Winnenden

Franziskanerinnen lösen ihr Kleinkonvent auf und sagen Winnenden Adieu

Tabernakel Winnenden Wohnung Adlerplatz 1/13. Die Franziskanerinnen von Gmünd haben für ihre Winnender Niederlassung einen Taber
Im September 2012 wurde das Buntglasfenster im Kleinkonvent am Adlerplatz eingeweiht: Künstlerin Monika Baumhauer, Schwester Joyce, Schwester Birgitta und Schwester Armella. © Buettner Benjamin

Als vor zehn Jahren Franziskanerinnen nach Winnenden kamen, fielen sie auf im Stadtbild mit ihrer Ordenstracht. Mittlerweile gehören sie dazu. Wenn Schwester Joyce am Samstag über den Wochenmarkt geht, grüßen Händler und Kunden mit fröhlichen Gesichtern. Die Schwestern waren, ohne je Aufsehen zu erregen oder irgendwo im Mittelpunkt zu stehen, sehr willkommen in Winnenden. Viele, Evangelische wie Katholiken und ziemlich sicher auch einige Muslime unter den Flüchtlingen der jüngsten Jahre, werden die katholischen Nonnen vermissen.

Für diese Stadt gebetet

Sie hatten ein Kleinkonvent bestehend aus zwei Wohnungen im Markthaus am Adlerplatz. Dorthin waren sie im Jahr nach dem Amoklauf gekommen. Ganz im Stillen, in kleinen Kreisen, knüpften sie Kontakte, suchten spirituelle Verbindungen, fanden sie und pflegten sie. „Seit dem furchtbaren Geschehen am 11. März 2009 sind wir mit unserer Anteilnahme und unserem Beten bei dieser Stadt und bei den betroffenen Menschen. Durch unsere Präsenz wollen wir nun ein sichtbares Zeichen dieser Anteilnahme setzen“, sagten sie vor zehn Jahren vor ihrer Ankunft.

Sie waren aus dem Franziskanerinnenkloster in Schwäbisch Gmünd ausgesiedelt. Redakteurin Regina Munder schrieb damals in der Winnender Zeitung: „Schwester Joyce Machikattu erzählt, dass in einem Geschäft eine Frau zu ihr sagte:Sie weiß auch, woher das rührt:Der Tag ist strukturiert durch die gemeinsamen Andachten. Dazwischen sind Hausarbeiten, Einkaufen und Essen angesagt.“

Schwester Joyce bleibt noch

Schwester Claudia Härle war damals noch dabei. Schwester Armella Moosmann kam im Alter von 80 Jahren und verließ vor kurzem Winnenden mit 90 Jahren. Die in Indien geborene Schwester Joyce dagegen bleibt auch jetzt, nach der Schließung des Konvents, für längere Zeit in Winnenden, wohnt in einem Wohnheim und arbeitet weiter als Krankenschwester, geht aber an ihren freien Tagen zurück ins Mutterhaus zu ihren Mitschwestern. Nach einiger Zeit kam Schwester Birgitta Kunsch hinzu, die bis jetzt zeitweise im Winnender Kleinkonvent lebte, die aber zugleich Generaloberin der Franziskanerinnen der ewigen Anbetung in Schwäbisch Gmünd ist und deshalb dringend dort gebraucht wird.

In aller Stille und Bescheidenheit, haben die Schwestern doch viele Winnender bewegt, haben erlebt, wie gastfreundlich und interessiert evangelische Kreise katholische Nonnen aufnehmen, haben bei monatlichen Taizé-Gebeten die Gemeinsamkeit der christlichen Konfessionen gefeiert.

Der Bruch eines Tabus

Ganz am Anfang ihrer Winnender Zeit lösten die Schwestern allerdings eine kurze Schockstarre aus. Sie ließen von Künstlerin Monika Baumhauer ein Buntglasfenster zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufs fertigen und ließen die Namen aller auf dieses Fenster schreiben. Aus zutiefst christlicher und franziskanischer Überzeugung fügten sie auch den Namen des Täters hinzu, womit sie ein Winnender Tabu brachen. Die wenigsten Winnender nennen diesen Namen, und wir von der Zeitung verschweigen ihn auch. Aber die Schwestern sagen: Auch er ist ein Mensch. Er ist Täter, aber er ist auch Opfer. Dieses Fenster war und ist eine Zumutung für viele Winnender, aber eine, aus der eine große, umfassende und kompromisslose Menschenliebe spricht.

Was wird aus dem Fenster?

Das Gedenkfenster wird aus der Wohnung ausgebaut und wird von der katholischen Kirche in Winnenden aufbewahrt. Es wird daran erinnern, dass Franziskanerinnen nach dem Amoklauf zehn Jahre in Winnenden gewirkt haben und dass die unbedingte Nächstenliebe ihre Botschaft war.

Als vor zehn Jahren Franziskanerinnen nach Winnenden kamen, fielen sie auf im Stadtbild mit ihrer Ordenstracht. Mittlerweile gehören sie dazu. Wenn Schwester Joyce am Samstag über den Wochenmarkt geht, grüßen Händler und Kunden mit fröhlichen Gesichtern. Die Schwestern waren, ohne je Aufsehen zu erregen oder irgendwo im Mittelpunkt zu stehen, sehr willkommen in Winnenden. Viele, Evangelische wie Katholiken und ziemlich sicher auch einige Muslime unter den Flüchtlingen der jüngsten Jahre,

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