Winnenden

Festwiese wird für Flüchtlinge bebaut

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Auf die Festwiese in Birkmannsweiler sollen Container gebaut werden. © Munder / ZVW

Winnenden-Birkmannsweiler. Die Stadt wird auf der Festwiese 25 Flüchtlinge unterbringen. Ralf Köder, der Leiter des Amts für Grundstücksverkehr, erläuterte im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats den Plan, dafür Raumcontainer zu mieten oder zu kaufen. Er erhielt einstimmig die Genehmigung, Angebote einzuholen. 15 künftige Nachbarn verließen danach still den Rathaussitzungssaal.

Die Stadt ist unter starkem Druck: Es fehlen rund 250 Wohnplätze für Menschen, die auf dem freien Markt keine Mietwohnung erhalten. Dies sind zum Beispiel Flüchtlinge, die eine Aufenthaltserlaubnis bekommen haben und daher aus den Wohnheimen des Landkreises ausziehen müssen.

Zunächst hatte die Stadt geplant, die Festwiese in Birkmannsweiler mit einer Wohnanlage für 50 Personen zu erstellen. In einer Bürgerversammlung, in Leserbriefen und in der direkten Ansprache machten die künftigen Nachbarn der Silcherstraße ihrem Unmut darüber Luft. Die Stadt fasste daher auch eine Wiese an der Hofkammerstraße ins Auge, die ihr gehört und auf der sich Wohnungen erstellen lassen. Dazu muss aber erst ein Bebauungsplanverfahren durchlaufen. Und der Gemeinderat schlug vor, noch etwas abzuwarten, ob der Stadt nicht doch Mietwohnungen angeboten werden.

Aus Rücksicht auf die Anwohner: Eingeschossig hinter Bäumen

„Leider ist uns aus Birkmannsweiler keine einzige Wohnung angeboten worden“, sagte Köder. Die nun geplante Containeranlage soll zeitlich befristet aufgestellt werden und aus Rücksicht auf die Anwohner eingeschossig sein. Zwischen ihren Häusern und der Festwiese liegt ein Fuß- und Radweg, dessen Rand begrünt werden soll und somit auch Blickschutz bietet. „Wie muss man sich die Container vorstellen – so wie die von Kärcher in Leutenbach aus Metall oder so wie im Schelmenholz mit Holz verkleidet?“, fragte Dr. Jürgen Hägele (FDP). „Das werden wir über die eingehenden Angebote auswählen“, sagte Ralf Köder. Da niemand weiß, wie lange die Menschen tatsächlich untergebracht werden müssen, schlägt er verschiedene Mietmodelle vor und würde an ihnen auch ausrichten, wie viel Aufwand mit der Fassade getrieben wird. Mietet die Stadt die Container, würde er allenfalls eine Verkleidung mit Holzlamellen ins Auge fassen. Kauft sie die Raummodule, würde sie „an die Gestaltung von Dach und Fassade erhöhte Anforderungen stellen“. Bauherrin wird der Eigenbetrieb Stadtbau sein, gleichwohl entscheiden die Gemeinderäte über die Ausgaben.

„Ich denke, die Flüchtlinge kommen nicht gleich alle mit dem Auto“

Ralf Köder ging es in der Sitzung noch um die Frage, ob eigene Parkplätze auf der Festwiese angelegt werden müssen, oder ob die vorhandenen am Sportplatz bei der Buchenbachhalle und dem italienischen Lokal des Gesangvereins Frohsinn ausreichen. Sie würden nicht abgesperrt, stünden weiterhin allen zur Verfügung. „Ich denke, die Flüchtlinge kommen nicht gleich alle mit dem Auto“, sagte Köder, will es aber noch mal mit den Anliegern besprechen – die einen pochen womöglich auf die Stellplätze, die anderen wollen keinen Verkehr hinterm Haus. Köder schreibt beide Varianten aus.

Zehn Quadratmeter pro Person

Üppig groß werden die Zimmer für die Flüchtlinge nicht werden: Zehn Quadratmeter wird für eine Person gerechnet. Je zwei leben in acht Wohneinheiten, in zwei Wohnungen werden vier Personen untergebracht. „Familien bekommen wir ganz selten“, sagte er auf eine Frage von Richard Fischer, der die Nähe zur Grundschule als ideal für sie ansieht.

Fünf bis zehn Jahre – mindestens

Die Container sollen „befristet“ der Unterbringung von Flüchtlingen dienen. Die Stadt lässt sich drei Angebote machen: Kauf der Gebäude, Anmietung der Normcontainer für zehn Jahre mit Option für jährliche Verlängerung sowie Anmietung für fünf Jahre mit Option auf weitere fünf Jahre.

Stadträtin Renate Sanzenbacher (SPD) fragte, ob es Zuschüsse gebe. Amtsleiter Ralf Köder wird sich „beim Wohnbauförderprogramm umschauen“. Die Miete bezahlen die Flüchtlinge selbst, wenn sie eine Arbeit gefunden haben, falls nicht, macht es der zuständige staatliche Träger.

„Wird die Warteliste dann kürzer?“, fragte Sanzenbacher. „Sie bleibt so lang, weil wir letztes Jahr nicht alle unterbringen konnten und wir weitere Personen zugewiesen bekommen“, sagte Ralf Köder.