Winnenden

Fragen zur Baustelle zwischen Baach und Bürg: Noch sechs Wochen bis zum Sanierungsbeginn

Vor Ort Termin mit dem RP Reimer, OB Holzwarth und Landrat Sigel: Straße nach Bürg, Winnenden, 20.09.2019.
Die Ebniseestraße (hier die Haarnadelkurve beim Schulerhof) zwischen Baach und Bürg wird ab Ende Juli saniert. © Benjamin Beytekin

In knapp sechs Wochen geht es los: Die Sanierung der Kreisstraße zwischen Baach und Bürg beginnt. Amtlich heißt sie K 1914, auf Stadtplänen weist sie mit dem Namen Ebniseestraße aufs Ausflugsziel im Schwäbisch-Fränkischen Wald hin. Stolze 14 Monate werden die Bauarbeiten dauern, und die Straße ist so lange voll gesperrt. Am Mittwochabend hatten interessierte Bürger bei einer virtuellen Infoveranstaltung Gelegenheit, den Planern vom Landratsamt und dem Ordnungsamt der Stadt Winnenden Fragen zu stellen. Wir haben die wichtigsten mitsamt Antworten zusammengefasst.

Wann und wo beginnt die Vollsperrung der Ebniseestraße?

Sie beginnt Ende Juli, vermutlich mit Beginn der Sommerferien (29.7.). Der erste Bauabschnitt beginnt kurz vor der ersten Haarnadelkurve (Zufahrt Steinbruch Haufe/Kirstein) und endet kurz vor der zweiten Haarnadelkurve beim Aidehof. Dieser und der Schulerhof sind in den ersten acht Monaten Bauzeit, bis Ende März 2022, über Bürg und den Stöckenhof erreichbar. Landwirte dürfen natürlich auch die Feldwege nutzen. Von April bis Oktober 2022 erfolgt der zweite Bauabschnitt vom Schulerhof bis Ortsbeginn Bürg.

Wie kommen normale Autofahrer dann nach Bürg?

Die Stadt wird eine weiträumige Umleitung über die Kernstadt ausweisen, über die vor allem Lastwagen und der überörtliche Pendlerverkehr geleitet werden soll. Vorbei am Feuerwehrhaus Mitte, nach Hertmannsweiler, dort bergauf nach Berglen-Stöckenhof. Wer sich als Einwohner Bürgs oder Gast eines Restaurants auskennt, darf natürlich auch von Höfen die Kreisstraße 1851 direkt nach Hertmannsweiler fahren, sagte Karsten Klein, Teamleiter Planung und Bau vom Landratsamt. Sein Kollege Andreas Dilli ging auf die Frage nach Tempo 30 auf den Umleitungsstrecken ein. „Wir rechnen nicht mit zusätzlichem Verkehr und haben rechtlich keinen Rahmen, auf überörtlichen Straßen von Tempo 50 abzuweichen.“

Was ist mit dem Bus, wird der auch umgeleitet?

Nein, die Fahrgäste sind privilegiert, ihr Bus muss nur eine kleine Umleitung fahren. Sie steigen vermutlich bei der Grundschule Höfen vom normalen Bus in einen Kleinbus um, der zwölf Personen mitnehmen kann. Mit diesem kommt der Fahrer gut über Feldwege zum Schulerhof und nach Bürg. „Der Fahrplan der Linie 337 wird somit aufrechterhalten“, so Andreas Dilli, Fachbereichsleiter Straßenverkehr beim Landratsamt über das in seinen Augen „gute Konzept“. Der Kreis verspricht nachzubessern, sollten die Plätze im Ersatzbus nicht reichen. Dann müssen in Spitzenzeiten mehrere fahren. „Die Verbindung Bürg-Stöckenhof wird in der Bauzeit aber eingestellt, das sind einfach zu geringe Fahrgastzahlen“, so Dilli.

Falls Autofahrer die Busstrecke als Schleichweg nutzen wollen, laufen sie Gefahr, einen Strafzettel zu bekommen, das kündigte Andreas Dilli gleich an.

Und die Radfahrer?

Auch die Radfahrer benutzen die Wirtschaftswege, die allerdings nicht auf direktem Weg von und nach Höfen führen. Und so bleibt es auch nach Ablauf der 14 Monate: Der Radler benutzt die Feldwege oder die Straße. Allerdings wird bis Jahresende ein Ingenieurbüro die Radwegführung optimieren und auch beschädigte oder fehlende Schilder erneuern, sagte Andreas Dilli. Das sei Teil des Radkonzepts des Kreises.

Ein Rad-Pendler äußerte seinen Unmut darüber, er wolle nicht spazieren fahren, sondern schnell zum Ziel kommen, und forderte einen Radweg an der Straße. Doch Karsten Klein warb um Verständnis: Je breiter das Landratsamt die Straße machen würde, desto höher müssten die Stützmauern werden. „Und das wird sauteuer“, sagte Karsten Klein. „Jeder Meter kostet Millionen.“ Überdies sollten Radfahrer auch bedenken, dass für zusätzliche Wege weitere Bäume und Wiesen, also Habitate für Insekten, Amphibien, Eidechsen verschwinden.

Für Schutzstreifen außerorts fehle bisher zudem die rechtliche Grundlage. „Sie müssen mindestens 1,25 Meter breit und übersichtlich sein.“ Das wird auf der kurvigen, steilen Strecke mehr als schwierig.

Sollte die Straße nicht breiter werden? Und ist dann mehr Lärm zu befürchten, weil sie mehr Verkehr anzieht?

Die neu gerichtete und gestützte Straße ist am Ende nur sechs Meter breit. Ein normaler Standardausbau läge bei 6,5 Metern. Karsten Klein erläuterte, dass nur die Kurve beim Schulerhof neun Meter breit wird. „Dort haben Busse, die einander begegnen, einen anderen Platzbedarf, sie verwinkeln sich.“ Bisher musst ein Fahrer oben warten, bis der andere um die Kurve gefahren war.

Ziel des Ausbaus ist, die Straße sicherer zu machen, die ausgefransten Ränder sollen verschwinden, ebenso die Dellen und Wellen im Fahrbahnbelag. Der Bus bekommt Haltebuchten, womit auch gefährliche Überholmanöver ein Ende haben.

Wäre statt Tempo 70 nicht Tempo 50 besser? Weniger Lärm für Anwohner, mehr Sicherheit für Radfahrer?

Andreas Dilli sieht das nicht so. „Eigentlich wäre auf einer Straße außerorts 100 km/h erlaubt. 50 ist nicht vermittelbar.“ Ordnungsamtsleiterin Beatrice Hertel verwies zur Frage, ob an der Einmündung der Baacher Straße „In der Au“ ein Überweg gebaut werde, aufs dort noch geltende Tempo 50. „So ist ein Queren relativ gut möglich, ein Überweg aber ist außerorts nicht zulässig.“ Insgesamt sei die Straße durch ihre Haarnadelkurven „keine Hochgeschwindigkeitsstrecke“, so Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Ein Schild von der Kreiskampagne gegen Motorenlärm könne er sich an der Straße gut vorstellen.

Kann irgendwann Tempo 30 in Bürg angeordnet werden?

„Die Lage wurde bereits untersucht, leider gibt es keine Lärmwertüberschreitungen, die Tempo 30 ermöglichen“, sagt OB Hartmut Holzwarth. Die Stadt hätte es gern anders gehabt, betonte er. „Es bleibt uns nur weiterhin, Tempo 30 an Gefahrenstellen wie Bushaltestelle und Kindergarten anzuordnen.“ Holzwarth glaubt aber, dass der Bund dazu etwas ändern wird. Im September ist Wahl. „Die politischen Bewerber hören zurzeit auf solche Forderungen. Wenn es politisch kommt, können wir handeln.“

Was kostet der Ausbau?

Der Ausbau des 1,2 Kilometer langen Abschnitts kostet insgesamt rund 4 Millionen Euro. Der Rems-Murr-Kreis erhält eine Förderung vom Land in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro. Die Stadt erneuert Kanäle, die Stadtwerke legt Leerrohre für Breitband und erneuert Stromleitungen.

In knapp sechs Wochen geht es los: Die Sanierung der Kreisstraße zwischen Baach und Bürg beginnt. Amtlich heißt sie K 1914, auf Stadtplänen weist sie mit dem Namen Ebniseestraße aufs Ausflugsziel im Schwäbisch-Fränkischen Wald hin. Stolze 14 Monate werden die Bauarbeiten dauern, und die Straße ist so lange voll gesperrt. Am Mittwochabend hatten interessierte Bürger bei einer virtuellen Infoveranstaltung Gelegenheit, den Planern vom Landratsamt und dem Ordnungsamt der Stadt Winnenden Fragen

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