Winnenden

Erst 13 und schon Dauerdieb

Jugendkriminalität Diebstahl klau klauen....
Symboldbild. © Büttner / ZVW

Winnenden. Sie gelten bereits als „polizeibekannt“ – im zarten Alter von 13 Jahren. Zwei junge Knilche sollen jüngst aus der Stöckachsporthalle in Winnenden mehrere Handys, Bargeld und Schuhe gestohlen haben. Auf das Konto der beiden gehen jede Menge Diebstähle und andere Gaunereien. Der Polizei sind die Hände gebunden, das Jugendamt ist dran an dem Fall.

Viel Zeit für Schule scheinen die zwei Jungs nicht zu haben. Am späten Montagvormittag waren sie bereits dabei ertappt worden, wie sie in einen Fahrradschuppen in der Langen Gasse in Winnenden einbrechen wollten. Ein Zeuge beobachtete die beiden, wie sie mit Hilfe eines Geißfußes, das ist ein messerartiges Gerät, versuchten, den Schuppen aufzubrechen. Der Zeuge hielt die beiden Jungen zwar bis zum Eintreffen der Polizei fest – doch diese kann nichts weiter tun, als die Personalien festzuhalten und alle Beteiligten zum Vorfall zu befragen.

Noch sind die Jungen nicht strafmündig

13-Jährige sind nicht strafmündig; die Polizei kann Kinder weder mitnehmen, geschweige denn einsperren. Strafmündig sind Jugendliche erst ab einem Alter von 14 Jahren. Allerdings erhält das Jugendamt in einem Fall wie diesem Nachricht. Dort kennt man die beiden seit längerem; die Suche nach bestmöglichen Angeboten läuft bereits.

Es sieht so aus, als ob sich die Jungs von ihrem Misserfolg beim versuchten Einbruch am Montagvormittag nicht einschüchtern ließen. Sie werden dringend verdächtigt, ihren kriminellen Streifzug an diesem Tag unbeirrt fortgesetzt zu haben. Gegen 15.45 Uhr erstattete eine Imbissbesitzerin in der Alfred-Kärcher-Straße Anzeige wegen Diebstahls von 250 Euro aus der Kasse. Die beiden Buben stehen laut Polizei in dringendem Verdacht, für diesen Diebstahl verantwortlich zu sein, weil sie der Imbissbesitzerin zuvor Handys und Uhren zum Verkauf angeboten und sich nahe dem Imbiss aufgehalten hatten. Zuvor waren in der Zeit zwischen 15.25 und 16.55 Uhr aus einer Damenumkleide der Stöckachsporthalle mehrere Handys, Bargeld und Straßenschuhe gestohlen worden. Auch dieser Diebstahl könnte auf das Konto der beiden Jugendlichen gehen, mutmaßt zumindest die Polizei.

"Der lässt sich nicht bändigen"

Von einem der beiden 13-Jährigen sagt die Polizei, „der lässt sich nicht bändigen“. Er und sein Kumpel seien die treibenden Kräfte, wenn Jugendliche in Gruppen mit wechselnder Besetzung immer wieder zu Klau-Streifzügen starten. Die beiden seien „kräftig unterwegs“, die Polizei hat in der Vergangenheit bereits „eine Vielzahl an Taten registriert“. Das Verhalten der beiden falle zwar schon aus dem Rahmen, was Alter und Häufigkeit der Taten angehe, sagt ein Polizeisprecher. Trotzdem ist es für die Polizei „nicht ganz außergewöhnlich“, mit derart jungen Tätern konfrontiert zu sein.

Die Justiz kann wegen des zarten Alters der Buben nicht eingreifen, das Jugendamt aber schon. Zudem versucht die Polizei mit dem Programm „jugendliche Intensivtäter“ zusammen mit dem Jugendamt und der Justiz, junge Täter so schnell wie möglich in die richtige Richtung zu lenken. Einer der beiden 13-Jährigen ist an dieses Programm bereits angebunden. „Wir arbeiten dran mit Hochdruck“, verspricht der Polizeisprecher.

Das Jugendamt Rems-Murr gibt natürlich aus Datenschutzgründen keine Auskunft zu konkreten Fällen. Ganz allgemein: Lassen sich Minderjährige etwas zuschulden kommen, sucht das Amt immer Kontakt zu den Eltern und bietet Hilfen an. Denkbar ist, das Kind nimmt an sozialpädagogischen Gruppen teil oder die Familie erhält eine Erziehungsbeistandschaft, um der Probleme Herr zu werden. In krassen Fällen kann die Unterbringung des Jugendlichen in einem Heim angezeigt sein. Laut Landratsamt-Sprecherin wird das Amt nur im äußersten Notfall versuchen, mittels Familiengericht den Eltern das Sorgerecht zu entziehen.

Strafmündigkeit

Strafmündig sind Jugendliche ab einem Alter von 14 Jahren. Strafmündig heißt, der Gesetzgeber traut dem Betroffenen zu, die Folgen seiner Handlungen so weit zu überblicken, dass er bewusst anderen schaden kann.