Winnenden

Ferienwoche "Talentcampus" endet mit Theaterstück

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Sebastian verkabelt einen der neuen LED-Scheinwerfer, Joe Saling staunt nicht schlecht über die Programmierkunst seines Schützlings. © Habermann / ZVW
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Die Band von links: Paul, Mick Scheuerle, Lion, Robin Stecher, Leandro und Galatea. © Habermann / ZVW
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Kulissenbauerinnen mit Winnender Wappen. © Habermann / ZVW

Winnenden. „Sebastian hat in einer halben Stunde die neuen Scheinwerfer programmiert“, ist Joe Saling, Leiter der Licht- und Tontechnik beim „Talentcampus“, völlig von den Socken. Hier lernt der Lehrer auch von den Schülern. Während die Schauspieler Texte und Choreografien proben, stellt Salings Gruppe Mikros und Spezialeffekte ein.

Video: Sandro Lang, Regisseur beim Talentcampus, lädt zur großen Endaufführung am Samstag ein.

Der 13-jährige Sebastian, der am Büchner-Gymnasium die achte Klasse besucht, ist für Joe Saling ein Glücksfall. „Er kann die Scheinwerfer jetzt bedienen. Die Frage ist nur, ob ich es ohne ihn kann.“ Der große Schlaks lacht geschmeichelt. „Ich gehe gern mit Computern um und liebe es, zu experimentieren. Mit den LED-Scheinwerfern brauchen wir keine Farbfilter mehr, man zieht einfach an den Reglern.“

Licht- und Tonabteilung sorgt für Spezialeffekte

Die Licht- und Tonabteilung, die bei der Aufführung am Samstag ganz im Schatten bleiben wird, dient den Schauspielern und Musikern. Sie schafft unterschiedliche Stimmungen, streut auch mal mit schnell aufeinanderfolgenden Lichtblitzen Spezialeffekte ein und überträgt den Bühnenton mit Raummikrofonen in den Saal.

„Ruhe bitte!“, brüllt die Dackelverbandsvorsitzende

Schauspielerin Jacqueline ist froh darüber. Sie muss sich als Vorsitzende des Dackelverbands aufgeregter Hundehalter erwehren und „Ruhe bitte!“ brüllen. Zweimal hat sie damit schon die Techniker zusammenzucken lassen. „Sandro hat gesagt, ich soll meine Stimme schonen“, erzählt sie in einer kurzen Pause von der Anweisung des Regisseurs, Sandro Lang. Er steht beim Proben mit auf der Bühne, übt mit den Kindern ihre Positionen und Gänge. Vor sieben Jahren hat er mit den über Winnenden hinaus bekannten Punkern von Normahl einen Film gedreht – was die Kinder kaum beeindrucken dürfte, sind die Musiker doch deutlich älter als ihre eigenen Eltern.

Der verschwundene Mops

Ananda, Lisa und Gianna warten auf ihren nächsten Auftritt. „Dieses Mal haben wir ganz schön wenig Text“, sagen sie und outen sich als Stammgäste des Talentcampus: „Wir waren bisher in allen Herbstferien dabei.“ Deutlich mehr zu sagen hat Felix, der sich in die Hauptfigur, den verpeilten Kommissar, verwandeln wird. Carolina alias seine scharfsinnige Mutter reißt den Fall um den verschwundenen Mops des Bürgermeisters an sich.

Kommödie mit starkem Winnender Lokalbezug

Die Krimikomödie mit starkem Winnender Lokalbezug spielt in den 1920er Jahren. Die acht Abteilungen haben alle Hände voll zu tun, um in fünf Tagen Stadtbild und Mopslegende um fast 100 Jahre zurückzuversetzen. Im Jugendhaus sind die Kostümschneiderinnen und Maskenbildnerinnen kreativ, und in der „Tomate“ entstehen die Kulissen und die Musikstücke. Auch hier ist man auf den Hund gekommen. Nicht, weil Mick Scheuerle, Gitarrist der Punkband Normahl, die Akustikgitarre zupft zu einer Frühlingsweise von Dvorak, sondern weil er im Soundtrack auch den „Hound Dog Blues“ untergebracht hat. Wenn Galatea und Lion nicht singen, etwa beim Dixiestück für eine Tanzszene, klappern sie mit zwei übereinandergelegten Löffeln. „Ist das nicht eine herrliche Besetzung?“, freut sich Scheuerle über Schlagzeuger Paul, Geigerin Wiktoria, Akkordeonist Tiago und Keyboarder Leandro. „Wir werden als Salonorchester verkleidet auf der Bühne sitzen.“

Kulissenbauer können toll zeichnen, zimmern und nähen

Damit die Illusion perfekt wird, schaffen die Kulissenbauer an einer Keyboard-Ummantelung, so dass die Zuschauer es für ein Klavier halten. Der Schreibtisch des Detektivs ist schon fertig, das Mopsdenkmal noch nicht ganz. Tolle Zeichner wie Adriana und Tim bannen Winnender Stadtkulisse und Landschaft auf Papier, per Beamer werden sie vergrößert. „Die Leinwand dafür müssen wir auch selber machen“, sagt Sozialarbeiter Wolfgang Brenner und freut sich, dass Amalia eine so versierte Näherin ist.

Mythos Mops

Insgesamt 68 Kinder zwischen zehn und 14 Jahren machen mit beim „Talentcampus“, der Ferienbetreuung von Stadtjugendreferat, Ganztagsschule und Volkshochschule. Jene hat beim Bundesministerium für Forschung und Bildung das Fördergeld in Höhe von 16 000 Euro beantragt – und erhalten. Daher ist die Teilnahme kostenlos.

In fünf Tagen entsteht das Stück „M.O.P.S. oder die wahre Geschichte hinter dem Mythos“, selbst entwickelt von Betreuern und Kindern. „Ein Nachfahre des Winnender Mopses klärt auf, wie das mit den elf Tagen sein konnte, die er angeblich von Belgrad hierher nur gebraucht hat“, sagt Regisseur Sandro Lang.

Die Aufführung beginnt am Samstag, 5. November, um 17 Uhr in der Hermann-Schwab-Halle. Sie öffnet 30 Minuten vorher, der Eintritt ist frei.