Winnenden

Eine Esskastanie in Hertmannsweiler als Zeichen der Hoffnung

Baumpflanzung
Pflanzung einer Esskastanie mit Bürgermeister Norbert Sailer (Mitte) und Gemeinderäten. © Gaby Schneider

Krieg und Krisen, wohin man schaut. Die Anpflanzung einer Esskastanie auf dem Gelände der Grundschule Hertmannsweiler hat da eine besondere Symbolkraft. Wenn die Welt von Bedrohungen und Gewalt bestimmt wird, sollten wir umso mehr das Gute sehen.

Eine Erholungspause war da der Tag des Baumes, den die Stadt zum 30. Mal zum Anlass für eine Neuanpflanzung nahm. „Es sind Symbole für Hoffnung, dass es weitergeht“, sagte Dr. Gerhard Strobel, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Kreisverband Rems-Murr. Winnenden als Gründungsmitglied des Kreisverbands Rems-Murr bekommt den Baum von der Schutzgemeinschaft zum 30. Jubiläum gespendet.

Pfarrer Weiß-Trautwein: Die Kinder werden ihren Weg machen

Der Zeitpunkt für einen neuen Baum hätte kaum besser gewählt werden können. Bäume bringen den Menschen Zuversicht, das wurde aus den Worten der bei dem symbolischen Pflanz-Akt Anwesenden deutlich. Er sei ein „Zeichen der Hoffnung“, dass die Kinder ihren Weg machen werden, sagte Pfarrer Hans-Peter Weiß-Trautwein, Zweiter Vorsitzende des Bürgervereins Hertmannsweiler. Der Verein und hier maßgeblich Mitglied Bogdan Voinea habe die Aktion angeregt und mit Unterstützung der Stadt und der Schutzgemeinschaft in die Wege geleitet.

Bei der Wahl der Baumart habe Armin Schröder, Leiter der Stadtgärtnerei, den Blick weit in die Zukunft gerichtet gehabt, den langen Lebenszyklus eines Baums und Aspekte des Klimawandels berücksichtigt, sagte OB Holzwarth.

Sie mag warme, sonnenexponierte Standorte. In einigen heimischen Weinregionen sei sie schon ganz selbstverständlich, ihr Holz diene dort dem Küferei-Handwerk zur Fassherstellung. Weinbezüge, Rebflächen und Winzer hat Winnenden ja auch. Als weiteren Aspekt rückte Holzwarth die Früchte des Baums in den Vordergrund. Es sei eine Baumart, die der Ernährung diene. Wir bekämen täglich mit, wie sich der Krieg in der Ukraine als Preistreiber für Getreide und Dünger auswirke. Vielleicht, so Holzwarth, werde das Mehl der sättigenden kleinen Früchte einmal eine bedeutsame Rolle in unserer Küche spielen.

Die Esskastanie war bereits 2018 Baum des Jahres. Dieses Jahr hat die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald die Rotbuche zum 34. Baum des Jahres gekürt.

Von ihr sei man abgewichen, berichtete Stadtgärtner Armin Schröder. Der sonnenverwöhnte Standort und der pädagogische Nutzen im Schulbetrieb sprächen für die Esskastanie. Konkrete Pläne für den Schulunterricht rund um den Baum gebe es nicht, sagte Schulleiterin Julia Strauss auf Nachfrage, doch eigne sich die Esskastanie sowohl zum Bauen und Basteln als auch für den Bereich Ernährung und Kochen.

Auch Kinder sind beim Festakt dabei

Strobel sprach auch von einer „wichtigen Geste“ für die Schulkinder. Einige sind beim Festakt in ihrem grünen Klassenzimmer dabei, in und mit dem sie ihren ersten Frühling erleben. Im Herbst sei alles installiert worden, was es zum naturnahen Lernen braucht, so die kommissarische Schulleiterin Julia Strauss: Rindenmulch und die von einer örtlichen Schreinerei gestifteten Holzbänke sowie Palettenkonstruktionen für diverse Pflanzen, Blumen und Kräuter. Ein Insektenhotel sei im Bau.

Die Schüler haben an alle Pflanzen und Bäume von Hand geschriebene Steckbriefe gehängt – auch an die Esskastanie. Sie wird in guter Gesellschaft wachsen, unter anderem stehen eine Kiefer und eine Eiche im Schulhofgelände, im Hintergrund zeigt eine Magnolie ihre schon prallen, geschwollenen Blüten. Im Hochbeet über dem Insektenhotel werden farbenfrohe Frühblüher schon bald von ersten Bienchen angesteuert.

Hoffnung auf Erdbeeren im Sommer

In ihren Beeten sollen die Schüler diesen Sommer Erdbeeren ernten können. Bis die ersten Schulkinder indes mit Esskastanien ihres Baum-Neuzugangs in Händen aus der großen Pause zurück in die Klassenzimmer kehren, werde es voraussichtlich vier Jahre dauern, so die Schulleiterin. Alle 48 Schüler hätten am Freitag zur Schaufel gegriffen, jedes Kind durfte einmal Erde auf die Pflanzstelle schütten. „Am meisten erstaunt waren sie, als sie hörten, dass der Baum zehn Jahre alt ist und damit älter als sie selbst“, sagte Julia Strauss. Gerhard Strobel wurde philosophisch, als er den indischen Dichter Rabindranath Tagore zitierte: „Wer Bäume setzt, obwohl er weiß, dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird, hat zumindest angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.“

Butterbrezeln statt Maroni für die Anwesenden

Die Enkel der heutigen Schüler werden eines Tages im Schatten der „Castanea sativa“ sitzen. Vielleicht eine Schale mit heißen Maroni in der Hand halten und sich im Geschichtsunterricht aus dem Jahr 2022 erzählen lassen, als Krieg und Pandemie den Menschen zu schaffen machten.

Eine Tüte mit heißen Maroni hätte bei dem eisigen Wind am Samstag auch zur Baumpflanzung gepasst. Doch die Butterbrezeln, die Bürgermeister Norbert Sailer in Papiertüten – denen von heißen Maroni auf Märkten verblüffend ähnlich – unter den Anwesenden verteilte, waren ebenfalls eine gerngesehene Überraschung.

Krieg und Krisen, wohin man schaut. Die Anpflanzung einer Esskastanie auf dem Gelände der Grundschule Hertmannsweiler hat da eine besondere Symbolkraft. Wenn die Welt von Bedrohungen und Gewalt bestimmt wird, sollten wir umso mehr das Gute sehen.

Eine Erholungspause war da der Tag des Baumes, den die Stadt zum 30. Mal zum Anlass für eine Neuanpflanzung nahm. „Es sind Symbole für Hoffnung, dass es weitergeht“, sagte Dr. Gerhard Strobel, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher

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