Winnenden

Exhibitionist bekommt Bewährungsstrafe

Bank
Am 2. Mai 2015 ließ ein Mann im Schelmenholz vor zwei Kindern die Hose herunter. Er wurde am Landgericht zu Haft auf Bewährung verurteilt. © Büttner / ZVW

Winnenden. Am Landgericht Stuttgart ist ein Winnender wegen Exhibitionismus vor zwei Kindern verurteilt worden. Die Strafe ist mit sechs Monaten Haft, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird, deutlich milder als die zuvor vom Amtsgericht Waiblingen verhängte. Das Urteil hilft dem 33-Jährigen geradezu.

Die Tat ist nun über ein Jahr her: Am 2. Mai 2015 hat sich der Angeklagte, auf einer Bank beim Spielplatz neben der Grundschule im Schelmenholz sitzend, vor einem Mädchen und einem Buben entblößt. In Waiblingen sagten die Kinder unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Die Aussage einer Anwohnerin, die den Verdächtigen von ihrer Wohnung im Schiefersee aus so lange im Blick behalten hatte, bis er von der Polizei angehalten wurde, war am vierten Verhandlungstag ausschlaggebend für das Urteil. Obwohl der 33-Jährige die Tat nicht einräumte, verhängte die Richterin im Dezember sieben Monate Haft. Ohne Bewährung, wohlgemerkt, denn der Mann stand wegen eines ähnlichen Delikts zur Tatzeit schon unter Bewährung.

Der Winnender Rechtsanwalt Philipp Wendel sah nur eine Chance für seinen Mandanten: in Berufung gehen und einen Freispruch erwirken. Er hatte den 33-Jährigen früher schon verteidigt, jene Taten hatte der Mann jedes Mal zugegeben. Doch die Verhandlung an der nächsthöheren Instanz entwickelte sich etwas anders.

Am Landgericht wurde Wendel signalisiert, dass die Beweise gegen seinen Mandanten erdrückend seien und die Strafe sich eher noch erhöhe, wenn man die Beweisaufnahme wiederholt. Im Gefängnis aber „wäre sein Leben wie ein Kartenhaus zusammengebrochen“, vermutet Wendel von dem verheirateten, verschuldeten, vorbestraften und im Moment arbeitslosen Mann. Er riet ihm daher, die Tat zu gestehen.

Psychologe und Bewährungshelferin stellen positive Prognosen

Eine Fortsetzung der vor zwei Jahren begonnenen Therapie für Exhibitionisten wäre im Gefängnis nicht mehr möglich gewesen. „Und auch bei einem Freispruch wäre der Staat nicht mehr für die Therapie aufgekommen“, erläutert Wendel. Die Sitzungen sind aber unbedingt nötig, so sagte es auch der psychologische Gutachter vor dem Landgericht. Der Angeklagte sei zuverlässig, komme alle zwei Wochen zu den Sitzungen und arbeite an der Ursachenforschung, so die Einschätzung des Psychologen. Er empfahl, die Therapie noch mindestens anderthalb Jahre fortzusetzen. Die Bewährungshelferin wiederholte in Stuttgart ihre positive Einschätzung des Angeklagten: Der Mann bemühe sich sehr um eine neue Stelle, und sie ist zuversichtlich, dass er sie in zwei, drei Monaten bekommt.

Zudem ist der 33-Jährige seit beinahe einem Jahr in einer Gruppe der Anonymen Alkoholiker, weil deutlich wurde, dass er Straftaten immer im Rausch begangen hat. Am fraglichen Abend im Schelmenholz hatte er zwei Promille, Kinder haben den Mann beobachtet, wie er eine Flasche vergraben hat. Er selbst gab an, auf dem Weg in die Kneipe gewesen zu sein. „Es ist jetzt wichtig, dass er seine Therapie fortsetzt und regelmäßig Screenings macht zum Beweis, dass er keinen Alkohol mehr trinkt“, sagt Anwalt Philipp Wendel. Das Gericht hat seinem Mandanten zwei Jahre Therapie zugestanden unter der Maßgabe, dass er sie wahrnimmt und sich von Kneipen und Kinderspielplätzen fernhält.

Bei einer positiven Sozialprognose wie im Fall des Winnenders erlaubt es das Gesetz, dass ein Bewährungsbrecher dennoch eine zweite Chance mit einer neuerlichen Bewährung erhält.

Den Kindern wurde die Zeugenaussage erspart

Durch sein Geständnis hat der 33-jährige Angeklagte den beiden Kindern eine erneute Zeugenaussage vor dem Landgericht erspart. Die Kinder waren zum Zeitpunkt der ersten Verhandlung elf und zwölf Jahre alt.

Ein drittes Kind, das am 2. Mai gegen 18 Uhr am Spielplatz war, bekam den Vorfall mit, lief nach Hause und zeigte seiner Mutter den Mann mit den Worten, dass er sich ausgezogen habe. Sie rief die Polizei und beobachtete den Mann, der Richtung Forststraße lief, bis die Beamten eintrafen und ihn stellten. Am Ende war sie sozusagen die Kronzeugin.

Am 2. Mai bestätigten die betroffenen Kinder den Polizisten vor Ort, dass dies der Exhibitionist sei. In den Verhandlungen im November und Dezember haben sie ihn nicht mehr erkannt, was Psychologen auf den Wunsch nach Verdrängung zurückführen und für normal halten.

Der Angeklagte war in den 2000er Jahren in mehrere Kneipenschlägereien verwickelt, wurde 2010 wegen Kinderpornos auf seinem Computer bestraft und bisher einmal wegen Exhibitionismus verurteilt.