Winnenden

Erste Erfolge in der Integration

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Symbolbild. © Sarah Utz
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Ein Kurs für Flüchtlinge zum Umgang mit Energie – einer von vielen Beiträgen zur Integrationsarbeit.

Winnenden. Fast jeder kennt einen Flüchtling, grüßt ihn, redet mit ihm bei Gelegenheit. Ist dann dieser Flüchtling integriert? Nicht im offiziellen Sinne. Die Integrationsmanagerinnen der Stadt verlangen viel von einem Migranten, wenn er als integriert gelten soll. Bis jetzt haben 20 Winnender Flüchtlinge dieses Ziel offiziell erreicht.

Die Zahl ist klein, wenn man weiß, dass in Winnenden insgesamt 495 Flüchtlinge leben. Dennoch bekamen Manuela Voith und Sabine Mamedov, erste und zweite Chefin der Stabsstelle für Integration, einen riesigen Beifall von den Winnender Gemeinderäten für ihren Integrationsbericht zum Jahr 2018. Beide Frauen sprachen mit großer Eloquenz und ohne Manuskript im Sitzungssaal, ließen keine der vielen Fragen unbeantwortet, hatten für jede eine passende Geschichte und die notwendigen präzisen Zahlen parat, so dass Gemeinderäte nacheinander höchstes Lob aussprachen.

 

Mohr: „Ein zielgerichtetes Konzept, das Modellcharakter hat“

„Bei uns in der Stadt gibt es keine erkennbaren Probleme – das zeigt, dass Sie den richtigen Weg gehen“ (Bettina Jenner-Wanek, CDU). „Ich habs Gefühl, es wird immer diffiziler, aber Sie machen eine gute Arbeit“ (Ingrid Hecht-Hatzis, FWV). „Es ist eine tolle Sache, dass Sie zu jedem möglichen Förderprogramm gleich einen Antrag stellen und damit unsere Finanzen entlasten“ (Nicole Steiger, FDP). „Sie arbeiten nach einem fundierten, zielgerichteten Konzept, das Modellcharakter hat“ (Christoph Mohr, ALI).

Mamedov und Voith berichteten von den Ehrenamtlichen vom Freundeskreis Flüchtlinge, von Gudrun Obleser, die gratis Deutschkurse gibt, von der internationalen Fußballmannschaft der SV Winnenden und vom Engagement der Sportler und Trainer für die Integration. Von der größten Hürde für die Integration, der Sprache, von ausgebuchten Sprachkursen, berichteten sie und von Menschen, die zunächst das Lernen lernen müssen und von solchen, die außer der Fremdsprache Deutsch auch noch das Schreiben und Lesen erlernen müssen.

Die eigentliche Arbeit der drei Integrationsmanager und der Stabsstellenleiterin ist Überzeugungsarbeit, Vermittlung von Hilfen – knapp gesagt: Fordern und Fördern.

 

 

495 Flüchtlinge wohnen in Winnenden. Wer im Wohnheim wohnt, wird von den Integrationsmanagerinnen erreicht. 174 der Winnender Flüchtlinge sind im Gespräch mit den Integrationsmanagern und machen Fortschritte. In vier Handlungsfeldern sollen sie sich integrieren: Wohnung, Sprache, Arbeit, Leben. Fürs Wohnen helfen Privatleute und die städtische Immobilienmanagerin Angela Eberl. Volkshochschule und Ehrenamtliche helfen mit Sprachkursen schon sehr viel. Aber der Bedarf wäre noch größer. In Arbeit vermitteln die Integrationsmanager zusammen mit der Arbeitsagentur. Und im Leben vernetzten sich Flüchtlinge vor allem über Vereine, Sport, Kirchen, Freundeskreis Asyl.

 

 

Das Gesprächspensum der drei Integrationsmanager ist begrenzt

„174 Flüchtlinge sind bei Ihnen in Beratung. Warum sind es so wenige?“, fragte Andreas Herfurth (SPD). „Es liegt daran, dass wir nur drei Personen sind“, sagt Sabine Mamedov. „Wenn wir ein Gespräch führen, dann ist das ein richtiges Gespräch“, erklärte Manuela Voith.“ Es brauche Vorbereitung, Nachbereitung, und es könne eine Stunde und länger dauern. Es gebe etliche Folge-Gespräche. Die Managerinnen schließen früh einen Integrationsvertrag mit den Flüchtlingen. In diesem Jahr wollen sie es schaffen, deutlich mehr Flüchtlinge zu erreichen.

Begriffe

Für die Integrationsmanager gibt es vier Stufen der Integration, die bundesweit üblich sind.

„Integriert“ ist logischerweise die höchste Stufe. Die Zahl der Integrierten hat im Jahr 2018 zugenommen.

„Integrationsnah“ bedeutet, dass eine Person in den nächsten zwölf Monaten integriert sein wird – nach allem, was man erwarten kann. Weil von den Integrationsnahen einige integriert wurden, hat die Zahl der Integrationsnahen abgenommen.

„Komplex“ heißt, dass die Integration mehr Zeit braucht als zwölf Monate. Die komplexen Fälle sind weniger geworden.

„Zuordnung nicht erforderlich“ besagt, dass diese Personen zurzeit keine Integrationskurse besuchen sollten oder können, weil sie schwanger sind, ganz kleine Kinder haben, weil ihr Asylantrag abgelehnt wurde und sie ein Arbeitsverbot haben. Beides, die Arbeitsverbote und die Schwangerschaften und Geburten, haben bei Flüchtlingen im Jahr 2018 zugenommen.