Winnenden

Erbitterter Ehekrieg: Paar aus Winnenden streitet vor dem Amtsgericht Waiblingen

Amsgericht Waiblingen
Am Amtsgericht Waiblingen wurde der Fall eines zerstrittenen Ehepaars aus Winnenden verhandelt. Symbolfoto: Büttner © Benjamin Büttner

„Bitte nehmen Sie die Drohungen meiner Frau ernst. Ich tue es, denn Sie hat bisher alles verwirklicht, was sie angekündigt hat, egal, welche Folgen dies auch hatte.“ Fast flehentlich wandte sich der 69-jährige Zeuge am Amtsgericht Waiblingen sowohl an Richterin Basoglu-Waselzada wie auch an den Staatsanwalt, die sich einen Eindruck von der 70-jährigen Angeklagten zu verschaffen hatten.

Widerspruch gegen Strafbefehl eingelegt

Der Vorwurf, weswegen diese sich zu rechtfertigen hatte: Sie habe ihrem Mann gegenüber wiederholt geäußert, sie werde aus dessen Haus in Winnenden, in dem sie seit der Trennung lebt, nicht ausziehen und es auch nicht lebend verlassen. Vorher werde sie es anzünden und sich umbringen.

Wegen dieser angeblichen, mindestens zehnmal vorgebrachten Äußerungen hatte die Rentnerin einen Strafbefehl erhalten, gegen den sie frist- und sachgerecht Widerspruch einlegte, so dass es in Waiblingen zur mündlichen Verhandlung kam.

Niemals, versicherte die Angeklagte, habe sie eine derartige Drohung ausgesprochen. Ihr Mann und sie hätten 1987 geheiratet. Seit mehreren Jahren schon lieferten sie sich einen erbitterten Scheidungskrieg, in dessen Verlauf sie allein 60.000 Euro an Anwalts- und Gerichtskosten angehäuft habe, „weil ich ständig gegen meinen Mann kämpfen muss, der mir das Leben zur Hölle macht“.

Die Noch-Ehefrau schon achtmal angezeigt

Insgesamt achtmal habe er sie bereits angezeigt, so gut wie nach jedem persönlichen Gespräch, das sie in der jüngsten Vergangenheit miteinander geführt hätten. Deshalb habe sie seit Mai dieses Jahres auf Anraten ihres Anwalts mit ihrem Mann überhaupt keinen direkten Kontakt mehr.

Wahr sei, versicherte sie vor Gericht, dass sie ihren Mann, der mittlerweile in einem Nachbarort bei seiner Freundin lebe, mehrfach gewarnt habe, wenn es mit ihrem Streit so weitergehe, dann werde er am Ende von dem Haus überhaupt nichts bekommen, es bleibe voll und ganz bei den Anwälten und der Bank.

Haus gehört eigentlich dem Mann

Das Haus, das in besseren Zeiten einst Familienwohnsitz war, ist im Grundbuch als Eigentum des Ehemanns eingetragen. Nun lebt die Frau allein darin, und es ist einer der Hauptzankäpfel im Rahmen des im September 2021 eingeleiteten Scheidungsverfahrens. Der Noch-Ehemann erklärte vor Gericht, er müsse es verkaufen, um den gesetzlichen Versorgungsausgleich stemmen zu können und seine eigenen Ausgaben, die sich im Verlauf des Ehekriegs angehäuft hätten, bezahlen zu können. Seine Frau wolle das Haus aber für sich. Sie sei der Ansicht, es stehe rechtmäßig ihr zu, da sie bisher alle Kosten und Ausgaben mitgetragen habe. Er habe sich verpflichtet, das Haus nicht zu veräußern, solange das Ehescheidungsverfahren laufe. „Aber ich bin dafür, dass sie auszieht.“

Ein Fall fürs Familiengericht

Mittlerweile „verschanze“ sie sich in dem Haus, lege Scheinkonten an, sei Mitglied einer Sekte geworden. Seine neue Lebensgefährtin sei bedroht und geschlagen worden, ihn selbst habe man ebenfalls geschlagen, berichtet der Mann.

„Wir sind hier in einem Strafprozess“, unterbrach der Vertreter der Staatsanwaltschaft den Ehemann, „und nicht im Familiengericht.“ In dieser Verhandlung gehe es ausschließlich um die angebliche Bedrohung und ob eine Straftat vorliege. Der Wunsch, dass die Ehefrau ausziehe, sei nachvollziehbar, aber in dieser Sache nicht relevant. „Alles andere müssen Sie im Familiengericht beantragen.“

Der Polizeibeamte im Zeugenstand glaubt der Frau 

Für den Polizeibeamten des Winnender Polizeireviers, der mit dem Streit des Ehepaares befasst ist, ist für dieses Strafverfahren der familiäre Hintergrund ausschlaggebend. Das erklärt er im Zeugenstand. Der Ehemann versuche, in dem Scheidungsverfahren so gut wie möglich wegzukommen, die Frau habe Angst, ihr Wohnrecht zu verlieren. Er, der Polizist, habe sie nach der Anzeige im Mai aufgesucht und auch die Gefährderansprache nach Paragraf 29 des Polizeigesetzes gehalten. Sie habe ihm gegenüber versichert, niemals mit dem Anzünden des Hauses gedroht zu haben. Er glaube ihr, da sie ihm gegenüber stets aufrichtig und ehrlich gewesen sei, auch wenn ihr dies zu ihrem Nachteil gereicht habe.

Mit Zustimmung des Vertreters der Staatsanwaltschaft und der Angeklagten verkündete die Richterin, das Verfahren nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung wegen Geringfügigkeit ohne Auflagen einzustellen. Es seien keine unabhängigen Zeugen vorhanden, beide Noch-Ehepartner gleichermaßen glaubwürdig. Die Verhandlung ist damit geschlossen – ein Ende des Rosenkriegs hingegen nicht in Sicht.

„Bitte nehmen Sie die Drohungen meiner Frau ernst. Ich tue es, denn Sie hat bisher alles verwirklicht, was sie angekündigt hat, egal, welche Folgen dies auch hatte.“ Fast flehentlich wandte sich der 69-jährige Zeuge am Amtsgericht Waiblingen sowohl an Richterin Basoglu-Waselzada wie auch an den Staatsanwalt, die sich einen Eindruck von der 70-jährigen Angeklagten zu verschaffen hatten.

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Der Vorwurf, weswegen diese sich zu rechtfertigen

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