Winnenden

Einmal Winnenden-Kaisersbach und zurück: Buslinie 330 hat ihre Probezeit bestanden

Buslinie 330
Morgens um 9.07 Uhr, zum Beispiel, fährt dieser Bus von der Winnender Daimlerstraße ab in Richtung Kaisersbach. © Gabriel Habermann

Die Buslinie 330 ist eine der landschaftlich schönsten und eine besonders lange im Landkreis. Von Kaisersbach nach Winnenden führt sie. Bringt morgens im Stundentakt Arbeitnehmer aus Berglen ins Winnender Industriegebiet, Angestellte aus Rudersberg zur S-Bahn nach Stuttgart, und fährt am Sonntagmorgen Winnender Wanderer nach Althütte, von wo sie zur Gallengrotte wandern. Das alles und noch viel mehr kann die Linie 330. Dass sie vor 2018 überhaupt nicht existierte, dass damals kein Mensch mit dem Bus ohne umzusteigen quer über die Berglen von Kaisersbach nach Winnenden gekommen ist, kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Stammkunden haben sich an diesen Service des Verkehrsverbunds gewöhnt, und die sporadischen Nutzer, wie die Wanderer, haben sie in ihre Tourenpläne einkalkuliert. Diese Woche beschloss der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats, dass er in diesem Jahr noch mal einen Zuschuss von 7054 Euro für diese eine Linie bezahlt, und erfuhr zugleich, dass Winnenden ab dem nächsten Jahr gar nichts mehr bezahlen muss, obwohl die Linie täglich mindestens alle zwei Stunden weiterhin fährt.

Die meisten Fahrgäste auf dem Abschnitt Winnenden-Rudersberg

Wie alle Buslinien fährt auch der Bus nach Kaisersbach nicht komplett kostendeckend. Aber in Zeiten der Corona-Lockerung, im letzten Sommer zum Beispiel, da hatten die Busse doch im Durchschnitt elf bis 20 Personen bei jeder Fahrt dabei. Die meisten fahren nur Streckenabschnitte, steigen in Kaisersbach ein und in Oppelsbohm wieder aus. Aber der VVS (Verkehrsverbund Stuttgart) hat besonders mit dem Streckenabschnitt Winnenden-Berglen-Rudersberg so viele Fahrgäste gezählt, dass er jetzt sagt: Das ist ein Basisangebot, es ist ein sinnvoller Lückenschluss im Busnetz, den der Landkreis unbedingt beibehalten will. Der Bus bewegt an Schultagen täglich rund 430 Fahrgäste, an Ferientagen 380. Er wird also gebraucht, sogar von Schülern für die Fahrt zur Schule, obwohl er dort gar nicht direkt hinfährt.

Die Buspassagiere aus Berglen fahren ja immer über die Südumgehung nach Winnenden rein und der erste Halt ist dann beim Kreisklinikum. Von dort ist man zu Fuß in zehn Minuten bei den Schulen. Das geht auch. Selbstverständlich ist der Klinikhalt ansonsten für viele wichtig, die einen Angehörigen im Klinikum besuchen wollen oder einen Termin im Ärztehaus haben.

Die Verbindung von Berglen ins Industriegebiet ist wichtig

Der nächste Halt ist dann bei Farben-Sommer im Industriegebiet – fraglos ein wichtiger Haltepunkt für Arbeitnehmer, die bei Sportgeräte Benz, beim Obi, beim Rewe oder einigen weiteren arbeiten. Von dort geht es weiter zum Bahnhof Winnenden mit allen S-Bahn- und Regionalbahn-Möglichkeiten und dem zentralen Omnibus-Bahnhof. Diese Haltestellen werden gut genutzt, heißt es im Bericht des Landkreises, und viele Busgäste steigen auch in Oppelsbohm, Althütte oder Rudersberg ein und aus.

Die insgesamt 7000 Euro Zuschuss, die die Stadt noch in diesem Jahr für die Buslinie bezahlen muss, wurden vom Verwaltungsausschuss einstimmig akzeptiert. „Es ist kein hoher Betrag, aber er ist höher als angenommen“, erklärte Ordnungsamtsleiterin Beatrice Hertel in der Sitzung.

Bis Kaisersbach braucht der Linienbus laut Fahrplan 53 Minuten

Die Linie 330 startet werktags morgens um 5.17 Uhr in Kaisersbach, fährt zunächst stündlich, später alle zwei Stunden. Wer die ganze Strecke über Oppelsbohm, Rudersberg an 28 Haltestellen vorbei bis nach Kaisersbach fährt, sitzt 53 Minuten im Bus und bezahlt für die Strecke 4,40 Euro. Alle Busverbindungen findet man auf der Homepage des VVS im Internet.

Dort erfährt man auch, dass man auf anderen Wegen nach Kaisersbach gelangen würde, gäbe es nicht diese Linie 330: Mit der Regionalbahn nach Schwäbisch-Hall-Hessental und dann mit dem Bus 375 nach Kaisersbach – das dauert nur ein paar Minuten länger, nämlich eine Stunde.

Ohne den Bus 330 wäre die Fahrt nach Rudersberg auch möglich

Abenteuerlicher würde die Fahrt nach Rudersberg ohne die Linie 330. Sie dauert wesentlich länger als die direkte Busfahrt, braucht aber zwei Umstiege: Regionalbahn nach Waiblingen, dann Regionalbahn nach Schorndorf, dann Wieslauftalbahn. Oder ganz abenteuerlich: Bahn bis Backnang, Bus bis Rudersberg Nord, Wieslauftalbahn bis Rudersberg – dauert knapp eine Stunde mit zweimal Umsteigen, während die Linie 330 eben doch bloß knapp eine halbe Stunde braucht.

Die Buslinie 330 ist eine der landschaftlich schönsten und eine besonders lange im Landkreis. Von Kaisersbach nach Winnenden führt sie. Bringt morgens im Stundentakt Arbeitnehmer aus Berglen ins Winnender Industriegebiet, Angestellte aus Rudersberg zur S-Bahn nach Stuttgart, und fährt am Sonntagmorgen Winnender Wanderer nach Althütte, von wo sie zur Gallengrotte wandern. Das alles und noch viel mehr kann die Linie 330. Dass sie vor 2018 überhaupt nicht existierte, dass damals kein Mensch mit

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