Winnenden

Fahrverbot und Geldstrafe - Unfallflucht in Winnenden endet vor dem Richterpult

Schild
Amtsgericht Waiblingen (Symbolfoto) © Gaby Schneider

Was die Frau aus Weissach im Tal schildert, ist beinahe schon der Klassiker, mit dem sich Richter am Amtsgericht Waiblingen lästigerweise befassen müssen. Die Frau rangierte rückwärts, um aus der Parklücke am Winnender Straßenrand herauszukommen, kollidierte mit dem hinter ihr stehenden Auto, stieg aus, guckte sich beide Autos an und stellte bei keinem irgendeinen Schaden fest. Daher sei sie davongefahren, ohne sich weiter zu kümmern.

Schadensrechnung: 1165 Euro

Doch der Opel Corsa war stark beschädigt, die Werkstattrechnung belief sich auf 1165 Euro. Somit hat die Weissacherin Unfallflucht begangen. Sie hätte sich besser direkt bei der Polizei gemeldet und den Unfall zu Protokoll gegeben. Der Amtsrichterin gegenüber gab die 59-jährige Angeklagte zwar zu, dass ihr Mercedes „gepiepst“, sie aber den Opel-Kleinwagen „nicht bemerkt“ habe.

Richterin Basoglu-Waselzada hatte eine Sachverständige um ein Gutachten gebeten. Ihre Einschätzung strafte die Angeklagte Lügen: Sie sei aus der Parklücke heraus mit einer Geschwindigkeit von fünf bis sechs Kilometern in der Stunde zurückgesetzt und ungebremst auf den hinter ihr geparkten Opel Corsa aufgefahren. Ihr Mercedes traf mit der hinteren rechten Stoßfängerverkleidung auf die vordere linke Stoßfängerverkleidung des Corsas.

Es muss gewackelt und geknirscht haben

Fünf bis sechs Stundenkilometer: Dies stelle eine für diesen Fahrvorgang recht hohe Geschwindigkeit dar. Der von der Angeklagten gesteuerte Mercedes wurde durch den Aufprall abrupt abgebremst, sie selbst müsse kräftig durchgeschüttelt worden sein.

Durch die Wucht des Aufpralls sei die Stoßfängerverkleidung des Corsas vollständig aus der Haltung gedrückt worden, die Halterung brach mit einem lauten Knirschen, das selbst von einem laut gestellten Radio nicht hätte übertönt werden können.

Dazu kommt noch die Aussage einer Zeugin, die das Geschehen vom Fenster ihres Hauses aus beobachtet und der Polizei gemeldet hatte, womöglich nach einer in der Zeitung veröffentlichten Bitte um Zeugenhinweise.

Einkommen sinkt nach Lebenskrise

Die Weissacherin erhielt einen Strafbefehl über 35 Tagessätze zu 40 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot. Gegen diesen Strafbefehl legte sie aber über ihre Anwältin Widerspruch ein, so dass es zur mündlichen Verhandlung kam.

Seit dem Vorfall im Juni hatten sich die Lebensumstände und Verhältnisse der Angeklagten grundlegend verändert: Im August verstarb das älteste ihrer drei erwachsenen Kinder überraschend. Diese Lebenskrise habe sie veranlasst, ihren eigenen Alltag zu überdenken. Die gelernte Krankenschwester hat ihre Anstellung bei einem ambulanten Pflegedienst gekündigt, ihr damals parallel zum Job im Aufbau befindliches Gewerbe als ambulante Fußpflegerin angemeldet und sich selbstständig gemacht. Dadurch habe sich allerdings ihr Einkommen auf gerade mal etwa 800 Euro netto im Monat verringert.

Der Staatsanwalt schlug daher vor, den Widerspruch der Frau auf die Höhe der zu verhängenden Geldstrafe zu begrenzen. Alle Partien stimmten zu und die Richterin verhängte als Strafe drei Monate Entzug der Fahrerlaubnis, eine Geldstrafe in Höhe von 35 Tagessätzen zu je 25 Euro sowie die Übernahme der Kosten des Verfahrens. Das Urteil ist rechtskräftig. Und der Corsa-Besitzer und seine Versicherung bleiben nicht auf dem Schaden sitzen.

Was die Frau aus Weissach im Tal schildert, ist beinahe schon der Klassiker, mit dem sich Richter am Amtsgericht Waiblingen lästigerweise befassen müssen. Die Frau rangierte rückwärts, um aus der Parklücke am Winnender Straßenrand herauszukommen, kollidierte mit dem hinter ihr stehenden Auto, stieg aus, guckte sich beide Autos an und stellte bei keinem irgendeinen Schaden fest. Daher sei sie davongefahren, ohne sich weiter zu kümmern.

Schadensrechnung: 1165 Euro

Doch der Opel

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