Winnenden

Fürs Jubiläumsbuch sucht die Paulinenpflege alte Fotos

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Nicht nur solche alte Fotos von Gebäuden der Paulinenpflege, auch von Personen die in der Einrichtung lebten und arbeiteten, sucht Dr. Dietrich Hub alte Fotos. © Privat

Dr. Dietrich Hub, Öffentlichkeitsreferent und Lehrer in der Paulinenpflege, schreibt ein Buch über die 200-jährige Geschichte dieser Einrichtung. Der runde Geburtstag wird im Jahr 2023 gefeiert werden. Doch was wäre ein solches Buch ohne alte Fotografien, auf denen Häuser oder Personen der Paulinenpflege zu sehen sind? Der Autor ruft in Winnenden und Umgebung dazu auf, in den privaten Archiven zu stöbern und ihm Bilder zukommen zu lassen. Diese werden eingescannt und dann den Besitzern zurückgegeben. Infos dazu an dietrich.hub@paulinenpflege.de oder Telefon 0 71 95/69 50.

Einen schönen Vorgeschmack auf das Buch liefert Dietrich Hub zusammen mit seinem Aufruf mit. Wir dürfen ihn exklusiv vorher drucken.

Rückblick: Aufnahme von Waisen im Rettungshaus

Schon in ihren ersten Jahrzehnten nach ihrer Gründung im Jahr 1823 reagierte die Paulinenpflege auf eine damals ausgebrochene Epidemie, indem sie kostenlos ein Kind aufnahm, dessen Eltern durch diese Epidemie gestorben waren.

In Rosenfeld bei Balingen - damals geografisch als „im Oberamt Sulz“ bezeichnet - wütete im Jahr 1846 das „Nervenfieber“. Höchstwahrscheinlich handelte es sich dabei um die Krankheit, die heute als Typhus bezeichnet wird. Wie viele Tote es in damals in Rosenfeld gab, ist nicht bekannt. In einem Brief der Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins - das war eine halbstaatliche Institution im Königreich Württemberg - ist von 55 Kindern in Rosenfeld die Rede, die dadurch zu Waisen wurden. 22 davon, so heißt es in einem Brief der Centralleitung, „fallen der öffentlichen Fürsorge anheim“, weil es keine Verwandten gab, welche die Waisen aufnehmen konnten.

Aus Freude über die Geburt des Prinzen Karl: Spendenaufruf

Die Centralleitung fragte bei der Paulinenpflege an, ob sie unentgeltlich eines dieser Waisenkinder aufnehmen könnte. Von Winnenden aus wurde dies bejaht und zugesichert, dass eines dieser Kinder kostenfrei bis zu seiner Konfirmation im Rettungshaus der Paulinenpflege leben könne. Im Antwortschreiben der Paulinenpflege wurde angefragt, ob dieses Waisenkind „mit der erforderlichen doppelten Kleidung, namentlich auch von Weißzeug, mit 2 Hemden, 2 Paar leinernen oder baumwollenen und 2 Paar wollenen Strümpfen, jedenfalls aber mit der zur rauen Jahreszeit erforderlichen Kleidung, ferner mit den gewöhnlichen Schulbüchern“ ausgestattet nach Winnenden geschickt werden könnte.

Der Wohlthätigkeitsverein im Königreich Württemberg war 1816 auf Anregung von Königin Katharina gegründet worden. Im Jahr 1815 brach in Indonesien der Vulkan Tambora aus. Die Staubwolken verdunkelten auf der anderen Seite der Erdkugel die Sonnenstrahlen und lösten das „Jahr ohne Sommer“ aus. Auch die Landwirtschaft in Württemberg wurde dadurch in besonderem Maße getroffen, es kam zu Hungersnöten. Infolgedessen entstand auf Anregung von Königin Katharina unter anderem der württembergische Wohlthätigkeitsverein.

Im März 1823 rief die Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins die Bevölkerung in Württemberg zu Spenden auf. Anlass für diesen besonderen Aufruf war „Das glückliche Ereignis, wodurch der Himmel den heißesten Wunsch eine ganzen Volkes erhört hat“, nämlich die Geburt von Karl, Sohn von König Wilhelm I. und Königin Pauline, durch den die Thronfolge im Königreich Württemberg gesichert wurde.

Friedrich Jakob Heim bringt die Idee von Beuggen nach Winnenden

Die Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins empfahl den Bürgern im Königreich Württemberg, ihren Dank für dieses glückliche Ereignis in einer Spende für die Kinderrettungsanstalten auszudrücken: „Es gibt nur ein Mittel, diese Quelle sittlicher Verderbnisse und manchfachem Unglücks für den Staat zu verstopfen, - nur ein Mittel, die vernachlässigten und verwahrlosten Kinder, die ja nicht blos vereinzelte, seltene Erscheinungen sind, zu retten; - und als dieses Mittel bietet sich die Errichtung von eigenen Erziehungs- und Pflegeanstalten für solche Kinder dar.“

In Beuggen am Rhein, im Großherzogtum Baden, war im Jahr 1820 die erste Kinderrettungsanstalt gegründet worden. Pfarrer Friedrich Jakob Heim nahm die Ideen von dort auf, als er im Herbst 1822 in Winnenden ein vergleichbares Projekt ins Leben rief. Von der Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins wurde diese Initiative in Winnenden ausdrücklich begrüßt.

„Pflicht zur Sparsamkeit“ soll „geübt“ werden

Bei „regulären Aufnahmen“ verwahrloster Kinder übernahm die Centralleitung oftmals das Kostgeld für die Kinder, sofern deren Heimatgemeinden dazu nicht in der Lage waren. Die Centralleitung könnte man mit heutigen Begriffen also als „Kostenträger“ bezeichnen. Freilich machte der damalige Kostenträger der Paulinenpflege auch Vorschriften, wie zu wirtschaften sei. So heißt es in einem Brief der Centralleitung vom April 1847 an den Vorstand der Paulinenpflege: „Indem die Centralleitung in Hinsicht auf den Zucker- und Kaffeeverbrauch in der Paulinenpflege sich, was das Verflossene betrifft, bei den in dem Berichte vom 10. vorherigen Monats von dem Vorstand gegebenen Erklärungen beruhigen zu können glaubt, geschieht dies in dem Vertrauen, dass künftig, der von dem Vorstande selbst ausgesprochenen Absicht gemäß, nicht nur bei den Verbrauchen an der Jahresfeier und am Christtag, so wie bei den Wäschen, ein von dem Ausschusse festzusetzendes Maß streng eingehalten, sondern überhaupt bei der Haushaltung der Anstalt die Pflicht zur Sparsamkeit in soweit es mit dem Zwecke der Anstalt vereinbar ist, mit aller Gewissenhaftigkeit stets werden geübt werden.“