Winnenden

Frau auf Wunnebad-Parkplatz überfallen: Drei Jahre Haft

20519597(2)[3]_0
Symbolbild. © Mathias Ellwanger

Winnenden. Ein 28-Jähriger aus Brandenburg muss drei Jahre ins Gefängnis, weil er am 7. Januar in Winnenden eine Frau überfallen, schwer verletzt, bedroht und zwischen den Beinen und an der Brust angefasst hat. Der Mann behauptet, keinerlei Erinnerung an die Tat zu haben. Die geschädigte Frau berichtet, dass sie heute noch Angstzustände hat.

Viele Winnender erinnern sich an Berichte von diesem Überfall. Eine Krankenschwester hatte nach Dienstschluss um 21.30 Uhr die Kreisklinik verlassen und war zum Wunnebadparkplatz gegangen. Kurz vor ihrem Auto hörte sie Schritte. Als sie aufgeschlossen hatte, wurde sie von einem Mann gepackt. Sie schrie um Hilfe. Er drückte sie zu Boden und drohte: „Wenn du noch mal schreist, bringe ich dich um.“ Er setzte sich auf die Frau, berührte sie an der Brust und zwischen den Beinen. Ein Passant kam hinzu, und der Täter rannte davon.

Am Montag vor dem Amtsgericht wurde der hagere, blasse 28-Jährige in Handschellen ins Gericht geführt. Er erinnere sich an nichts mehr von dem, was ihm vorgeworfen wird, erklärte er mit brüchiger Stimme. An jenem Tag war er aus einer Sozialeinrichtung rausgeflogen, weil er einen Alkoholentzug abgelehnt hatte. Er fuhr mit dem Zug nach Winnenden und betrank sich mit sechs Dosen Bier und einer Flasche Jägermeister. Eigentlich wollte er ins ZfP in die Suchtklinik, landete versehentlich an der Kreisklinik. Das weiß er noch. Was er angeblich nicht mehr weiß, dass er dort die 58-Jährige gesehen hatte und ihr gefolgt war.

Eine Suchttherapie kann dem Angeklagten Haft ersparen

Er hatte Arbeitshandschuhe angezogen, um die Frau festzuhalten. „Den Geruch dieser Handschuhe habe ich heute noch in der Nase“, sagt die Frau. Den Angeklagten allerdings würde sie nicht als Täter wiedererkennen. Sie hatte zu wenig von ihm gesehen. Bei diesem Überfall wurde sie verletzt, ihr Lendenwirbel war gebrochen, sie hatte ein großes Hämatom am Kopf und Hämatome am Oberarm. Drei Monate war sie krankgeschrieben. Jetzt kann sie wieder schlafen und arbeiten, nur die Angst kommt immer wieder. Ihr Anwalt plädierte als Nebenkläger auf drei Monate Haft und auf ein Schmerzensgeld von 25 000 Euro. Wulf Hanke als Vertreter der Staatsanwaltschaft plädierte auch für drei Jahre Haft. Er verwies auf die Arbeitshandschuhe: „Die hatten keinen anderen Sinn, als die Tatspuren zu verwischen.“ Alle Beteiligten sind sich sicher, dass der Angeklagte voll schuldfähig ist, dass er zur Tatzeit wusste, was er tat. Auch die medizinische Gutachterin vermutet dies. Sie empfahl eine Therapie, die sei nicht aussichtslos. Der Angeklagte hatte vor zwei Jahren versucht, ein 14-jähriges Mädchen in Oberschwaben zu vergewaltigen, und war zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Das Waiblinger Gericht verurteilte ihn nun zu drei Jahren Haft, die er dann nicht absitzen muss, wenn er eine Suchttherapie durchhält und erfolgreich abschließt.

Verwirrende Täterbeschreibung

Nach der Tat suchte die Polizei nach einem Mann mit „osteuropäischem Akzent“ und mit dunklen Handschuhen. Zwei Polizisten kontrollierten in Tatortnähe den heutigen Angeklagten und ließen ihn wieder laufen, weil die Täterbeschreibung nicht passte.

Am 8. Januar sah ein Kriminalhauptkommissar in Waiblingen die Protokollnotiz der Polizisten und ging dieser Person nach, fand heraus, dass sie im ZfP aufgenommen wurde, dort durch unflätige Sex-Aussagen aufgefallen war. Ein anderer Beamter prüfte die Vorstrafen. Der heutige Angeklagte wurde in Waiblingen vernommen und wieder freigelassen, weil er nicht zur Täterbeschreibung passte. Aber von seinem Blouson wurden Faserspuren abgenommen und von ihm DNA-Spuren. Wenige Tage nach der Freilassung überführten diese Spuren den Mann, er kam in Untersuchungshaft.

In der Gerichtsverhandlung lag kein Geständnis vor, niemand identifizierte den Täter, bei einer Gegenüberstellung hatte die Geschädigte eine unheimliche Angst empfunden, aber sie konnte in ihm nicht den Täter erkennen. Die Indizien waren allerdings so überzeugend, dass selbst der Verteidiger und der Angeklagte sie anerkannten, wenngleich dieser dabei blieb, dass er sich an nichts erinnere.