Winnenden

Energie-Krise und Preis-Explosion: Wie Bäcker Maurer aus Winnenden das stemmen will

BaeckerMaurer
Bäckermeister Tobias Maurer in der Filiale an der Marktstraße. © Gaby Schneider

Ganz sicher hat Tobias Maurer schon angenehmere Zeiten durchlebt. „Dass die Stimmung bei uns Bäckermeistern gerade nicht allzu gut ist, ist bekannt. Jeder dachte, dass es nach Corona aufwärtsgeht“, erzählt er beim Gespräch in der Filiale an der Marktstraße.

Jüngst ein Einbruch in Winnenden, vor allem aber steigende Rohstoffpreise und explodierende Energiekosten: Bei einem Bäckereiunternehmen wie Maurer macht sich das mit seinen 43 Filialen und über 500 Mitarbeitern bemerkbar. Wie stellt er sein Unternehmen für die Zukunft auf?

Mehl kostet doppelt so viel, verglichen mit dem vergangenen Jahr

Bevor Tobias Maurer ausführt, wie stark sich die Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten verändert haben, nimmt er einen Schluck aus seiner Espressotasse. „Die unfassbar hohen Energiepreise sind nur die halbe Miete. Ich mache zwei Beispiele“, beginnt der Bäckermeister. „Beim Mehl reden wir vom doppelten Preis, verglichen mit dem Vorjahr.“ Während Maurer und sein Team bis in das vergangene Jahr ohne großartig darüber nachzudenken eine Lkw-Lieferung bestellen konnten, müssen sie in der momentanen Situation mehr denn je überlegen, wann und zu welchen Konditionen sie zuschlagen.

„Beispiel zwei ist die Butter, von der wir 60 Tonnen im Jahr verschaffen“, fährt der Bäckermeister fort. Hierfür habe sich der Preis innerhalb eines Jahres gar verdreifacht. Dabei hat Maurer erst im Frühjahr 2021 von Margarine auf Butter umgestellt. „Wir haben einfach gemerkt, dass die süßen Stückle mit Butter deutlich besser und saftiger sind“, erklärt Tobias Maurer den Grund für die Mehrkosten von rund 300.000 Euro.

Aufgrund der Preissteigerung wieder zurück zur Margarine zu schwenken, kommt für ihn aber nicht infrage. „Das ist eine Frage der Qualität und dafür stehen wir. Das unterscheidet uns zum Beispiel von Discountern“, sagt der Bäckermeister.

Kaufen die Kunden beim Discounter statt beim Bäcker?

Eine Abwanderung seiner Kundschaft hin zur günstigeren Konkurrenz verzeichnet er bislang nicht. „Vorstellbar ist es schon, dass der ein oder andere sein Brot irgendwann beim Discounter kauft, wenn die Kosten im Alltag weiter steigen“, befürchtet Maurer. Zumal die Konkurrenten meist vollautomatisch produzieren, die Maschinen immer besser werden. Bedenken müsse man, dass ein Kilo Schweizerbrot in seinen Filialen momentan 3,75 Euro kostet. „Ein Laib ergibt ungefähr 30 Scheiben. Eine Scheibe kostet dann etwas mehr als 12 Cent. Das finde ich nach wie vor relativ günstig“, rechnet der Bäckermeister vor.

Ob er seine 43 Filialen allesamt weiterbetreiben kann, sollten die Kunden trotzdem abwandern? „Die Anzahl meiner Läden ist mir relativ egal. Den Maurer soll es auch nach der Krise geben, und zwar einen gesunden Maurer. Und die Mitarbeiter sollen ihr Geld bekommen“, antwortet der Bäckermeister. Klar ist für ihn allerdings jetzt schon, dass sich das Geschäft nachhaltig verändern wird. „An die Preise vor der Pandemie werden wir nicht mehr rankommen, auch nicht, wenn die Krise irgendwann vorbei ist“, ist er sich sicher.

Bereits zweimal in diesem Jahr hat Tobias Maurer die Preise für seine Backwaren nach oben korrigiert, wahrscheinlich folgt im Herbst eine dritte Anpassung. Seine Mitarbeiter haben in diesem Jahr zudem (ebenfalls zweimal) eine Lohnerhöhung erhalten, schließlich haben diese auch mit den gestiegenen Kosten im Alltag zu kämpfen, sagt er.

Öltank ertüchtigt, falls das Gas knapp wird

Damit auch in den Filialen weniger Kosten anfallen, soll, wo noch nicht geschehen, auf LED-Beleuchtung umgerüstet werden. Vorgesorgt hat der Bäckermeister zudem für den Fall, sollte im Herbst oder Winter das Gas knapp werden. „Wir haben unsere Öltanks, die seit acht Jahren nicht mehr im Betrieb sind, ertüchtigt und gefüllt. Das hat uns 40.000 Euro gekostet“, erzählt Maurer. Im Notfall könne er damit 50 Prozent der Öfen in der Zentrale an der Linsenhalde betreiben. „Das ist natürlich viel Geld für einen Fall, der vielleicht gar nicht eintritt. Wenn wir allerdings einen oder mehrere Tage gar nicht produzieren könnten, dann würde es uns weitaus schlimmer treffen.“

Maurer setzt auf Regionalität, das erweist sich nun als Vorteil

Natürlich hofft Maurer, dass diese Notlage an seinem Unternehmen vorbeizieht. „Unsere Struktur mit kurzen Wegen kommt uns momentan sehr entgegen, wenn ich beispielsweise an die Spritpreise denke. Alle unsere Filialen befinden sich in einem Radius von 25 Kilometern, mit Ausnahme von Stuttgart-Zuffenhausen“, erzählt er. Zudem kommt ein Großteil des Korns vom Schmidener Feld in Waiblingen. „Regionalität hat ganz klar Vorteile. Wir müssen jetzt zum Beispiel nicht auf Getreide aus der Ukraine warten.“ Zudem freut Maurer sich, dass die in diesem Jahr lange anhaltende Dürre auf die Erträge der Landwirte, mit denen er zusammenarbeitet, keine Auswirkungen gehabt hat. „Die Ernte war in diesem Jahr wirklich toll“, sagt er.

Klar ist, dass sich das Tätigkeitsfeld des Bäckermeisters in den vergangenen Monaten verändert hat. Mehr denn je beschäftigt er sich mit strategischen Fragen. „Wir setzen uns viel intensiver mit Rohstoffpreisen auseinander, hier bin ich nahezu täglich im Gespräch mit unseren Mitarbeitern.“ Auch mit Zukunftsfragen in der Branche beschäftigt sich der Winnender. So müsse man zum Beispiel über Öffnungszeiten einer Bäckerei nachdenken. Maurer nennt als Beispiel Edeka-Kaufmann Dieter Hieber, der seine 16 Märkte im Moment mittwochnachmittags geschlossen lasse. „Wenn die Betriebe ruhen, benötigen sie auch kaum noch Strom“, sagt Maurer. Ebenso seien vermutlich auch die Arbeitszeiten in Zukunft nicht haltbar. „Man muss danach gucken, tagsüber zu produzieren“, sagt Maurer und denkt dabei auch an die Problematik, die Bäckermeister von morgen für den Beruf zu gewinnen.

Denn Tobias Maurer ist nach wie vor begeistert von seinem Handwerk. „Ein Brot ist ein Genussmittel. Ganz einfach mit ein wenig Butter obendrauf, vielleicht noch ein bisschen Salz. Dazu Gemüse aus dem Garten. Herrlich“, schwärmt er.

Ändern kann daran auch nichts der Einbruch in der Filiale an der Marktstraße in der Nacht auf den Montag. Immerhin haben die Täter nichts geklaut.

Ganz sicher hat Tobias Maurer schon angenehmere Zeiten durchlebt. „Dass die Stimmung bei uns Bäckermeistern gerade nicht allzu gut ist, ist bekannt. Jeder dachte, dass es nach Corona aufwärtsgeht“, erzählt er beim Gespräch in der Filiale an der Marktstraße.

Jüngst ein Einbruch in Winnenden, vor allem aber steigende Rohstoffpreise und explodierende Energiekosten: Bei einem Bäckereiunternehmen wie Maurer macht sich das mit seinen 43 Filialen und über 500 Mitarbeitern bemerkbar. Wie

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