Winnenden

Frau entdeckt Intimfotos von sich selbst auf Facebook

Intimfotos
Was passiert mit sehr privaten Fotos auf dem Handy? © Adobestock/RioPatuca Images

Hat der Angeklagte sieben intime Fotos vom Schambereich seiner Noch-Ehefrau sowie deren Profilbild auf Facebook veröffentlicht und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt? Hat er zu diesem Zweck unter deren Namen ein Fake-Account bei Facebook eingerichtet, auf dem er zusammen mit den Bildern ihre Adresse veröffentlichte und dazu aufforderte, sich mit ihr in Verbindung zu setzen, um erotische Treffen zu vereinbaren? Dies behauptete zumindest die 34-jährige betroffene Winnenderin in ihrem Strafantrag der Polizei gegenüber. Für die Staatsanwaltschaft bestand ein ausreichender Anfangsverdacht und ein hinlängliches öffentliches Interesse, um deswegen ein Strafverfahren einzuleiten.

Der Termin am Amtsgericht Waiblingen war auf 13.30 Uhr angesetzt, wer durch Abwesenheit glänzte, war der 38-jährige Angeklagte, der mittlerweile auf der Ostalb mit seiner neuen Partnerin lebt. Er habe angenommen, ließ er durch seinen Anwalt auf dessen telefonische Rückfrage mitteilen, dass die Verhandlung verlegt worden sei. Da dies ganz offensichtlich ein Irrtum sei, könne er sich ja mit dem Bus und dem Zug nach Waiblingen zum Gericht auf den Weg machen, schlug der Angeklagte vor, bis 18 Uhr werde er schon da sein. Das dauerte wiederum seinem Anwalt zu lang, der extra für die Verhandlung von Ulm nach Waiblingen gekommen war.

Angeklagter: Ehefrau war ständig eifersüchtig auf Mitbewohnerin

Richterin und Anwalt einigten sich darauf, den Beginn der Verhandlung zu verschieben. Dann holte der Anwalt seinen Mandanten ab und brachte ihn nach Waiblingen. Sie hoffe, gab ihm Richterin Thümmel noch mit auf den Weg, dass er diese Extrafahrt wenigstens seinem Mandanten in Rechnung stellen werde. Nein, gab sich der Verteidiger siegessicher, er gehe davon aus, dass diese Kosten die Staatskasse übernehmen werde, der er sie in Rechnung stellen werde. Um 15.45 Uhr konnte dann die Verhandlung anfangen.

Am 4. November des vergangenen Jahres sei der Angeklagte aus der gemeinsamen ehelichen Wohnung ausgezogen. Bis dahin lebte das Paar zu dritt in der Winnender Wohnung, zusammen mit der Frau, die jetzt die Lebensgefährtin des Angeklagten ist. Er habe von der Eifersucht und den Vorwürfen seiner Ehefrau „die Nase voll“ gehabt, und als diese die Mitbewohnerin aus der Wohnung werfen wollte, sei er eben mit ihr gegangen. Die Ehefrau habe seitdem mehrfach versucht, Kontakt mit ihm aufzunehmen; sie habe sich dabei als eifersüchtig und nachtragend erwiesen. Am 13. Oktober dieses Jahres habe er einen Scheidungsantrag eingereicht. Er habe weder das Fake-Facebook-Account eingerichtet, um das es in dem Verfahren gehe, noch die Bilder darauf eingestellt oder den Text gepostet.

Noch-Ehefrau sagt, sie habe die Fotos ins Gefängnis geschmuggelt

Die Betroffene wiederum berichtete dem Gericht, sie sei auf die Fakeseite aufmerksam geworden, als ihr von dieser Seite eine Freundschaftsanfrage auf ihr eigenes Account gestellt wurde. Zeitnah hätten sie auch zwei Freundinnen und der Ehemann einer Freundin auf die Fakeseite hingewiesen. Sie habe diese bei Facebook gemeldet, worauf sie von dem Unternehmen gelöscht worden sei, und bei der Polizei einen Strafantrag gestellt.

Die intimen Fotos habe sie ihrem Mann, mit dem sie seit Juni 2018 verheiratet sei, per Brief zukommen lassen, als sich dieser in Bruchsal in Haft befunden habe. Er habe ihr genau erklärt, wie sie verfahren müsse, damit die Fotos durch die Postkontrolle in der Justizvollzugsanstalt durchgehen würden. Noch vor seinem Auszug habe er die Bilder besessen. Ein ehemaliger Kollege ihres Mannes, von dem sie allerdings nur den Vornamen kenne, habe sie vor einiger Zeit angerufen und ihr bestätigt, dass er diese Bilder kenne und bei ihrem Mann während der Haftzeit gesehen habe. Eigentlich habe dieser Ex-Kollege ihr versprochen, zu der Verhandlung zu kommen.

Fotos und Fake-Account sind gelöscht – fürs Gericht zu gründlich

Zudem habe sie kürzlich auf ihrem alten Mobiltelefon eine SMS ihres Mannes vom 1. Januar wiedergefunden, in der er schrieb, er habe sich sagen lassen, dass sich ihre Nacktbilder im Internet „gut machen“ würden. Dies habe er wohl getan, um sie unter Druck zu setzen und zu ärgern, da sie zum damaligen Zeitpunkt noch öfters Kontakt hatten und ständig miteinander stritten. Ab März habe sie sich schließlich damit abgefunden, dass ihr Mann sie verlassen hat und nicht zu ihr zurückkehrt, im April sei dann wohl das Fake-Account eingerichtet und die Bilder darauf eingestellt worden.

Am 20. Mai habe sie den Strafantrag gestellt. Zur Bekräftigung ihrer Angaben legte sie einen Ausdruck der SMS vor und bestätigte, dass es sich bei den Bildern aus dem Internet um diejenigen handle, die sie in die Haftanstalt geschickt hatte. Die 20-jährige Polizeibeamtin, die den Fall bearbeitet hatte, ergänzte noch, dass eine Anfrage bei Facebook wegen der Herausgabe der Bestandsdaten des Fake-Accounts erfolglos geblieben sei; die Daten seien nicht mehr vorhanden gewesen.

Es gebe Indizien, aber keine Beweise dafür, dass der Angeklagte das Fake-Account einrichtete, erklärte die Richterin. Die Bestandsdaten lägen leider nicht vor. Dritte hätten möglicherweise Zugang zu den eingestellten Intimbildern haben, sie sogar abfotografieren können. Zudem habe im April für den Angeklagten kein aktueller Anlass für die Tat bestanden, es sei kein Streit direkt vorausgegangen. Somit sei er freizusprechen, erklärte die Richterin, die Kosten des Verfahrens trage die Staatskasse.

Hat der Angeklagte sieben intime Fotos vom Schambereich seiner Noch-Ehefrau sowie deren Profilbild auf Facebook veröffentlicht und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt? Hat er zu diesem Zweck unter deren Namen ein Fake-Account bei Facebook eingerichtet, auf dem er zusammen mit den Bildern ihre Adresse veröffentlichte und dazu aufforderte, sich mit ihr in Verbindung zu setzen, um erotische Treffen zu vereinbaren? Dies behauptete zumindest die 34-jährige betroffene

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