Winnenden

Ein Stück Winnender Stadtgeschichte: Karl-Heinrich Lebherz – der Film

Lebherz
Karl-Heinrich Lebherz im Feuerwehrmuseum Winnenden, interviewt von Diethard Fohr. © Hans-Martin Fischer

Der Storchenkeller ist nahezu voll besetzt. Die Initiative Stadtmuseum in Gestalt von Stadtrat und Ruheständler Diethard Fohr präsentiert hier ihren Film über den Winnender Oberbürgermeister a. D. Karl-Heinrich Lebherz, der selbst anwesend ist. Der knapp 30-minütige Film zeigt sehr ruhig und gut strukturiert Einblicke in die Geschichte der Stadt.

Im Feuerwehrmuseum erzählt der heute 87-Jährige aus seiner Amtszeit im Winnender Rathaus. Von 1967 bis 1978 war er Leiter des Hauptamts, dann bis 1994 als Nachfolger von Hermann Schwab Oberbürgermeister. An der Kamera ist der Winnender Hans-Martin Fischer. Diethard Fohr moderiert das Gespräch. Ab und zu werden historische Fotos eingeblendet.

Beim Telefonieren blickte er aus dem Rathausfenster und studierte das Leben

Als Karl-Heinrich Lebherz 1967 seine Amtszeit im alten Fachwerk-Rathaus antrat, lebten in der Stadt gerade mal 11.800 Einwohner. Die Gebietsreform mit ihren Eingemeindungen hatte noch nicht stattgefunden. Lebherz erzählt lächelnd, wie er im ersten Stock des Rathauses beim Telefonieren aus dem Fenster sah und das Leben der Stadt studierte. Damals wurden die Bediensteten der Stadt noch bar an der Stadtkasse ausgezahlt.

Rührende Bilder von den roten Autos aus der AEG-Flotte

Der Film vermittelt nicht nur Informationen, sondern auch so etwas wie das Gefühl der Zeit damals. Das gelingt ihm über anekdotische Einblicke. Erzählt wird zum Beispiel von der Entstehung des Stadtteils Schelmenholz. Anlass war die Neuansiedlung der Firma AEG Elektrowerkzeuge. Das Unternehmen machte damals zur Auflage, dass genügend Wohnraum für die Mitarbeiter vorhanden sein müsse. Anfangs wurden die Häuser dort noch mit Kohle beheizt. Ein Bild zeigt ein weinrotes Auto aus der Flotte der AEG. Es trägt die Aufschrift „AEG Heimwerker. Geschaffen für moderne Männer“. Das Publikum lacht. Solche Bilder zeigen auf rührende Weise, wie die Jahrzehnte unsere Welt und den Blick darauf verändert haben.

Mit dem Schelmenholz war Winnenden gleich um einige Hundert Einwohner größer. Doch mit der Eingemeindung der umliegenden selbstständigen Kommunen wuchs die Stadt sprunghaft und wurde „Große Kreisstadt“.

Die Sporthalle als Fusionsprämie für den Birkmannsweiler Gemeinderat

Den Anfang machte Höfen 1970, das Ende Birkmannsweiler 1974. Die Bevölkerung von Birkmannsweiler hatte sich zunächst gegen eine Eingemeindung ausgesprochen. Doch die Sporthalle als Fusionsprämie konnte den Gemeinderat schließlich umstimmen. „Mit Speck fängt man Mäuse“, kommentiert Diethard Fohr das Vorgehen treffend. Lebherz schmunzelt. Das tut er viel in diesem Interview.

Die Städtepartnerschaft mit Albertville bekommt ein eigenes Kapitel. Lebherz erzählt berührend, wie die Treppe vor dem Rathaus in Albertville blockiert wurde, als die Delegation aus Winnenden erstmals dort zu Besuch war. Für die Aktivisten repräsentierten die Winnender den Aggressor Deutschland vom Zweiten Weltkrieg. Im Gespräch gaben sie dann den Weg frei. „Echte Friedensarbeit“, kommentiert Fohr.

Die Stadt hatte einige große Investitionen zu stemmen. Das Wunnebad und zuvor das neue Rathaus. Das alte Rathaus war viel zu klein geworden. Auf fünf Standorte war die Verwaltung verteilt. 24 Millionen Mark wurden für das neue Rathaus veranschlagt. „Am Ende hat es dann genau 24,4 Millionen Mark gekostet“, sagt Lebherz mit Stolz. Das klingt heute geradezu fantastisch.

Der Altbürgermeister ist ein begabter Erzähler. Mühelos findet er Details aus vergangenen Jahrzehnten in seinem Gedächtnis. Er wirkt mit sich im Reinen. Zum Schluss erzählt er von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für den Württembergischen Leichtathletik-Verband mit Sitz in Bad Cannstatt, die er nach seiner Verabschiedung im Rathaus begann. Und von seinem Engagement für das Feuerwehrmuseum als Zweiter Vorsitzender. Der Film über Karl-Heinrich Lebherz ist ein spannender Einstieg in die neuere Geschichte von Winnenden, aber auch eine vergnügliche Zeitreise für die, die schon lange in Winnenden leben. Der Altbürgermeister genießt „seinen“ Abend sichtlich. Mit roter Hose und grünem Hemd präsentiert er sich frisch und gut gelaunt. Diethard Fohr überreicht ihm einen Torturm aus Schokolade. Ein Besucher möchte wissen, ob die Stadt plane, die Hermann-Schwab-Halle durch einen visionären Bau zu ersetzen. Die sei doch etwas in die Jahre gekommen. „Ich bin gar nicht mehr Oberbürgermeister“, sagt Lebherz und schmunzelt wieder. Auch da wirkt er sehr mit sich im Reinen.

Der Storchenkeller ist nahezu voll besetzt. Die Initiative Stadtmuseum in Gestalt von Stadtrat und Ruheständler Diethard Fohr präsentiert hier ihren Film über den Winnender Oberbürgermeister a. D. Karl-Heinrich Lebherz, der selbst anwesend ist. Der knapp 30-minütige Film zeigt sehr ruhig und gut strukturiert Einblicke in die Geschichte der Stadt.

Im Feuerwehrmuseum erzählt der heute 87-Jährige aus seiner Amtszeit im Winnender Rathaus. Von 1967 bis 1978 war er Leiter des Hauptamts,

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