtgarten werden sie bewirtet mit Burgern und Ochs’ am Spieß, Cocktails und Bier. Viel Bier. „Metaler trinken viel“, gibt Jens Tichatschke zu, wobei der Malermeister zum Leidwesen seines Getränkehändlers seit Monaten ganz auf Bier verzichtet. „Fünf Liter pro Person sind normal.“ Die Gastronomen am Ort dürfen sich also ruhig auf die ungewohnte Kundschaft freuen ...

Noch ist die Infrastruktur der Kleinstadt nicht für Festival-Gäste ausgelegt, die gern campen oder zumindest im VW-Bus oder Wohnmobil übernachten. Jens Tichatschke hat erfahren, dass Stellplätze im Rondell beim Wunnebad geplant sind, aber bis zum 22. September nicht fertig sein werden.

Planung begann bereits 2016

Mit der Planung hat Tichatschke übrigens schon Ende 2016 begonnen. Die Bands haben ihr Kommen seit über einem Jahr zugesagt. Ursprünglich wollte der Verein Weltenbummler das Festival veranstalten, stieg dann aber aus, weil ihm das finanzielle Risiko zu hoch war: 50 000 Euro kostet „Winnenden goes Metal“, Sponsoren tragen mit Geld und kostenlosem Verleih von Gabelstapler und Bauzäunen dazu bei, dass es nicht noch mehr wird. „Und die Leute vom Dalmstock-Festival in Leutenbach werden uns helfen“, freut sich Tichatschke.

Behördliche Auflagen schwierig

„Wir haben also unseren eigenen Verein gegründet, der genauso heißt wie das Festival. Und er ist gemeinnützig“, sagt Tichatschke. Weil pro verkauftem Ticket 1,50 Euro an die Winnender Tafel gespendet werden. „Und dann gucken wir mal, was noch übrig bleibt“, sagt der Vater eines 16-jährigen Sohnes, der mit seinen Kumpels Filme für die Website, Facebook und Youtube dreht.

„Ich weiß jetzt auch, warum es so wenige Festivals gibt: Die behördlichen Auflagen sind echt schwierig geworden“, berichtet Jens Tichatschke allein vom 56-seitigen Sicherheitskonzept, das in der 16. Version vom Rathaus akzeptiert wurde.

Hermann-Schwab-Halle erhält neue feuerfeste Vorhänge

Dass die bisherigen Vorhänge der Hermann-Schwab-Halle nicht mehr den Brandschutzauflagen genügen, darauf musste er allerdings die Stadt hinweisen. „Da habe ich was aufgerührt“, sagt er. Die Stadt wird neue Vorhänge anschaffen, die nicht entflammbar sind. Zum Schutz des Parkettbodens muss der Verein auf eigene Kosten eine Abdeckung anschaffen. „Das hat uns Ehrenamtliche Haare gekostet“, sagt Tichatschke. Trotz mancher Einschlafprobleme, ob denn wirklich alles glatt läuft bei der Festival-Premiere, kann er aber noch lachen. Und sich auf die geballte Power seiner Lieblingsmusik freuen.

Sailer: "Sensationell"

Bürgermeister Norbert Sailer sagt in seinem Grußwort: "Ich finde es sensationell, dass jemand so etwas bei uns organisiert." Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth erfuhr als Erster davon und bat ihn, es möglich zu machen. Norbert Sailer kennt die Metal-Szene aus seiner Heimatstadt Balingen, wo jedes Jahr das mehrtägige Festival "Bang your Head" stattfindet und wo seine Mutter noch immer lebt. "Die Musikfans sind angenehme Menschen, man sitzt im Café umringt von ihnen und es ist lustig. Die Szene hat keine Anzeichen von Gewalt, in Balingen gab es nie irgendetwas", sagt Sailer. Die Stadtverwaltung habe den Veranstaltern Vorgaben zur Lautstärke, zum Parken, zur Sicherheit gemacht. "Für uns ist das ein überschaubarer Aufwand. Alle zwei Jahre wird das durchaus zu stemmen sein", glaubt Sailer auch in diesem Fall an die vielgerühmte Toleranz und Offenheit der Winnender.

Das Festival

Das Festival findet am 22. September in der Hermann-Schwab-Halle statt. Der Vorverkauf hat begonnen, 200 Karten à 45 Euro sind bereits weg. In Winnenden gibt es sie direkt nur an der Agip-Tankstelle, Waiblinger Straße 67. Online kann man sie beim veranstaltenden Verein bestellen unter www.wgm-festival.de, bei eventim.de oder bei der Plattenfirma des Headliners www.nuclearblast.de.