Winnenden

Fachkräftemangel: Kärcher und Co. suchen Nachwuchs bei Berufemesse in Winnenden

Ausbildungsmesse
Eintritt frei bei der Berufemesse am Donnerstag, 10. November. © ALEXANDRA PALMIZI

In Zeiten des Fachkräftemangels tun Firmen gut daran, sich rechtzeitig um den Nachwuchs zu kümmern, die passenden Leute zu finden, sie auszubilden und vielleicht sogar langfristig an den Betrieb zu binden. Eine Gelegenheit, potenzielle Bewerber für sich zu begeistern, ist die Berufemesse „Abenteuer Wirtschaft“, die am Donnerstag, 10. November, von 9 bis 14 Uhr in der Hermann-Schwab-Halle (Albertviller Straße 11) stattfindet. An 45 Ständen (Rekordbelegung) finden Schüler und Erwachsene, die sich beruflich neu orientieren wollen, haufenweise Information für die berufliche Zukunft.

Firma Kärcher will in bestimmten Fächern gute Noten und verlangt generell Höflichkeit

Das größte Plus der Messe ist aber, dass die Information aus dem Mund von Azubis und Ausbildern der jeweiligen Unternehmen und Organisationen kommt, die Gäste direkt Fragen stellen können und so etwas viel Lebendigeres entsteht, als würde man im Internet suchen oder in einer Broschüre blättern. Das betont Melanie Spiegler, Ausbilderin für kaufmännische Berufe beim Reinigungsspezialisten und größten Winnender Arbeitgeber, Kärcher. „Durch die Gespräche ist es für die Schüler einfach besser vorstellbar, was sie bei uns und in den speziellen Berufen erwartet. Sie wollen sich mit Ausbildern unterhalten und die Unternehmen vergleichen.“

Doch was erwarten die Arbeitgeber von den Schülern, die angesichts des demografischen Wandels zu einer immer wertvolleren menschlichen Ressource werden, je mehr Fachkräfte in den Ruhestand gehen? „Wie alle Branchen merken auch wir einen Rückgang in allen Berufsgruppen, außer bei den Fachinformatikern und beim dualen Studium“, sagt Melanie Spiegler. Doch Kärcher stellt deshalb nicht x-beliebig Leute ein, sondern sucht mit langem zeitlichen Vorlauf Menschen, die zur Firma passen. „Man sollte Interesse und Affinität zum Beruf mitbringen, ein höfliches, freundliches Auftreten haben und für technische Berufe gute Noten in den Mint-Fächern mitbringen, für kaufmännische auch in den Sprachen, weil wir international aktiv sind.“ Dass ein 14-Jähriger erst bei null anfange, sei in Ordnung, „da unterstützen wir, fühlen vor, wo das Interesse liegt, beim Handwerklichen oder beim Organisieren“. Von älteren Schülern wünscht sich die Firma Kärcher, dass sie sich über Berufsinhalte informiert haben und privat von sich erzählen, was sie gern machen.

Von einem Praktikum profitieren beide

Der nächste Schritt ist ein Schulpraktikum, „wir erzählen bei der Messe, wie man sich dafür bewirbt“, so Spiegler. Bewerbungen für den Ausbildungsstart im September des Folgejahrs (!) schickt man am besten schon im Mai/Juni mit dem Halbjahreszeugnis ab. Interessante technische Bewerber werden zum Vorstellungsgespräch eingeladen und machen eine praktische Übung. Infrage kommende kaufmännische Bewerber, maximal zwölf auf einmal, werden zum Assessment Center eingeladen. Es diene dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Fragenstellen, auch Aufgaben werden dem Einzelnen und Gruppen gestellt. „Am Ende kann es sein, dass wir alle nehmen, weshalb dann viele Ausbildungsstellen schnell besetzt sind“, so Spiegler. 40 Azubis für zehn Berufe waren diesen September neu am Start.

Haus im Schelmenholz: Pflegeberuf ist abwechslungsreich und bietet Karrierechancen

Im größten Pflegeheim der Stadt, dem Haus im Schelmenholz (Träger: Evangelische Heimstiftung), erlernen derzeit 13 Auszubildende einen Beruf, der absolut Zukunft hat. Allerdings ist sein Image noch nicht vergleichbar mit dem Fachinformatiker, was Praxisanleiterin Ute Nusser bedauert, aber gerade bei Gelegenheiten wie der Messe versucht zu ändern. Am Stand stehen noch eine Kollegin und eine 18-jährige Auszubildende bereit. „Psychologie, Psychiatrie, Anatomie und Medikation spielen in unseren Berufen zusammen, wir kümmern uns um den den ganzen Menschen in seinem letzten Lebensabschnitt, sitzen dafür aber auch viel am PC“, sagt Ute Nusser. „Unser Alltag ist immer anders und dadurch interessant, und der Schicht- und Wochenenddienst hat durchaus auch Vorteile“, so Nusser weiter. Wer früh in den Arbeitstag startet, hat den Nachmittag und Abend frei, und es wird abgewechselt, nicht anders als bei der Polizei oder im Supermarkt.

Für die Pflege sind andere Dinge als ein bestimmtes Alter oder Schulabschluss wichtig

„Bei uns sind gute Noten in der Schule nicht das Kriterium, ich war selbst schlecht in Mathe und Physik. Wir wünschen uns Bewerber mit Interesse an Menschen und an der vielseitigen Arbeit, die nachfragen, verstehen und selbst entscheiden.“ Junge Leute mit Hauptschulabschluss seien ebenso willkommen wie Abiturienten, „die sehr gute Chancen haben, den Beruf zu ergreifen und nebenher zu studieren“, sagt Ute Nusser über Karrieremöglichkeiten. Grundsätzlich seien dem Haus im Schelmenholz Werte wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und wertschätzende Kommunikation wichtig.

Jederzeit könne man sich bewerben, weil die Berufsschule zweimal im Jahr startet, „und in jedem Alter“, betont die Praxisanleiterin, dass sie selbst erst mit 40 in den Beruf der Pflegefachkraft quereingestiegen ist. „Ich wollte Krankenschwester werden, aber wegen der geburtenstarken Jahrgänge fand ich damals bundesweit keine Ausbildungsstelle.“ Sie ging damals in den Verkauf.

Ute Nusser lädt Schüler ein, sich vor Ort ein Bild zu machen, bei Praktikum, Probearbeit oder freiwilligem sozialen Jahr. „Da merken beide Seiten, ob es für sie passt.“ Schließlich sei die Pflege älterer Menschen auch eine Teamaufgabe, man tausche sich aus und helfe einander in schwierigen Situationen. Und die Azubis müssten nicht befürchten, dass sie als billige Kräfte ausgenutzt werden. „Wenn es Engpässe gibt, sind das Ausnahmen, über die wir vorher reden. Aber grundsätzlich müssen zehn Prozent der gearbeiteten Stunden von uns Ausbildern angeleitet werden.“

In Zeiten des Fachkräftemangels tun Firmen gut daran, sich rechtzeitig um den Nachwuchs zu kümmern, die passenden Leute zu finden, sie auszubilden und vielleicht sogar langfristig an den Betrieb zu binden. Eine Gelegenheit, potenzielle Bewerber für sich zu begeistern, ist die Berufemesse „Abenteuer Wirtschaft“, die am Donnerstag, 10. November, von 9 bis 14 Uhr in der Hermann-Schwab-Halle (Albertviller Straße 11) stattfindet. An 45 Ständen (Rekordbelegung) finden Schüler und Erwachsene, die

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