Winnenden

Einkaufslaune in Winnenden: Der Impfpass wird zum Dokument des Tages

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Impfpass vorzeigen im Modegeschäft: Kommt jetzt häufig vor. © ALEXANDRA PALMIZI

Der Himmel kann grau sein. Leben kommt trotzdem auf in der Fußgängerzone am ersten Tag der Corona-Lockerung. Vor Geschäften stehen wieder Kleiderständer. Endlich können Händler ihre Türen öffnen. Durch die Marktstraße flanieren in lockeren Abständen Frauen, Männer und Kinder. Man sieht sich, man grüßt sich. Und man fragt sich immer wieder: Wer war das jetzt? Denn fast alle tragen die FFP2-Masken, die Mund und Nase bedecken. Es herrscht eine lockere Aufbruchstimmung, eine Freude auf Geschäfte und Händler, die man viele Wochen lang nicht mehr gesehen hat.

So ziemlich jeder weiß, dass er nicht einfach in den Laden eintreten kann wie vor Corona. Auch wenn an manchen Geschäften steht „Geöffnet“, „Come in“ – es ist ein bisschen kompliziert, man muss ziemlich sicher infektionsfrei sein, und das mit einem Negativ-Testergebnis, einem Impfpass oder einem Attest für Corona-Genesene nachweisen, und man muss einen Termin haben oder bekommen, um die Innenräume eines Geschäfts aufzusuchen.

Zwölf Minuten Wartezeit vor der Corona-Teststation

Kunden haben sich daran gewöhnt, dass sich alle paar Tage etwas ändert in Corona-Zeiten. Wer am Freitag gleich bei den Ersten im Laden sein will, der ist vorbereitet, oder er geht schnell zu einer Teststation. Auf dem Marktplatz warten schon elf Personen mit jeweils 1,50 Meter Abstand und Masken. Nach zwölf Minuten kommt man dran. Nasepopeln, weitergehen. Nach weiteren 15 Minuten bekommt man sein Testergebnis – auf Papier oder auf dem Handy. Mit dem Papier kann man einkaufen gehen, wenn man einen Termin hat oder wenn man vor dem Geschäft wartet und fragt, ob man gerade einen Termin bekommen kann.

Die städtischen Kontrolleure finden einen gut vorbereiteten Handel vor

Warteschlangen bilden sich allerdings schon am Freitagvormittag. Bei Metzger Kühnle, zum Beispiel, ist die Schlange länger als an den Tagen zuvor. Bei Ernstings Family kommt auch nicht jeder sofort rein. Die Türen sind zwar offen, Aber es steht eine Sperre am Eingang. Die Läden haben eine Höchstzahl an Personen, und die Verkäuferinnen prüfen, wen sie einlassen. Zufällig kommt gerade der städtische Vollzugsdienst vorbei, der an dem ersten Lockerungstag gleich das Einhalten aller Vorschriften prüft. Die beiden Männer schauen draußen die Plakate an, sehen, wie der Eingang gesperrt ist, bitten um Einlass, fragen nach Desinfektionsmittel, nach den Registrierformularen und verabschieden sich freundlich wieder. „Es sieht erfreulich gut aus“, lässt Martin Bautz durchblicken. Geschäftsleute halten die Regeln ein und freuen sich, dass sie damit öffnen dürfen.

Peter Kübler von Foto-Heincke fragt die Leute nach Tests, und es klappt ganz gut, erzählt er. Allerdings merkt er auch, was gerade kurz vor Pfingsten sehr gefragt ist: Passbilder! Manche wollen jetzt noch ganz schnell weg in Urlaub. Bevor sie abreisen, bringen sie aber ein bisschen mehr Leben in die Innenstadt.

Vor der Teststation entwickeln sich Dialoge unter den Wartenden: „So losch dr au no in dr Nas bohra?“ „Jo. I muss no. Aber bloß no die Woch. No krieg i mein zwoita Piks. Denn isch rum.“ Zwei Mädchen warten schon länger und erfahren beiläufig, dass man seinen Krankenversicherungsausweis vorzeigen muss, wenn man sich nicht vorher angemeldet hat. „Was? Wirklich? Ach so.“ Sie drehen ab und kommen eine halbe Stunde später wieder.

Händler denken auch an ihren eigenen Schutz: Einzelne sind schon zweimal geimpft

Ansonsten hat sich die Sache mit den Tests ganz gut eingespielt. Doris Schüle vom Modegeschäft in der Turmstraße hat gleich am Freitagmorgen eine Kundin aus Backnang, die sich telefonisch angemeldet hat. Sie geht noch schnell nach Leutenbach zum Schnelltest, und dann kommt sie einkaufen. „Unter meinen Kunden sind ganz viele schon zweimal geimpft“, erzählt sie freudig. Der Impfpass, das gelbe Büchle, wird zum Dokument des Tages. In Klarsichthüllen packen ihn manche ein, damit ihm ja nichts passiert. Er ist der Passierschein ins Einkaufsvergnügen. Doris Schüle braucht gar nicht groß zu fragen – die Leute zeigen von alleine ihre Bescheinigungen vor. Sie hat Formulare selbst gestaltet und in Vorrat für die Registrierung aller Kunden. Desinfektionsmittel stehen bereit. Gut gelaunt erzählt sie von ihren Vorbereitungen und ihren Kunden.

Und wie schützt sie sich selbst? Sie strahlt: „Ich bin zweimal geimpft. Das ist ein Riesengefühl! Man ist sicher, dass einem das Virus nicht mehr viel anhaben kann.“ Draußen tröpfelt es ein wenig. Sie wird die Kleiderständer von draußen wieder reinholen müssen. Der Frühling fehlt noch a bissle. Aber das ist zweitrangig. „Was einfach schön ist: Wenn man seine Ladentür wieder aufmachen darf. Es geht aufwärts!“

Der Himmel kann grau sein. Leben kommt trotzdem auf in der Fußgängerzone am ersten Tag der Corona-Lockerung. Vor Geschäften stehen wieder Kleiderständer. Endlich können Händler ihre Türen öffnen. Durch die Marktstraße flanieren in lockeren Abständen Frauen, Männer und Kinder. Man sieht sich, man grüßt sich. Und man fragt sich immer wieder: Wer war das jetzt? Denn fast alle tragen die FFP2-Masken, die Mund und Nase bedecken. Es herrscht eine lockere Aufbruchstimmung, eine Freude auf Geschäfte

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