Winnenden

Flüchtlinge machen City-Treff zum Fest der Nationen

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Sie repräsentieren noch viel mehr Macher beim „Fest der Nationen“ auf der unteren Marktstraße im Rahmen des neuen City-Treffs (von links): Mamadou Bajo aus Gambia und Nina Binder mit der Flagge von Gambia, Annette Härdter, Anne Russ, Lisa Weber, Debesay Ghirmay aus Eritrea, Gerhard Kienzle, Gabriele von Lützau und Naser Pnishi mit der Flagge von Kamerun und Hansjörg Neumann von der Stadt. © Büttner / ZVW

Winnenden. Eine internationale Speisenauswahl, die einem schon beim Hören das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, und spontane Trommelauftritte von afrikanischen Flüchtlingen gehören zum neuen Citytreffkonzept. Von 15. bis 18. Juli wird die untere Marktstraße zum „Fest der Nationen“, zum internationalen Bindeglied zwischen Kronenplatz und Torturm.

Hungrig kann niemand diesen Festbereich verlassen, denn die Stadt und die Eventagentur haben einen bunten Mix aus Profi- und Laienköchen zusammengestellt, die Spezialitäten aus Asien und Afrika, Syrien, Türkei und Ungarn, Italien, Kosovo, Portugal und Deutschland bieten.

Der besondere Charme ist, dass die an der unteren Marktstraße fest ansässigen Verköstiger, die Eisdielen, die Imbisse, die Restaurants, Teil des Multikultimixes sind und die Ehrenamtlichen professionell ergänzen. „Zu meinem üblichen Souflaki und Gyros biete ich beim Fest Lokomades, eine süße Spezialität aus Teig und mit Honig“, sagt zum Beispiel Konstantinos Kazantzidis vom griechischen Retsina-Grill. Da kündigt Nina Binder gleich an, dass sie öfter vorbeischauen wird. Die Ehrenamtliche repräsentiert beim Pressegespräch den Freundeskreis Flüchtlinge. „Wir stellen für jeden Festtag ein Team aus Flüchtlingen zusammen, das eine Spezialität aus der Heimat anbietet.“ Kochen dürfen die Leute im Gemeindehaus der evangelischen Kirche, Ausgabe ist am Stand vor Friseur Scholz.

150 bis 350 Portionen trauen die Ehrenamtlichen sich und ihren Schützlingen zu, sie sind beim ersten Mal lieber vorsichtig. Am Freitag gibt’s eritreische Injera, das sind Sauerteigfladen, die verschiedene Toppings erhalten und von Nina Binder als „neig’schmeckte Pfannkuchen“ bezeichnet werden. Samstags sind die Syrer an der Reihe. Wegen des noch bis zur Nacht des 5. Juli andauernden Ramadans (tagsüber wird gefastet) waren sie aber noch nicht in der Lage, übers Kochen nachzudenken. Sonntags übernehmen Gambier die Küche und machen Benachin, ein Reisgericht mit oder ohne Fleisch, aber mit einer Erdnusssoße, „es ist mittlerweile mein Lieblingsessen“, schwärmt Nina Binder. Am Montag bereiten Kameruner einen Bohnen-Mais-Eintopf zu. Vielleicht machen auch noch Algerier und Pakistani etwas. Trommler sorgen für einen Hauch von Afrika, fürs Auge und vor allem für die Ohren, bei spontanen Auftritten über Tag und Abend verteilt.

Es war nie günstiger, in die Welt zu reisen, als an diesem Citytreff

Matthias Kästner vom Pois-Projekt zieht für vier Tage von der Karl-Krämer-Straße in die Innenstadt, informiert über seinen fairen Handel und bietet kleine portugiesische Vorspeisen, Petisco, an. Er darf im Hof des Haushalts- und Eisenwarengeschäfts Häussermann Stand und Sitzplätze einrichten und wird portugiesische Musik vom Band laufenlassen.

Gegenüber, vor der BW-Bank, steht ein Gemeinschaftsstand: Freitags kochen syrische Frauen etwas mit Kichererbsen, samstags stellt sich der Verein Discover vor, sonntags bietet der Weltladen einen Querschnitt seiner Waren, am Montag kann man hier einfach sitzen, sagt Anne Russ vom Weltladen-Team. Sie freut der neu konzipierte Festbereich: „Es ist nie günstiger gewesen, in die Welt zu reisen, als an diesem Citytreff.“

Die Ehrenamtlichen der offenen Treffs für Einheimische und Flüchtlinge haben sich noch ein Ratespiel ausgedacht. „Man kann einen Gutschein für den Weltladen gewinnen“, sagt Annette Härdter vom Friendly Friday. Es gibt nur 600 Teilnahmekarten, die an den Ständen, bei den Treffs (derzeit mittwochs in der Alten Kelter und freitags in der Jubiläumskirche) sowie beim Optiker Durchblick zu haben sind.

Bekannt vom Markt

Mit dem „Fest der Nationen“ bildet der Citytreff auch den Trend „Street Food“ ab.

Mit dabei sind auch Stände, die Winnender vom Wochenmarkt oder anderen Festen kennen.