Winnenden

Fehde zwischen zwei Frauen in Winnenden: Wüste Beleidigungen in der Marktstraße

Schild
Amtsgericht Waiblingen (Symbolfoto) © Gaby Schneider

Mit der salomonischen Entscheidung des Richters Johannes Weigel, das Strafverfahren wegen Beleidigung gegen die Zahlung einer Spende von 100 Euro an die Diakonie Stetten einzustellen, endet im Waiblinger Amtsgericht die bisher letzte Runde einer Fehde zweier Frauen aus Winnenden.

Die Angeklagte, eine 36-jährige Geschäftsfrau, wie auch die laut Anklage von ihr beleidigte 39-jährige Geschädigte liefern sich seit anderthalb Jahren einen Kleinkrieg, der mit wechselnder Rollenverteilung immer wieder auch vor Gericht ausgetragen wird und bei dem bisweilen nicht nur beleidigende Worte, sondern auch schon mal ganz handfest die Fäuste fliegen.

Im Auge des Orkans steht der Lebensgefährte der diesmal Angeklagten, der bis vor zwei Jahren noch der Lebensgefährte der diesmal Beleidigten war, mit der er auch zwei gemeinsame Kinder hat. Die Angeklagte meint, der Streit sei darauf zurückzuführen, dass ihre Kontrahentin eifersüchtig sei und ihr das gemeinsame Glück mit ihrem Lebensgefährten nicht gönne. Diese wiederum behauptet von der Angeklagten, sie wolle ihr nach dem Lebensgefährten nun auch noch die Kinder wegnehmen.

Ein weiteres Verfahren ist am Oberlandesgericht im Gange

Der Streit darüber, in welchem Umfang der Vater mit seinen Töchtern Umgang haben darf, wird gerade vor dem Oberlandesgericht ausgetragen.

Am 25. Juni des vergangenen Jahres war nun die Angeklagte mit ihrem Lebensgefährten und einem weiteren Bekannten in der Winnender Fußgängerzone in der Marktstraße unterwegs, als ihr Lebensgefährte in einer Eisdiele seine beiden Kinder entdeckte. Er sei hineingegangen, um sie zu begrüßen, berichtet er als Zeuge, und sei dort auch auf deren Mutter getroffen. Diese wiederum erzählt, sie habe ihren ehemaligen Lebensgefährten darauf hingewiesen, dass er sich gemäß einer vor dem Waiblinger Familiengericht getroffenen Übereinkunft ihr nicht näher als fünf Meter nähern dürfe. Daraufhin habe er sie angefahren: „Halt die Schnauze! Diese Abstandsregelung gilt nur für dich. Ich kann machen, was ich will.“

Da ihr das Warten vor der Eisdiele mittlerweile zu lang geworden sei, berichtet die Angeklagte, habe sie ihren Lebensgefährten angerufen und gebeten, wieder herauszukommen. Schließlich seien sie unterwegs zu einer Verabredung gewesen. Als nun die Mutter mit ihren Kindern die Eisdiele verließ, habe die Angeklagte, so die Anklage, sie als „Schlampe“ und „Hure“ beschimpft.

Direkt nach Hause gegangen und den Anwalt angerufen

Dies bestätigt als Zeugin eine Nachbarin, die sich zum Zeitpunkt des Zwischenfalls mit ihren Kindern vor der Eisdiele aufgehalten haben will. Die derart Beleidigte sei so geschockt gewesen, dass sie ihren Kindern kein Eis bestellen konnte, sondern sofort in ihre Wohnung gegangen sei. Dort habe sie zunächst ihren Anwalt angerufen und auf dessen Rat noch am selben Abend auf dem Winnender Polizeirevier Anzeige erstattet.

Diese mündete in die Gerichtsverhandlung in Waiblingen und schließlich in die Einstellung des Verfahrens. Sowohl die Angeklagte wie auch ihr Verteidiger, Rechtsanwalt Wolfgang Reimund, und die Vertreterin der Staatsanwaltschaft haben dem Gerichtsbeschluss zugestimmt.

Vom Staatsanwalt, der den Fall bearbeitet hat, und der zur Einstellung telefonisch befragt wurde, stammt allerdings der ausdrückliche Hinweis, es sei das letzte Mal, dass die Staatsanwaltschaft einer derart milden Regelung zustimmen werde. Beim nächsten Vorfall dieser Art werde eine Verurteilung wohl unumgänglich sein.

Zeuge muss Ordnungsgeld zahlen

Übrigens: Weniger glimpflich als für die Angeklagte endete die Verhandlung für einen gemeinsamen Bekannten der Angeklagten und ihres Lebensgefährten, der sie bei dem Zwischenfall in der Fußgängerzone begleitet hatte. Er hätte als Zeuge befragt werden sollen, wofür das Gericht extra eine Türkisch-Dolmetscherin eingeladen hatte. Dafür, dass er die Ladung des Gerichts ignoriert hatte und der Verhandlung unentschuldigt ferngeblieben war, verhängte Richter Weigel gegen ihn ein Ordnungsgeld in Höhe von 300 Euro.

Mit der salomonischen Entscheidung des Richters Johannes Weigel, das Strafverfahren wegen Beleidigung gegen die Zahlung einer Spende von 100 Euro an die Diakonie Stetten einzustellen, endet im Waiblinger Amtsgericht die bisher letzte Runde einer Fehde zweier Frauen aus Winnenden.

Die Angeklagte, eine 36-jährige Geschäftsfrau, wie auch die laut Anklage von ihr beleidigte 39-jährige Geschädigte liefern sich seit anderthalb Jahren einen Kleinkrieg, der mit wechselnder Rollenverteilung

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