Winnenden

Feilen am Konzept für die Gemeinschaftsschule

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Stellvertretender Schulleiter Michael Huy und Schulleiterin Heike Hömseder präsentieren die Gemeinschaftsschule mit verbessertem Innenleben. © Palmizi/ZVW

Schwaikheim. Aus zwei mach eins ist eine Aufgabe, welche das neue Schulleiter-Duo Heike Hömseder und Michael Huy seit seinem Beginn an der Ludwig-Uhland-Schule beschäftigt. Künftig wird es deshalb ab der fünften Klasse nur noch an drei Nachmittagen Unterricht geben. Außerdem wird die Coaching-Säule neu integriert. „Die hat hier bisher gefehlt“, sagt Heike Hömseder.

Schulleiterin Heike Hömseder und ihr Stellvertreter Michael Huy wirken motiviert und voller Tatendrang. „Wir sehen es so, dass wir die Schule weiter gestalten können“, sagt Huy in Hinblick auf die Zusammenlegung mit dem Schulstandort Winnenden und dem weiteren Ausbau der Schwaikheimer Ludwig-Uhland-Schule. Viertklässler der Stöckachschule, aus dem Schelmenholz und aus der eigenen Ludwig-Uhland-Schule haben an Schnuppertagen ins Gemeinschaftsschulleben hineingeblickt, während regulärer Unterricht stattfand. So konnten sie die Gemeinschaftsschule hautnah erleben, um herauszufinden, ob die Art und Weise, wie hier unterrichtet wird, etwas für sie ist oder nicht.

„Gemeinschaftsschule ist keine Rest-Schule“, sagt Heike Hömseder. „Es ist kein Ersatz für die Hauptschule. Wir wünschen uns Schüler, die sich bewusst für das Konzept entschieden haben“, betont sie. Schüler mit unterschiedlichen Leistungsniveaus: von der Hauptschule bis zum Gymnasium. Es sind Schüler, die an der Gemeinschaftsschule an die Hand genommen und je nach ihrer Begabung gefordert und gefördert werden. Deshalb passend dazu ihr Schulmotto: eine Schule für alle, wie es auf einem Plakat zu lesen ist.

Künftig nur noch an drei Nachmittagen Mittagsschule

Am Schwaikheimer Konzept wird hier und da gefeilt. Nach der Fusion mit Winnenden gab es eine Abstimmung im Kollegium. „Die Mehrheit hat sich für das Schwaikheimer Modell ausgesprochen“, so Hömseder, wobei es so sein wird, dass die Winnender Schüler nach ihrem Modell weiter unterrichtet werden. Was aber aus der Winnender Feder stammt, ist der Unterricht an drei Nachmittagen, anstatt an vier, wie es aktuell in Schwaikheim üblich ist. „Wir können damit gut verfahren“, sagt stellvertretender Schulleiter Michael Huy, „der Bedarf ist ausreichend abgedeckt.“ Schwaikheim sei bisher eine der wenigen Schulen gewesen, die Unterricht in dem Umfang angeboten hat. Der wegfallende Nachmittag, der im September für die neuen Fünftklässler eingeführt wird, bringt mehrere Vorteile mit sich: Für Viertklässler wird der Übergang zur weiterführenden Schule tragbarer gestaltet. Der Mittwoch (bei einem Nachmittagsunterricht montags, dienstags und donnerstags) bleibt, um einem Hobby nachzugehen. Außerdem gilt er als Fortbildungstag der Lehrer im Rems-Murr-Kreis, wodurch oft für Vertretungen gesorgt werden muss. Auch das fällt zunehmend weg. Für Schüler, die schon auf die Schwaikheimer Schule gehen, bleibt der Unterricht an vier Nachmittagen bestehen.

Aus einem Kunstprofil der Ludwig-Uhland-Schule soll künftig ein künstlerisches Profil werden. Geplant ist eine stärkere Kooperation mit der Stadtjugendmusik- und Kunstschule Winnenden. Schüler sollen lernen, mit der Kamera umzugehen, und einen Film über sich und die Schule drehen. Auch der Bereich Theaterpädagogik soll ausgebaut werden.

Persönliches Coaching

Im Schulalltag wurde als weiteres Element die Säule Coaching eingeführt. „Der Lehrer hat Zeit, sich im persönlichen Gespräch um den Schüler zu kümmern“, erklärt Heike Hömseder. Im Abstand von vier Wochen pickt sich der Schüler zusammen mit dem Lehrer ein Thema heraus, gemeinsam reflektieren sie den aktuellen Wissensstand, benennen ein Ziel und analysieren, wie man dieses erreichen kann. Wenn es nicht geklappt hat, wird mit dem Lehrer geschaut, woran es lag und welche Hilfestellung notwendig ist.

Dazuhin gibt es den klassischen Frontalunterricht, betont Hömseder. Bei den sogenannten Inputs werden neue Themen eingeführt, wobei gleichzeitig Lernzeit, Lernwege sowie unterstützende Materialien für jeden benannt werden gemäß den unterschiedlichen Lernniveaus von der Hauptschule bis hin zum Gymnasium. In den sogenannten Übungsstunden stehen den Schülern neben dem Lehrer Lernbegleiter zur Seite. Aktuell sind es drei an der Zahl – Personen, die im erzieherischen Bereich tätig waren.

Individualität in allen Bereichen

An der Ludwig-Uhland-Schule streben von 43 Neuntklässlern 17 den Hauptschulabschluss an. Dem Rest steht es im kommenden Schuljahr frei, ob er den Hauptschul- oder den Realschulabschluss in Klasse zehn machen möchte. Mit einem guten Realabschluss könnte das Kind anschließend auf ein berufliches Gymnasium gehen. Individualität zieht sich durch sämtliche Bereiche. Was das Schulleiter-Duo deshalb an der Schulform schätzt, ist, dass Schüler von Anfang an lernen, ihr Wissen in Worte zu fassen und wiederzugeben sowie sich gegenseitig beim Lernen zu unterstützen. „Das ist das höchste Gut“, sagt Michael Huy. Darauf werden Schüler Schritt für Schritt vorbereitet.

Der Abriss des Musikpavillons

Wie geht die Schule mit dem Abriss des Musikpavillons um – eine Frage, welche das Schulleiterteam heute schon beschäftigt. Denn bis der Neubau steht, muss für den Musiksaal und das Unterrichtsfach AES (Alltag, Ernährung und Soziales), wofür häufig die Schulküche genutzt wird, eine Übergangslösung gefunden werden. Für diesen Unterricht, wobei es auch um Themen geht wie Kinder, Pflege, Betreuung, Gesundheit oder Ernährung, werden Schüler voraussichtlich zum Winnender Standort pendeln müssen. Der Musiksaal wird in das Hauptgebäude verlegt.

Bevor der Pavillon abgerissen wird, schwebt dem Schulleiter-Duo Heike Hömseder und Michael Huy ein großes Kunstprojekt mit dem Gebäude vor: Graffiti, Verhüllung, und vielleicht lässt sich auch mit dem Mauerwerk etwas anfangen, so Huy, und er lächelt vergnügt. Das Ergebnis soll der Öffentlichkeit präsentiert werden.