Winnenden

Eine Theatertruppe mit vielen Talenten

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Szene aus der Krimikomödie (von links): Jolina Rennings als Neureichentöchterchen, die Mutter spielte Flora Nasseri, den Butler Justin Selimanovic und den Vater Muriel Othmer. © Ramona Adolf

Winnenden. Den will man nicht zum Chef: Mit schneidender Stimme und zackigem Schritt spielt die Siebtklässlerin Muriel Othmer den neureichen Choleriker. Ein paar Szenen später schlüpft sie in die Rolle einer alten, aber scharfsinnigen Tante, spricht langsam, mit knarrender Stimme. Die Theater-AG offenbarte noch mehr solcher Talente – und machte den Zuschauern am Georg-Büchner-Gymnasium richtig Spaß.

Die Theater AG des Georg-Büchner-Gymnasium.

Mit leuchtenden Augen verfolgen die Mitschüler, Eltern, Verwandten und Lehrer die Dialoge auf der Bühne. Sie bekommen dank vieler Szenenwechsel eine abwechslungsreiche Krimikomödie von Barbara Peters geboten. Dennoch hätte das Stück von den Leitern der Unterstufen-Theater-AG, Frauke Tolksdorf und Lukas Hirscher, ruhig gestrafft werden dürfen. Eine Stunde und 45 Minuten war „Keine Freunde - keine Feinde?“ lang und bisweilen zu langatmig innerhalb mancher Szenen.

Stilbrüche in der Ausstattung als unterhaltendes Moment

Das soll die Leistung der Sechst- und Siebtklässler samt Maske, Kostümen, Requisite in keiner Weise schmälern. Es gab kaum Texthänger, obwohl viele am zweiten Aufführungstag zum ersten Mal auf der Bühne standen – die AG ist so beliebt, dass 32 Schüler mitmachen, die Rollen doppelt besetzt werden mussten. Außer Muriel Othmer hatte auch die natürlich auftretende und flüssig sprechende Lea Öttl, einmal als schlauer Gangster, einmal als alter Schwerenöter, zwei Rollen übernommen, die sie hervorragend ausfüllte.

Authentisch kommen auch Jolina Rennings als Neureichen-Tochter Lizzie, die entführt wird, und Larissa Lenz als armes Mädchen Anne rüber. Anne wird von den Gangstern benutzt, um das Entführungsopfer aus dem Haus zu locken, erkennt ihren Fehler und überwindet am Ende ihre schweren Gewissensbisse, vertraut sich dem Privatdetektiv an. Der Befreiung voran geht eine herrlich actiongeladene Szene, für die das Technikteam mit älteren Schülern, unter Leitung von Peter Barek, alles aufbietet: Zur Musik von „Mission Impossible“ wird die Bühne schwarz, Spot-Scheinwerfer zick-zackern von links nach rechts und erleuchten Polizisten, Privatdetektiv und Gangster, was Versteckerles und Verfolgungsjagd suggeriert.

Die Inszenierung ist ein permanenter Spagat zwischen dem England des ausgehenden 19. Jahrhunderts und dem modernen Deutschland, mit Anleihen aus den USA. Auch wenn der Mix auf den ersten Blick irritiert, kann man doch die Stilbrüche gut aushalten und sich davon unterhalten lassen. So laufen die Polizisten in (alter) deutscher Uniform herum, aber die Gangster tragen Hosenträger und Hüte, als wären sie in New York zu Zeiten der Prohibition. Ladys und Lords, alter englischer Adel, treffen sich zum gestelzten schrulligen Provinz-Teekränzchen, und der Privatdetektiv, den sich der US-Krimiautor Raymond Chandler nicht hätte schöner ausdenken können, lädt sich auch noch dazu ein. Die Gastgeberin ist nämlich seine Tante. Hier laufen ulkigerweise die Fäden der Recherche zusammen, der coole, keinem Flirt abgeneigte Philipp (Ben Rommel) befreit das Kind.

Das Happy End bietet übrigens einen Haufen Moral von der Geschicht’ und einen echten Mehrwert für das entführte Mädchen: Lizzie hat in Anne endlich eine Freundin gefunden, und der liebe Gangster Little Billy wird als neuer Butler angestellt. Der alte Butler schmort im Gefängnis, er hat die Entführung geplant, um sich für seine verschmähte Liebe zu rächen. Der lange Applaus gebührt dem gesamten Theaterteam zu Recht, das auch über die Längenklippen hinweg mit seinem engagierten Spiel die Spannung aufrecht gehalten hat.

Running Gag

Die Unterstufen-Theater-AG ließ das Publikum schnipsen, wenn das Thema der „Pink-Panther“-Krimikomödien erklang. Eine Art Running Gag.

Selbstironische Schlagzeilen riefen die Zeitungsverkäufer aus: „Später Ruhm für Georg Büchner: Gymnasium nach ihm benannt! Skandal: Erste Frau als Leiterin der Schule ernannt!“