Winnenden

Forschungseinheit im Klassenzimmer: Höfener Grundschüler experimentieren mit Farben und Düften

Fehling-Lab
Grundschülerinnen beim Experimentieren mit Farben. Das „Fehling-Labor“ war zu Besuch im Klassenraum, der zum Labor wurde. © Gabriel Habermann

Klar, Farben kennt jedes Kind. Viertklässler der Grundschule Höfen wissen nach ihrem Forschungsprojekt mit der Uni Stuttgart mehr: Sie fanden im „Farblabor“ mit Lebensmittelfarben heraus, was beim Mischen passiert. Und wissen nun auch, warum beim Pinselauswaschen nach dem Malen mit Wasserfarben immer eine schwarze Brühe zurückbleibt.

Annette Capudi, abgeordnete Lehrkraft im Hochschuldienst der Universität Stuttgart, leitet das freie Experimentieren mit Farben, Filterpapier und Pipette ein, bei dem die aufmerksam lauschenden Grundschüler einigen Facetten der Farben ein Stück näherkommen. Lias sagt, was er beobachtet: „Die Farbe hat sich als Erstes ausgebreitet.“ Seine Antwort, die die allererste Veränderung auf dem Filterpapier festhält, gefällt der Naturwissenschaftlerin: „Gut beobachtet, das Wichtigste am Forschen ist das genaue Beobachten.“ Mia und Ana sind schon einen Schritt weiter und berichten, dass alles schön grün wird, nachdem die Flüssigkeiten ineinandergeflossen sind. „Meine Finger sind schon türkis“, stellt Mia fest. „Die ganze Farbe hat sich ausgebreitet“, sieht Ana.

Farbveränderungen kommentieren die Schüler sehr fantasievoll

Gerade saßen die 20 forschen Entdeckernaturen noch in konzentrierter Zuhörerposition, mit dem Träufeln von Farbe und Wassertropfengabe per Pipette ins Reagenzglas wird es an den Tischen lebendig. In Schritt zwei nehmen sie fürs Experiment Filzstifte. Die Schüler suchen mit ihren Augen Filterpapier und Reagenzgläser ab und kommentieren jede Farbveränderung, teilweise sehr fantasievoll.

„Ein neuer Planet“, sagt Emil über den Klecks aus Rot, verwaschenem Rosa und Blau, das auf der saugfähigen Unterlage vor ihm verläuft. Ein Farbkranz ist zu erkennen. „Bei mir hat’s jetzt ganz viele Farben drin, außen Pink und innen Blau“, schildert Liam die Vorgänge, nachdem er einen blauen Filzstift und Wassertropfen zusammengebracht hat. Die Kinder sind mitten in der Chromatografie gelandet, wie der Fachbegriff für das Trennen der Farben lautet. „Bei mir wird’s ein Auge“, ruft ein Kind - auch nicht schlecht.

Weshalb bleibt am Schluss die schwarze Brühe?

Die eifrig träufelnden, mischenden Viertklässler erleben Chemie hier lebendig, die Experimente sind mitten aus dem Leben gegriffen, stellen Bezüge her zu Dingen, Erlebnissen und Beobachtungen, die sie im Alltag sammeln, oft ohne zu merken, dass es sich beim Zubereiten von Karamellbonbons ebenso um einen chemischen Vorgang handelt wie beim Auswaschen des Pinsels nach dem Malen mit Wasserfarben.

Warum bleibt eigentlich zum Schluss immer eine schwarze Brühe im Glas übrig, will die Dozentin wissen. Die Antwort gibt sie selbst: Schwarz ist an sich keine Farbe, sondern sie entsteht, „weil aus vielen Farben immer eine dunkle wird, je mehr Farben zusammenkommen, desto dunkler“.

Interessant, zu beobachten, was die Kinder, die noch keinen Chemieunterricht genossen haben, von sich aus mitbringen an Wissen. Ein Kind fragt, warum es bei ihm dunkler ist als beim Nebensitzer. Ein anderes Kind weiß es: „Weil die getrockneten Blüten mit dem Mörser kräftiger zerrieben wurden.“ Ein Junge nennt, befragt von Annette Capudi, ohne langes Nachdenken die drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb.

Eine schöne Idee, das Labor für Schulklassen zu öffnen, Schüler unter „Laborbedingungen“ an der Hand zu nehmen und lebendig in Chemie zu unterrichten, lobt die Klassenlehrerin Rike Joos.

Jedes Kind erhält ein Andenken an den Forschertag

Nach der Forschungseinheit mit den Augen sind die Näschen an der Reihe: Im „Duftlabor“, dem zweiten Teil des Forschertags, stellt jedes Kind ein Lavendelparfüm her, das es in einem kleinen Fläschchen mit nach Hause nehmen darf. Derlei Andenken und Eindrücke bleiben hängen bei den Schülern. Klassenlehrerin Rike Joos merkt an den Äußerungen und den Gesprächen am Folgetag, dass der entfachte Forschereifer nicht abgeebbt sei. „Die Kinder hätten gerne noch in der Schule weitergemacht.“ Einige hätten zu Hause weitergeforscht. Dies war ganz im Sinne der „Forschungsleitung“, die jedem Kind zum Abschluss eine Tüte mit Forscherutensilien mitgab: Mit Reagenzgläsern, einem Reagenzglasständer aus Gips, Pipette, Filterpapier und dem Heft „Chemie zum Mitmachen“ kann jedes Kind daheim noch ein bisschen weiter auf Entdeckungstour ins Reich der Chemie gehen.

Klar, Farben kennt jedes Kind. Viertklässler der Grundschule Höfen wissen nach ihrem Forschungsprojekt mit der Uni Stuttgart mehr: Sie fanden im „Farblabor“ mit Lebensmittelfarben heraus, was beim Mischen passiert. Und wissen nun auch, warum beim Pinselauswaschen nach dem Malen mit Wasserfarben immer eine schwarze Brühe zurückbleibt.

Annette Capudi, abgeordnete Lehrkraft im Hochschuldienst der Universität Stuttgart, leitet das freie Experimentieren mit Farben, Filterpapier und Pipette

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