Winnenden

Floristen schmückten die Marktstraße beim Wonnetag

Winnendengruent
Floristen zeigen in der Marktstraße ihre Pracht. © Gaby Schneider

Die Stadt öffnet sich, das Wetter macht ebenfalls, was es soll. Straßen werden be-bummelt, der Marktplatz füllt sich, das Leben strömt in Cafés, in den Geschäften bleibt es auch nicht leer. Die Covid-Einschränkungen haben sich gelockert, die Lockerheit scheint bei den Besuchern anzukommen.

Rund um die Stände mit Blumen und Pflanzen blüht das Leben. Bei den Orchideen wird eifrig diskutiert: „Man muss mit den Blumen schwätzen“, sagt Birgit Damaschke aus Winnenden zu ihrer Bekannten. Diese erzählt der blumenvernarrten Freundin vom Bier-Trick ihrer Mutter, die Blätter mit dem Getränk eingerieben und so länger haltbar gemacht habe. Nach eineinhalb Jahren, in denen sie fast nur mit ihren Blumen „geschwätzt“ haben, können sie endlich wieder live reden und babbeln. Es sei ihr erstes Zusammentreffen, sie genießen es. „Heute ist viel Winken und viel Schwätzen angesagt, überall trifft man ja bekannte Gesichter“, meint die Winnenderin. „Mal wieder Leute treffen, hinstehen, sehen, wie belebt alles ist, es ist wieder schön.“

An mehreren Stellen in der Marktstraße zeigen Floristen und Gestalter ihre Pracht. „Es ist der erste Markt seit eineinhalb Jahren“, sagt Floristikmeisterin Anne-Kathrin Faiss. Sie sei seit vielen Jahren Ausstellerin bei den Wonnetagen und wertet es als „Zeichen von Mut und Aktivität“, dass Winnenden den Tag anbietet. „Dass überhaupt jemand was macht, ist toll, es muss sein, ich bin überzeugt, viele Menschen brauchen es jetzt für die Seele“. Es sei ihr einziger Markt in nächster Zeit. Sie habe sich mit Wochenmärkten teilweise über die lange Durststrecke im Lockdown hinweggerettet, doch „das hier“ sei schon etwas ganz anderes. „Endlich ist wieder Leben in der Stadt, die Normalität hat gefehlt.“

Noch zwei Gartenverrückte sind in ihrem Element: Silvia und Günther Michaleff zieht es zu winterharten Sorten. Zwei Taschen füllen sie am Stand der Baumschule Wöhrle. Gelb, pink und blau quillen Margeriten und Bartnelken zum Taschenrand hinaus. Einen Kaffeestopp unterwegs zum Auto möchten sie noch einlegen, dann aber rufe das Beet. „Die Pflanzen werden gleich verarztet, bevor’s gewittert.“ Der Wonnetag komme zum richtigen Zeitpunkt, verfrüht finden sie es nicht. „Bei 60 000 Leuten im Stadion, da krieg’ ich eher den Vogel“, meint sie. Beide hoffen, „dass die Leute an den Ständen und die Einzelhändler für ihre Mühe belohnt werden“.

 Das Gärtnern hat auch Jutta Kemmler aus Schwaikheim während Corona intensiviert. „Jetzt ist es an der Zeit für ein paar neue Inspirationen“, meint sie. Die finde sie meist auf dem Wonnetag. Gemeinsam mit Tochter Leonie sucht sie mit den Augen das romantische Blütenmeer ab, im Vintagestil, in Rosé, Altrosa und Pink gestaltet, für sie die „pure Wonne“. „Vielleicht ergattern wir was Nettes, und wenn nicht, gehen wir einfach nur mal wieder bummeln.“ Die Einkauferei mit dem Test sei „anstrengend“ gewesen - „es war einfach nicht das spontane Einkaufserlebnis“. Tochter Leonie freut sich darauf, „wieder am Leben teilzunehmen, schön raussitzen zu können“.

Masken stets griffbereit, wie ein Utensil für den Stadtbummel

Ihre Maske hätten sie griffbereit. Sie prägt das Straßenbild, wird als selbstverständliches Utensil für einen Stadtbesuch nun eben mitgetragen. Mal hängt sie locker und absturzgefährdet einseitig am Ohr, meistens wird sie wie ein Armband um das Handgelenk getragen oder um den Oberarm gewickelt wie eine Binde. An Hosengürteln befestigt flattert sie bei jedem Schritt mit, oder sie klemmt unter dem Kinn - in den Geschäften ist sie Pflicht. Einige tragen sie auch freiwillig im Freien. „Ich bin zwar zweimal geimpft, aber bleibe vorsichtig“, sagt Paul Singer aus Leutenbach. Ein Aufatmen, ein neuer Auftrieb schlage ihm entgegen, wenn er die Marktstraße hinabschaut. Er und seine Partnerin Romy Kussmaul - auch sie trägt die Maske - genießen es, „beim Luftschnappengehen auch mal wieder Leute zu sehen“. Verfrüht finden beide den Wonnetag als Schritt in Richtung Normalität nicht: „Irgendwann muss man wieder lockern“, sagen beide.

Gewisse Anlaufschwierigkeiten habe die „neue Normalität“ noch, doch wie lange will man noch warten, fragt sich Matthias Eichinger aus Winnenden. „Wir werden das Virus wohl nicht los, müssen damit leben, aber das Leben muss auch mal weitergehen.“ Ehefrau Ellen Eichinger sagt, sie habe schon nicht mehr dran geglaubt, aber jetzt tue sich was. „Wir schlappen einmal durch, die Kinder wollten unbedingt ein Eis, wir kaufen vielleicht noch was, man muss es nicht gleich übertreiben, aber wieder raus, eine belebte Stadt erleben, das tut gut.“

Die Stadt öffnet sich, das Wetter macht ebenfalls, was es soll. Straßen werden be-bummelt, der Marktplatz füllt sich, das Leben strömt in Cafés, in den Geschäften bleibt es auch nicht leer. Die Covid-Einschränkungen haben sich gelockert, die Lockerheit scheint bei den Besuchern anzukommen.

Rund um die Stände mit Blumen und Pflanzen blüht das Leben. Bei den Orchideen wird eifrig diskutiert: „Man muss mit den Blumen schwätzen“, sagt Birgit Damaschke aus Winnenden zu ihrer Bekannten.

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